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Gastbeitrag

11.04.2020

Pfarrer Florian Geis: „Wir alle sind auf Gott angewiesen“

Am Palmsonntag saßen vereinzelt Gläubige in den Kirchen, um zu beten. Auch an Ostern wird dies wohl wieder so sein.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

Augsburgs Stadtpfarrer Florian Geis sieht im stillen Osterfest eine besondere Bedeutung. Er legt er den Menschen ein Gebet ans Herz, das Mut machen soll. Ein Gastbeitrag.

Ein eigenartiges Osterfest ist das in diesem Jahr. An so vieles hätten wir gedacht. Aber dass ein Teil unserer Natur, das so winzig ist, dass wir es mit bloßen Augen nicht sehen können, die ganze Welt lahm legt? So etwas hatte sicher keiner „auf dem Schirm“.

Plötzlich kommt alles ganz anders, als man denkt. Ich sehe hinter dem allem eine Mahnung gegenüber unserem weit verbreiteten Weltverständnis der technischen Unantastbarkeit. Das üblich gewordene „schneller – höher – weiter“ ist ausgebremst! Was da im Globalen geschieht, das erleben wir Menschen doch oft auch im Kleinen. Es gibt da das schöne alte Sprichwort „Der Mensch denkt, und Gott lenkt!“. Mit diesem Sprichwort möchte ich die Coronakrise nicht in irgendeiner Weise als Strafe oder dergleichen deuten. Vielmehr spüre ich in der Krise neu, dass wir mehr auf den „Herrgott“ angewiesen sind, als wir – vor allem in unserer säkularisierten Gesellschaft – annehmen.

Stadtafarrer Florian Geis (links) hat einen Gastbeitrag zu Ostern verfasst.
Bild: Annette Zoepf (Archiv)

An Ostern werden die Kirchen in diesem Jahr leer bleiben

Was wissen wir denn von dieser Welt und ihren komplexen Zusammenhängen? Ich glaube fest an ein „göttliches Prinzip“. Dieses hat in unserem schönen christlichen Glauben in Jesus Christus sogar Menschennatur angenommen, damit wir dem Ursprung unserer Existenz ganz nahe kommen. Dieser unser Gott ist ein Gott der liebenden Zuwendung. Das zeigt sich gerade an Ostern, dem Fest des Lebens! Vielleicht ist das „stille“ Ostern 2020 deshalb für uns von besonderer Bedeutung: Aus der ständig sich drehenden Mühle der säkularen Alltagshektik herausgerissen, können wir an diesem Osterfest einen neuen Blick auf das Ganze unserer Erlösung werfen. Die diesjährige Fastenzeit war anders. Ich habe sie für mich gewissermaßen als eine Art „Wachrütteln“ in der Entschleunigung erlebt.

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Wie die meisten Priester werde ich in einer fast leeren Kirche die Ostergottesdienste feiern – in der Hoffnung, dass viele uns von zuhause aus im Gebet begleiten. Auf den Altären der Kirchen vollzieht sich, auch ohne physische Anwesenheit der Gemeinden, der heilige Tausch vom Tod zum Leben. Hier kommt uns Gott in dieser Zeit besonders entgegen. „Jesus“ heißt übersetzt „Gott heilt, Gott rettet!“ Durch Ostern kommen wir unserem Heil tatsächlich näher. Denn Ostern zeigt jene Dimension, die über alle Tagesaktualität hinausweist.

Ich möchte das in einem meiner Lieblingsgebete zusammenfassen. Das Gebet stammt von der Heiligen Teresa von Ávila und zeigt die Souveränität des glaubenden Menschen in schweren Zeiten: „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich erschrecken! Alles geht vorüber. Gott allein bleibt derselbe. Alles erreicht der Geduldige. Und wer Gott hat, der hat alles. Gott allein genügt!“ Der letzte Satz gefällt mir auf Spanisch besonders gut. „Solo Dios basta!“ Schöne und gesegnete Ostern!

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