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Augsburg

03.09.2020

Polizei warnt: Eltern sollen keine Kinderfotos veröffentlichen

Nicht nur der Kinderschutzbund kritisiert, dass viele Eltern Fotos ihrer Kinder in sozialen Netzwerken posten. Auch die Polizei warnt davor.
Bild: M. Skolimowska (Symbolfoto)

Plus Viele Eltern zeigen gerne auf WhatsApp oder Facebook Bilder ihrer Kinder. Doch dabei lauern Gefahren. So gehen zwei Blogger aus dem Raum Augsburg damit um.

Wenn Alexander Sing Bilder seiner Kinder in sozialen Netzwerken im Internet postet, achtet er darauf, dass die Gesichter der Kleinen nicht zu erkennen sind. Auch sonst will der Journalist und Blogger nicht zu viele Informationen über seine Familie preisgeben. Das ist ihm wichtig. Viele andere Eltern machen sich nicht so viele Gedanken. Stolz posten sie Fotos ihrer Söhne und Töchter. Das gehe gar nicht, findet der Augsburger Kinderschutzbund. Es könne sogar gefährlich werden, warnt die Polizei.

„Sharenting“ heißt es heute, wenn Eltern Aufnahmen ihrer Kinder auf Facebook, Instagram und Co. veröffentlichen. Der Begriff ist zusammengesetzt aus den englischen Wörtern „parenting“ (Elternschaft) und „to share“ (teilen). Besonders zur Urlaubszeit haben solche Fotos Hochkonjunktur. Es ist ja nett anzuschauen, wenn die kleine Emma etwa am Strand eine Sandburg baut oder Jakob im Wasser planscht. Weil eben noch Ferienzeit ist, war es der Polizei Schwaben Nord wichtig, unlängst auf einen Beitrag des Bayerischen Landeskriminalamtes auf Facebook aufmerksam zu machen. Darin wird ausdrücklich vor der Verbreitung von Kinderbildern gewarnt.

Kinderbilder im Internet teilen: Augsburger Richter erzählt von Fall

„Zuletzt gab es viele Fotos von Kindern in Badebekleidung. Es ist ein guter Zeitpunkt, die Eltern für dieses Thema erneut zu sensibilisieren“, sagt Polizeioberkommissarin Nina Knopf. Viele Eltern verhielten sich immer noch unbedarft. Dabei sei es kein Geheimnis, dass Pädophile derartige Bilder für ihre Zwecke nutzen. Das weiß auch Lenart Hoesch aus seiner langjährigen Erfahrung als Richter.

Richter Lenart Hoesch, Vorsitzender der Jugendkammer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der Vorsitzende der Jugendkammer am Landgericht Augsburg bekommt immer wieder Fälle auf den Tisch, in denen veröffentlichte Kinderbilder eine Rolle spielen. Er nennt ein Beispiel. „Ein Täter hatte Bilder von Kindern aus seinem sozialen Umfeld technisch bearbeitet. Er fügte deren Köpfe in kinderpornografisches Material ein.“ Immer wieder kämen derartige Praktiken vor.

„Es ist immer eine Gratwanderung, Kinderbilder zu veröffentlichen. Gegebenenfalls landen sie bei Leuten, die man nicht einschätzen kann. Diese können sich auch im eigenen Umfeld befinden“, gibt der 64-jährige Richter zu Bedenken. Eine rigorose Einstellung hat auch Nazan Simsek, Anwältin und Vorsitzende des Augsburger Kinderschutzbundes. „Kinderbilder gehören nicht im Internet veröffentlicht.“ Simsek glaubt nicht an geschützte Räume in sozialen Netzwerken.

Augsburger Anwältin sagt: Bilder werden nachträglich auf sexistische Weise manipuliert

Als Anwältin erlebe sie auch häufig, dass Bilder nachträglich auf sexistische Art und Weise manipuliert wurden. Dies könne sogar schon im Kommunikationskanal WhatsApp geschehen. Polizeioberkommissarin Knopf, die im Social-Media-Team des Polizeipräsidiums Nordschwaben arbeitet, bestätigt: „Bei den WhatsApp-Statusmeldungen kann schnell ein Screenshot gesichert und weiterverbreitet werden.“ Eltern sollten sich vor jeder Veröffentlichung überlegen, wer die Fotos sehen könnte, rät die Polizeibeamtin. Das Thema beschäftigt auch die beiden Blogger Cécile Sauer und Alexander Sing.

So handhaben es Blogger aus Augsburg und der Region

Der 33-jährigen Sauer folgen allein auf Instagram über 33.000 Menschen. In ihrem Lifestyle-Blog „Flipper-Theodora“ widmet sie sich vor allem der Mode für fülligere Frauen. Demnächst erwartet Cécile Sauer ihr erstes Kind. Die Frage, wie viel sie im Blog vom Nachwuchs preisgeben wird, hat sie und ihren Mann im Vorfeld beschäftigt. Sie fragte auch ihre Leser um deren Meinung. „98 Prozent sagten, sie würden sich freuen, Bilder meines Kindes zu sehen. Aber die meisten äußerten auch Verständnis, wenn ich das nicht tue.“

Gerade die Gesichter ihrer Kinder sollten Eltern nicht im Internet veröffentlichen oder auf Facebook und Co. verteilen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Sauer wird ihr Kind zeigen, aber nur so, dass das Gesicht nicht zu erkennen ist. Ein Füßchen oder das Kleine von der Seite mit Mütze – so etwas sei vorstellbar. „Meine Follower wollen sowieso keinen Mutter-Inhalt.“ Alexander Sing ist da fast mehr in der Bredouille. Schließlich betreibt der Redakteur der Augsburger Allgemeinen seit einem Jahr mit einer Kollegin auf Instagram den Online-Kanal „Schwabeneltern“. Darin geht es um alles, was Familien beschäftigt. Sing weiß, dass große erfolgreiche Blogs auch von Kinderbildern leben.

„Die Menschen springen eben total auf private Sachen an.“ Als Vater zweier Kinder sei der 31-Jährige aber nicht bereit, diese Grenze zu überschreiten. Lieber verzichte er auf die große Masse an Lesern. Sings eigene Kinder sind daher nur von hinten zu sehen oder mit sogenannten Stickern, die als Herzchen oder Smileys über die Gesichter gelegt werden. Laut Polizeioberkommissarin Nina Knopf sind Sticker eine sichere Methode, um Kinder unkenntlich zu machen. Denn allein mit dem Verpixeln von Fotos sei es nicht getan.

Weder Plüschtier noch Sportverein - keine Infos preisgeben

„Es gibt Programme, die die Verpixelung bis zum Originalbild zurückrechnen können.“ Weiter warnt sie davor, zu viele Infos über das Kind mitzuteilen. „Will man wirklich den Sportverein oder den Namen des Plüschtieres veröffentlichen“, fragt die Beamtin und fügt hinzu: „Je mehr Infos ein Täter hat, desto leichter kann er das Vertrauen eines Kindes erlangen.“

Die Polizistin und auch die Vorsitzende des Augsburger Kinderschutzbundes finden einen weiteren Aspekt wichtig: das Recht am eigenen Bild. Auch Kinder hätten Persönlichkeitsrechte und könnten sich für manche Bilder, die ihre Eltern lustig finden, schämen. Was im Internet veröffentlicht wird, bleibt dort schließlich auch für eine lange Zeit auffindbar.

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