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Augsburg

06.07.2019

Polizei und Rotes Kreuz wollen die Rettungsgasse frei bekommen

Auf mehrspurigen Straßen zwischen der linken und denn rechten Spuren: So bildet man richtig eine Rettungsgasse.
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Auf mehrspurigen Straßen zwischen der linken und denn rechten Spuren: So bildet man richtig eine Rettungsgasse.
Bild: Marcus Merk (Symbol)

Zu oft klappt es bei Unfällen nicht mit der Rettungsgasse. Wie Polizei und Rotes Kreuz in Augsburg und Nordschwaben das ändern wollen - auch mit Hilfe einer Boxerin.

Das mit der Rettungsgasse sei doch "babyeinfach", rufen die Bambini-Spielerinnen des Sportvereins Erlingen laut in die Kamera. Junge Tänzerinnen der Ballettakademie Payer zeigen, wie schwebend leicht sie eine Rettungsgasse bilden. Und die robusten Football-Spieler der "Augsburg Raptors" machen vor, wie man sich mit breiten Schultern den Platz freiräumen kann. Sie allen beteiligten sich an einer Aktion der nordschwäbischen Polizei und des Roten Kreuzes.

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Die beiden Organisationen wollen das Thema Rettungsgasse stärker in den Köpfen der Verkehrsteilnehmer verankern. Damit es künftig besser klappt, auf mehrspurigen Straßen den Platz freizumachen für die Rettungsfahrzeuge. Dazu haben Polizei und BRK eine Reihe von kurzen Filmen gedreht, die jetzt nach und nach in den sozialen Medien im Internet verbreitet werden. Die Aktion steht unter dem Motto "Team Rettungsgasse".

Die Polizei unterstellt den Autofahrern keine böse Absicht

Bisher klappt es mit der Rettungsgasse auf deutschen Straßen nach der Einschätzung von Polizei und Rettungskräften nur mäßig gut. Zu oft komme es vor, dass Rettungskräfte auf dem Weg zu einem Unfall nicht weiterkommen, sagt der Augsburger Polizeipräsident Michael Schwald. Er unterstellt den meisten Autofahrern dabei keinen bösen Willen, sondern eher Unwissenheit. Schließlich gibt es die Regelung für die Rettungsgasse in der Straßenverkehrsordnung so erst seit dem Jahr 2016.

"Als meine Generation den Führerschein gemacht hat, war das überhaupt kein Thema", sagt Michael Schwald. Deshalb solle die neue Kampagne auch ohne den "erhobenen Zeigefinger" auskommen. Die Macher setzen dagegen vor allem auf Humor und Teamgeist. Polizei, Retter und Verkehrsteilnehmer sollen als eine Mannschaft präsentiert werden, die zusammenarbeitet - und nicht gegeneinander.

Auch die Box-Weltmeisterin Tina Rupprecht macht mit und hat einen Videoclip aufgenommen. Ebenso die Rollstuhl-Basketballer "Auxburg Basketz". Einer Spieler macht dabei einen richtigen Stunt: Er lässt seinen Rollstuhl umkippen, Polizei und Retter eilen dann ebenfalls mit Rohllstühlen herbei, um ihm zu helfen. Auch in einer Neusässer Seniorenwohnanlage ist ein Film entstanden. Bewohnerinnen mit Rollatoren stellen eine Rettungsgasse nach. Die Regel dafür ist einfach, aber offenbar doch nicht so leicht zu merken: Die Autos auf der linken Spur weichen nach links aus, alle anderen nach rechts. Das gilt immer, egal wie viele Spuren in eine Richtung führen. Als Gedankenstütze soll die rechte Hand dienen. Wenn man den Daumen abspreizt sieht man einen Finger links von der Lücke und alle anderen rechts. Die Hand ist deshalb in den Filmen immer wieder zu sehen.

Ab jetzt gibt es jede Woche einen neuen Film

Jede Woche wollen Polizei und BRK nun einen Film auf Facebook und Twitter veröffentlichen. Markus Trieb vom Social-Media-Team der Augsburger Polizei setzt darauf, dass die Filme andere dazu anregen, selbst einen Videoclip zum Thema Rettungsgasse zu drehen. "Wenn möglichst viele mitmachen, dann kann sich das Thema in den Köpfen festsetzen", sagt er. "Wir sind gespannt, was den Leuten alles einfällt." Unter anderem die Eishockeyspieler der Augsburger Panther wollen sich nach der Sommerpause an einem Dreh beteiligten.

Polizeipräsident Michael Schwald stuft die Kampagne als sehr vielversprechend ein. "Wenn das nicht einschlägt, sind wir ein bisschen verzweifelt, weil wir nicht wissen, was wir dann noch tun sollen", sagt er.

Dass es funktionieren kann, die Rettungsgasse in den Köpfen zu verankern, habe er beim Urlaub in Österreich erlebt, sagt Paul Wengert, der Vizepräsident des Bayerischen Roten Kreuzes. Dort seien die Auto- und Lastwagenfahrer sofort ausgewichen, wenn der Verkehr ins Stocken geraten sei. Kurz hinter der bayerischen Grenze, auf der A 8 zwischen Salzburg und München, habe das dann leider nur noch schleppend funktioniert.

Manchmal hilft aber auch Aufklärung nur wenig - und es muss eine Strafe folgen. Das zeigt ein Fall, der sich am Dienstag auf der Autobahn bei Dasing abgespielt hat. Als eine Polizeistreife die Rettungsgasse nutzen wollte, blockierte ein Autofahrer mit einem Audi Q8 die mittlere Spur. Obwohl das Martinshorn eingeschaltet war und der Beamte am Steuer noch hupte, reagierte der Fahrer zuerst nicht. Als die Beamten nach einiger Zeit an seinem Wagen vorbei fahren konnten, stellten sie fest, dass er mit seinem Handy beschäftigt war. Der 44-Jährige bemerkte das Polizeiauto erst, als es sich schräg vor ihm befand. Er wird nun gleich wegen mehrerer Verkehrsdelikte angezeigt.

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06.07.2019

Ich kenn da eine effektivere und weniger alberne Maßnahme:

Strafe hoch auf 20% Monatseinkommen und jeden Einsatzwagen mit Dashcam ausstatten. Er voila!

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06.07.2019

"Gedankenstütze", Aufklärungskampagne ... Alles gut und schön .

Aber es wird nichts bewirken !

Das liegt daran , daß die Autofahrer die Rettungsgasse gar nicht bilden wollen .
Da sie im Augenblick des Staus lediglich an sich selbst und daran denken , daß sie festsitzen . Und daran, wie sie am Besten aus dem Stau wieder herauskommen.

Müßte man nämlich konstatieren, daß die Autofahrer gar nicht wüßten , was eine Rettungsgasse ist und wie man sie bildet - müßte man zu Recht eher fragen , ob dann überhaupt die geistige Befähigung für das Erlangen des Führerscheins vorlag .


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