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Augsburg

06.01.2019

Pauschale für Bus, Auto und Rad: So hat der Selbstversuch geklappt

Auto, Fahrrad und Nahverkehr mit einer Karte nutzen – unser Autor nahm für drei Monate am Test der Stadtwerke teil. Das Angebot ist immer noch in der Testphase.
Bild: Annette Zoepf

Die Stadtwerke haben ihr neues Angebot „Mobil Flat“ getestet – und unser Autor war dabei. Er erlebte Stärken und Schwächen. Das erste Fazit.

Drei Monate ohne eigenes Auto sind schnell vergangen. Das Experiment „Mobil Flat“ mit Carsharing, öffentlichen Verkehrsmitteln und Leihfahrrädern der Stadtwerke für 75 Euro im Monat war spannend, manchmal anstrengend und für mein Mobilitätsverhalten als Familienvater auch aufschlussreich. Mehrmals saß ich in dieser Zeit schon in der Tiefgarage im Privatauto, bis mir wieder einfiel, dass das ja gerade außer Dienst gestellt ist. Ich bin doch ein Gewohnheitsmensch. Noch härter war der Verzicht auf mein eigenes Fahrrad – denn das mit den Leihrädern hat für mich mal so gar nicht geklappt.

Es ging schon bei der Registrierung los. Die Stadtwerke bedienen sich des Berliner Anbieters „Nextbike“. Bei meinen Anmeldeversuchen in der Stadtwerke-App wurde ich an Nextbike verwiesen – mit dem Erfolg, dass ich kurz darauf zwei „Willkommens“-SMS erhielt, eine der SWA und eine von „Nextbike“. Mit zwei verschiedenen Anmeldeinformationen, die beide nicht funktionierten. Zwei Wochen dauerte es, bis sich der Support von Nextbike meines Problems annahm – und vermutlich auch nur deshalb, weil eine hilfreiche Mitarbeiterin der Stadtwerke dort für mich intervenierte. Als ich dann hätte fahren können, stellte ich fest, dass die nächste Radstation von der Luitpoldbrücke entweder am Hauptbahnhof oder an St. Paul in Pfersee ist, laufbar, aber mühsam. Die 30 Freiminuten, die man mit der Flat hat, reichen, um zu einem Termin zu radeln. Doch mangels Rückgabestation stand das Leihrad dann dort und verursachte Kosten.

Mit Familie wird es kompliziert

Über die öffentlichen Verkehrsmittel braucht man nicht viel zu sagen. Die funktionieren, die Zonen 10 und 20 der Mobil-Flat bringen einen überall hin. Gefehlt hat mir nur die Mitnahmemöglichkeit für die Familie – wenn ich das Auto ersetzen will, dann sollen auch alle mit mir Bus und Straßenbahn fahren können. Das Argument der Stadtwerke, dass beim übertragbaren Premium-Abo dann einer mit den Öffentlichen und der andere mit dem Carsharing-Auto fahren könnte, stimmt; doch gegen solche Tricksereien sollte es eine Lösung geben. Meine Carsharing-Erfahrungen habe ich schon beschrieben. Das Angebot ist gut, aber erfordert Vorplanung. Spontane Fahrten mit den Kindern zum Sport oder auf Veranstaltungen klappen kaum.

Auch in unserem 8. Podcast ging es um die Mobilität in Augsburg. Hören Sie doch mal rein:

Für ein paar Wochen habe ich mich im Rahmen des Versuchs in den „gläsernen Verkehrsteilnehmer“ verwandelt. Weil die Flat noch im Versuchsstadion ist, begleitet ein Doktorand der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich das Projekt. Freiwillig kann man eine App nutzen, die rund um die Uhr jede Bewegung aufzeichnet. Am Abend bekommt man eine Übersicht, welche Strecke man zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Auto oder den Öffentlichen zurückgelegt hat. Da das System mit Wahrscheinlichkeiten arbeitet, kann dann gegebenenfalls korrigiert werden, ob die Busfahrt nicht vielleicht doch mit dem Auto erfolgt ist oder der Spaziergang eine langsame Radfahrt war. Es gebe viele Untersuchungen, wie Personen die unterschiedlichen Verkehrsmittel einzeln nutzen.

Mit der neuen Mobil-Flat der Augsburger Stadtwerke können Testkunden ausprobieren, ob sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Leihfahrrädern und Car-Sharing auskommen.
Bild: Wyszengrad

Doch wie Carsharing, Bikesharing und die Öffentlichen gemeinsam mit einer Verkehrs-Flatrat wie in Augsburg genutzt werden, sei weniger erforscht, sagt Doktorand Daniel Reck. „Die App zeichnet GPS-Koordinaten auf und versieht sie mit einem Zeitstempel.“ Mit speziellen Algorithmen würden daraus Wege erstellt. Dank der Stadtwerkedaten zu den einzelnen Linien könnte die App auch abschätzen, ob die Fahrt mit dem Auto oder mit dem Bus erfolgt ist. So können auch die Stadtwerke mehr über die gemeinsame Nutzung ihrer Verkehrsmittel erfahren, erklärt Reck.

Verkehrsmittel funktionieren und sind teilweise recht attraktiv

Meine Nutzungserfahrung nach einem viertel Jahr ist klar. Die Verkehrsmittel funktionieren und sind teilweise recht attraktiv. Doch ohne Vorplanung geht nichts – spontanes Familienchaos verträgt sich in meinem Fall nicht mit der Mobil-Flat. Zusätzlich zum Privatwagen ist das Angebot ein echtes Schmankerl – sofern der endgültige Preis, der bisher ja noch nicht feststeht, nicht allzu sehr in die Höhe geht. Die Testphase dauert übrigens noch bis in den Oktober, dann wird sich zeigen, wie es mit dem Angebot weitergeht.

Fridtjof Atterdal ist Autor der Augsburger Allgemeinen. Aktuell testet er für die Lokalredaktion die neue Mobil-Flat der Augsburger Stadtwerke. Den monatlichen Pauschalbetrag von 75 Euro im Monat übernimmt die Redaktion. Fridtjof Atterdal wird in den kommenden Wochen regelmäßig über seine Erfahrungen mit der Mobil-Flat der Stadtwerke berichten.

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