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15.01.2019

Pfarrer, Äbte und ein Maharadscha

In seinem neuen Buch beschäftigt sich Ludwig Gschwind intensiv mit Mindelzell.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Neuerscheinung Prälat Ludwig Gschwind stöbert in der Geschichte von Mindelzell

Mindelzell Seit der Gebietsreform von 1972 gehört die Gemeinde Mindelzell zu Ursberg. Die Verbindung der beiden Orte ist aber viel älter und beziehungsreicher. Den vielen Windungen der Geschichte geht der Prälat in seinem neuen Buch „Mindelzeller Geschichte & Geschichten“ nach. Als Konrad von Lichtenau ins Kloster Ursberg eintrat, vergrößerte er mit dem Dorf Mindelzell als seinem Erbteil den Klosterbesitz. 1226 wählten ihn die Mitbrüder zum Probst des Klosters. Seine Amtszeit (1226 bis 1240) wurde in mindestens dreierlei Hinsicht zukunftsweisend.

Ihm wird die „Ursberger Chronik“, ein umfangreiches Geschichtswerk, zugewiesen. Er ließ die romanische Kreuzigungsgruppe, die heute in der Ursberger Kirche hängt, anfertigen. Zudem belohnte Kaiser Friedrich II. den ihm treu ergebenen Ursberger Probst mit einem Partikel vom Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist. Konrad von Lichtenau gab die Reliquie seiner Heimatgemeinde und begründete damit eine Wallfahrt, zu der im 17. und 18. Jahrhundert regelmäßig 50 Gemeinden pilgerten.

Warum Ursberg die Kreuzigungsgruppe als ein bayernweit besonders wertvolles Kunstwerk aus dieser Zeit besitzt, und warum in Mindelzell eine so schöne Wallfahrtkirche steht, wer diese gebaut und wer sie ausgemalt hat, all das klären die „Geschichten“ aus der Feder von Gschwind. Der Leser erfährt von den Höhen und Tiefen der Gemeinde, den Zerstörungen im Bauernkrieg und im 30-jährigen Krieg, von der Säkularisierung des Klosters und dem Neubeginn. Gschwind wäre nicht Gschwind, hätte er nicht auch Kuriositäten zu bieten, beispielsweise die Geschichte eines Bauernsohns aus Mindelzell, der nach einem Strafprozess und seiner Flucht über die französische Fremdenlegion nach Indien kam, sich dort als Soldat und späterer Heerführer so bewährte, dass ihm das Fürstentum „Sardkana“ zufiel und er als Maharadscha dort residierte.

Spektakulär ist auch das Auftreten von Michael Mayer, Pfarrer von Mindelzell und Abgeordneter im bayerischen Landtag, 1978 gewesen, der dem damaligen Kultusminister öffentlich ein „Spionagesystem bei der Ämterbesetzung“ vorwarf. Spektakulär ist auch der „Biesdorfer Jesuitenprozess“, den die DDR gegen den ehemaligen Mindelzeller Primizianten Pater Robert Frater führte. Schließlich stöbert Ludwig Gschwind im Pfarrarchiv und kann unter anderem davon berichten, dass die Pfarrer von Mindelzell mutig den Nationalsozialisten die Stirn boten. (zg)

Das Büchlein „Mindelzeller Geschichte & Geschichten“ (84 Seiten) von Ludwig Gschwind ist im Selbstverlag erschienen und über das Pfarramt Mindelzell zu beziehen.

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