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Augsburg

23.11.2019

Platteln in Lechhausen: Zwei junge Männer über die Faszination Trachtenverein

Lukas Lotze und Florian Zippel sind zwei der neuesten Mitglieder im Oberbayerischen Volkstrachtenverein Lechhausen. Hier stehen sie am Herbstheimatabend mit den aktiven Plattlern auf der Bühne.
Foto: Annette Zoepf

Plus Traditioneller Heimatabend in Lechhausen: Eine gute Gelegenheit, sich einmal mit zwei jungen Mitgliedern über ihre persönliche Vereinsgeschichte zu unterhalten.

Gerade erst war wieder Heimatabend beim Oberbayerischen Volkstrachtenverein Lechhausen. Zweimal im Jahr findet der im Trachtenheim Saalbau Krone statt. Die Erwachsenen und die Jugendgruppen sowie die vereinseigene Musikkapelle präsentieren hier, was sie im vergangenen halben Jahr an Schuhplattlern, Tänzen und Musikstücken einstudiert haben.

Der Veranstaltungssaal ist proppenvoll. „183 Karten sind wir losgeworden – ausverkauft“, freut sich Ulrike Riedl. Die 47-Jährige ist Schriftführerin im Verein, kümmert sich aber um „alles Mögliche“, wie sie sagt. Zum Beispiel um die Organisation des Heimatabends. Um die 50 Vereinsmitglieder sind an diesem Abend in verschiedenen Funktionen im Einsatz: in der Küche, beim Ausschank, als Bedienung, oder auf der Bühne. Unter ihnen sind auch der 20-jährige Lukas Lotze und der 16-jährige Florian Zippel. Sie haben sich kurz vor Veranstaltungsbeginn noch etwas Zeit genommen und über ihre persönliche Verbindung zum Verein berichtet.

Lukas Lotze schloss sich den Trachtlern an, weil ihm das Brauchtum fehlte.
Foto: Annette Zoepf

Die beiden gehören zu den neuesten Mitgliedern und erinnern sich noch gut daran, warum sie eingetreten sind. Bei Lotze ist es drei Jahre her. Damals ist er für seine Ausbildung zum Krankenpfleger von seiner Heimatstadt in der Nähe von Freilassing nach Augsburg gezogen. „Daheim war ich, schon seit ich fünf Jahre alt war, im Trachtenverein“, erzählt er sich. Nach einem halben Jahr in Augsburg habe ihm das richtig gefehlt. „Wenn man in einer neuen Stadt ist, kaum Leute kennt, sehnt man sich nach dem, was einem früher Anschluss und Freude gegeben hat.“ Im Internet habe er dann nach Trachtenvereinen in der Umgebung gesucht. Bei den Lechhausern sei er schließlich gut aufgenommen worden. Regelmäßig treffen sich die Aktiven zum Proben der Schuhplattler, gehen auf Veranstaltungen und treten auch bei Wettkämpfen an. Die Gemeinschaft von Menschen mit gleichen Interessen sei für ihn das Wichtigste am Vereinsleben. „Ich hab hier auf jeden Fall Freunde gefunden und fühle mich richtig daheim.“

Florian Zippel begleitete seinen Vater schon als Vierjähriger in den Verein.
Foto: Annette Zoepf

Daheim fühlt sich auch Florian Zippel im Trachtenverein Lechhausen. Das liegt vielleicht daran, dass er schon als Vierjähriger seinem Vater hierher gefolgt ist. Der ist seit vielen Jahren in der Trachtenkapelle aktiv. Ein fester Termin ist für sie der Festumzug zur Lechhauser Kirchweih. „Als kleiner Junge hab ich da zugeschaut und wollte auch unbedingt mitmachen“, erzählt er. „Für ein Instrument war ich aber noch zu klein, also ging es erst mal in die Jugendgruppe.“ Da werden die Kinder schon einmal an das Brauchtum herangeführt und lernen die Grundlagen des Schuhplattelns. Vor Kurzem ist Florian nun den Erwachsenen beigetreten, aus der Jugendgruppe ist er mit seinen 16 Jahren herausgewachsen. Für ihn sei das gar keine Frage gewesen. „Mir ist es einfach wichtig, bayerische Traditionen und das Brauchtum zu pflegen“, sagt er. Dazu gehöre auch die Tracht, die bei ihnen im Übrigen die Miesbacher Tracht ist. „Das ist ein Zweig, der langsam ausstirbt.“ Es ist wohl auch eher eine Besonderheit in der heutigen Zeit, dass sich junge Menschen für solche Themen interessieren. Die meisten von Florians Freunden zum Beispiel hätten damit nichts am Hut.

Viele Kinder werden praktisch in den Verein "hineingeboren"

Im Trachtenverein Lechhausen gibt es dafür umso mehr brauchtumsbegeisterte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. „Wir haben hier ganz viele Familien, wo die Kinder praktisch in den Verein hineingeboren werden“, erklärt Ulrike Riedl. Ihre eigene Familie sei schon in der sechsten Generation dabei. Ihr Sohn steht an diesem Abend auch auf der Bühne. Der Verein pflege zwar Traditionen, wolle aber auch modern und offen sein. „Hier gibt es kein stures ‚früher war das aber so!‘-Gerede.“ Vielleicht ist das auch der Grund, warum es Lukas Lotze und Florian Zippel im Verein so gut gefällt. Die beiden sind mittlerweile hinter der Bühne im Festsaal verschwunden. Gleich haben sie ihren ersten Auftritt an diesem Abend.

Die etwa 15-köpfige Blaskapelle stimmt einen Dreivierteltakt an, der Vorhang öffnet sich, fünf junge Frauen und fünf junge Männer in festlichen Trachten erscheinen. Sie führen den Lechhauser Vereinsplattler „Grassauer“ vor – eine recht kompliziert anmutende Abfolge von Schlagen, Klatschen und Hüpfen bei den Herren und verschiedenen Drehbewegungen bei den Damen. Deren weite, rote Röcke sehen fast aus wie umgedrehte Mohnblumen.

Anspruch an Technik und Ausführung beim Platteln

Lukas Lotze und Florian Zippel sehen konzentriert aus, die Mienen sind ernst. Das Platteln mache ihnen viel Spaß, haben sie vorher erzählt, aber einen gewissen Anspruch an Technik und Ausführung hätten sie durchaus. Einige Male sind sie an diesem Abend noch dran, abwechselnd mit den Darbietungen der Kinder- und Jugendgruppen und der Kapelle. In der Pause bleibt Lukas Lotze nur wenig Zeit zum Verschnaufen – er muss sich für das Theaterstück schminken. Bei jedem Heimatabend wird ein Einakter aufgeführt.

Wie der bisherige Abend für ihn war? „Bis auf ein paar persönliche Fehler ein gelungener Abend“, sagt er. Verklatscht habe er sich nämlich an der einen oder anderen Stelle, und das ärgere ihn etwas. „Den Gästen hat es trotzdem gefallen – und es ist am Ende einfach schön, wenn man den Leuten etwas geben kann“, sagt der Aktive.

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