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Bayern

24.05.2016

Polizisten gesucht, Migranten erwünscht

Es gibt sie in der bayerischen Polizei, aber es könnten noch mehr sein: Beamte mit Migrations-Hintergrund oder gar mit einem ausländischen Pass.
Bild: Marc Müller/Symbolbild

Menschen mit ausländischen Wurzeln werden in Bayern verstärkt angeworben. Welche Hoffnung Innenminister Joachim Herrmann damit verbindet.

Bayern wirbt verstärkt um Polizisten mit ausländischen Wurzeln. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass diese einen „direkteren Draht“ zu Menschen mit Migrationshintergrund hätten, da sie deren Sprache sprächen und die Mentalität besser kennen würden, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag in Nürnberg. „Ich erhoffe mir dadurch auch eine bessere polizeiliche Aufklärungsarbeit und Konfliktlösung.“

Wie viele der bayerischen Polizisten mit deutschem Pass ausländische Wurzeln haben, wird nicht erfasst. In den vergangenen 23 Jahren wurden außerdem knapp 160 Polizisten ohne deutsche Staatsangehörigkeit eingestellt. Voraussetzung ist, dass ein „dringendes dienstliches Bedürfnis“ vorliegt und die ausländischen Bewerber sich im üblichen Einstellungsverfahren qualifizieren. Die ausländischen Polizeivollzugsbeamten kamen aus 19 verschiedenen Nationen. Die größte Gruppe stellen Beamte mit türkischem Pass (57), gefolgt von Italienern (17) und Kroaten (16). Seit September 1993 können auch Ausländer in Ausnahmefällen im Freistaat Polizist werden.

21 ausländische Polizisten in den vergangenen drei Jahren

Im vergangenen Jahr wurden acht ausländische Polizisten im Freistaat eingestellt, im Jahr 2014 sieben und 2013 sechs. Bei einer Kampagne, mit der die Polizei derzeit um Nachwuchs wirbt (www.mit-sicherheit-anders.de), wird explizit darauf hingewiesen, dass eine Einstellung auch ohne deutschen Pass möglich ist. Auch an Schulen soll noch gezielter darüber informiert werden.

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Mehr ausländische Beamte im Vollzugsdienst hatten Politik und Öffentlichkeit verstärkt nach Bekanntwerden der Pannen bei der Fahndung nach der Neonazi-Terrorgruppe NSU gefordert. Es sei unter anderem kritisiert worden, wie wenig „feinfühlig“ die Ermittler mit den meist ausländischstämmigen Familien der Opfer umgegangen seien, sagte Herrmann. „Es ist ein Ergebnis, dass es nicht schlecht wäre, wenn es mehr ausländische Kollegen gäbe. Aber wir hatten das Thema schon deutlich länger auf der Agenda.“

Rechte Anfeindungen bisher nicht vorgekommen

David Zekhariafamil, Polizist am Münchner Hauptbahnhof, berichtete von seiner Arbeit: „Es wirkt meist deeskalierend, wenn mein Gegenüber merkt, dass wir die gleiche Sprache sprechen.“ Der 36-Jährige hat die deutsche Staatsbürgerschaft und iranische Wurzeln. Nur selten werde er etwa bei Festnahmen von Landsleuten als „Verräter“ beschimpft.

Rechte Anfeindungen hätten sie bisher nicht erlebt, sagte etwa der Italiener Fabio Simari, 23, der im Unterstützungskommando Mittelfranken tätig ist. „Wenn es Probleme gibt, dann liegt es nicht an meinem Migrationshintergrund.“

Auch Mesrure Koldemir, Ermittlungsbeamtin in Nürnberg und Tochter türkischer Gastarbeiter, sagte, sie habe im Job noch nie Schwierigkeiten aufgrund ihrer Herkunft gehabt oder weil sie eine Frau sei.

1000 neue Polizisten in den kommenden Jahren

„Wir sind offen für andere Nationalitäten und Menschen mit Migrationshintergrund“, betonte Ministeriumssprecher Michael Siefener gestern auf Nachfrage. Bislang habe man einen Bewerberüberschuss bei der bayerischen Polizei. Auf eine Stelle kämen rund sechs Kandidaten. Doch das muss angesichts weniger Schulabgänger in der Zukunft nicht so bleiben.

In den kommenden Jahren werden jährlich deutlich über 1000 Polizisten eingestellt. Außerdem seien seit dem Jahr 2007 bis jetzt 3600 zusätzliche Stellen geschaffen worden. „Das ist deutschlandweit einmalig“, sagt Michael Siefener. Im Polizeivollzugsdienst sind im Freistaat rund 33000 Menschen beschäftigt. Insgesamt gibt es 41000 Bedienstete bei der bayerischen Polizei. dpa/ioa

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Die Diskussion ist geschlossen.

24.05.2016

Fraglich ob diese Politik der Integration förderlich ist. Mag sein. Aber ich bin mir auch sicher: das Konfliktpotential steigt.

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24.05.2016

Wenn ich mir die Gesichter einiger Diskutanten hier vorstelle während sie von einem bayerischen Polizisten mit nordafrikanischem oder arabischem Aussehen aufgefordert werden, ins Röhrchen zu pusten, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen . . .

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24.05.2016

......einem bayerischen Polizisten mit nordafrikanischem oder arabischem Aussehen aufgefordert werden......

Und die Gesichter dieser bayerischen Polizisten erst, wenns beim nächsten G7 in Schloss Elmau eine Portion Leberkäs gibt. :-),

Für 11,50 pro Portion könnte man den aber auch noch in Halal-Form bringen.

http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Leberkaes-fuer-11-50-Euro-Polizei-wehrt-sich-gegen-Abzocke-bei-G7-Gipfel-id33120297.html

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24.05.2016

Was in den bayerischen Leberkäs reinkommt, weiß außer dem Metzger und dem lieben Gott sowieso niemand doch Sie haben völlig recht - bei 11,50 müsste eigentlich auch Kamel-Fleisch drin sein . . .

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24.05.2016

Komisch, unsere Bundeswehr distanziehrt sich gerade von diesem Gedanken und sorgt für gute Integration.

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