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Augsburg

23.07.2015

Polizei will Opfern häuslicher Gewalt besser helfen

Von häuslicher Gewalt sind nicht nur Frauen betroffen, sondern auch viele Männer.
Bild: Symbolbild, Anne Wall

Die Polizei kümmert sich künftig darum, dass Opfer schnell beraten werden. Von häuslicher Gewalt sind nicht nur Frauen betroffen, sondern auch viele Männer.

Rund 1200 Fälle von häuslicher Gewalt hat die Polizei in Augsburg und Nordschwaben im vorigen Jahre gezählt. Die Opfer sind dabei nicht nur Frauen, in rund 20 Prozent der Fälle trifft es auch Männer. Nun soll die Hilfe für Opfer von häuslicher Gewalt verbessert werden – für beide Geschlechter. Das Augsburger Polizeipräsidium arbeitet dafür künftig noch enger mit der Beratungsstelle Via der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zusammen. Neu ist: Die Opfer müssen sich nicht mehr selbst um die Hilfe kümmern, sie werden – wenn sie wollen – jetzt von den Beratern direkt kontaktiert.

Polizeipräsident Michael Schwald und der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt in Augsburg, Werner Weisshaupt, unterzeichneten dazu am Donnerstag eine entsprechende Kooperationsvereinbarung. Bisher seien die Opfer in vielen Fällen bei der Suche nach Hilfe auf sich alleine gestellt gewesen, sagt Schwald. Viele Betroffene wüssten gar nicht, wie sie sich gegen Übergriffe in der Partnerschaft wehren können. „Das soll sich ändern.“

Arbeiterwohlfahrt arbeitet enger mit der Polizei zusammen

In der Praxis soll das so aussehen: Wird eine Polizeistreife zu einem Übergriff gerufen, dann kümmern sich die Beamten zunächst darum, die Situationen zu beruhigen. Die Polizei kann den Gewalttäter auch aus seiner eigenen Wohnung verweisen und ihm ein auf maximal 14 Tage befristetes Kontaktverbot auferlegen. In einem zweiten Schritt bieten die Beamten dem Opfer dann an, die Beratungsstelle der Awo zu informieren.

Polizei will Opfern häuslicher Gewalt besser helfen

„Konkret füllt der Betroffene einen Bogen mit seinen Daten aus und erklärt sich mit der Weitergabe an die Awo einverstanden“, sagt Sabine Rochel, die Opferschutzbeauftragte des Polizeipräsidiums. Die Awo verpflichtet sich, spätestens innerhalb von drei Tagen mit dem Opfer Kontakt aufzunehmen und ihm Unterstützung anzubieten. „Es geht in unserer Arbeit um die Auseinandersetzung mit dem traumatischen Erlebnis und um das Erarbeiten von Perspektiven“, sagt Birgit Gaile, die Leiterin des Augsburger Frauenhauses.

Betreut werden in vielen Fällen auch die Kinder von Opfern. Rund die Hälfte der Kinder bekommen die Gewalt zuhause mit, ist die Erfahrung bei der Arbeiterwohlfahrt. Nicht selten seien sich auch selbst Zielscheibe von Gewalt. Im vorigen Jahre verhängte die Polizei bei Fällen von häuslicher Gewalt mehr als 200 Mal ein vorübergehendes Kontaktverbot. In rund 70 Fällen musste der Täter von der Polizei in Gewahrsam genommen werden. Oft sind die Täter bei Übergriffen auch alkoholisiert.

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