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Augsburg

13.02.2019

Polizisten machen für Schulkinder Musik

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Dirigent Christian Lombardi verband musikalische Erziehung mit Disney-reifem Entertainment.

Orchester erweckt an der Fröbel-Grundschule „Das Dschungelbuch“ zum Leben

Ein Dirigent, der mit einer Plastikschlange spielt, ein Fagott-Spieler, der sein riesiges Instrument mitten im Konzert hoch über die Köpfe seiner Kollegen schwingt, ein Publikum, das mitten in der Aufführung durch den Saal trampelt wie eine Horde Elefanten und ein Mann in Polizeiuniform am Mischpult? So manches an der Darbietung des Bundespolizei-Orchesters am Dienstag, 5. Februar, wirkte nicht so seriös, wie man es von einer derartigen musikalischen Instanz erwarten würde. Es handelte sich um ein Konzert für Grundschulkinder.

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„Kulturelle Bildung ist uns an der Fröbel-Grundschule wichtig“, sagt Konrektor Stefan Krieger. Ein solches Event bilde Gemeinschaft, Gesprächsanlässe und Schreibanlässe, erklärt er. Theateraufführungen und Konzerte gebe es an der Schule zwar alljährlich, doch „ein großes symphonisches Blasorchester, das ist schon etwas ganz Besonderes“. Zumal es sich dabei auch noch um ein ganz besonderes Ensemble handelte: Das Bundespolizei-Orchester spielt auf „Topniveau“, wie der stellvertretende Dirigent Christian Lombardi erzählt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Mitglieder aus studierten Berufsmusikern rekrutiert werden. Einmal im Jahr absolviert das gefragte Orchester einen Block mit Schulkonzerten. Hier geht es verständlicherweise lustiger zu als bei einem erwachsenen Publikum.

Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst

Allerdings sollte Friedrich Schiller recht behalten: Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst. Deshalb gab es vor der akustischen Interpretation des Disney-Films „Das Dschungelbuch“ erst einmal ein Infotainment-Vorprogramm: Ein Bundespolizist präsentierte seine Uniform und die dazugehörigen Utensilien. „Zur Nachwuchswerbung sind wir nicht da, das wäre zu früh“, erklärt Lombardi. Allerdings nutzt das 40-köpfige Orchester gern Anlässe wie diesen, um Kindern die Scheu vor der Polizei zu nehmen. „Was leider vorkommt, ist, dass Eltern ihren Kindern sagen: ,Seid ruhig, sonst nimmt euch der Polizist mit‘“, so der 55-Jährige.

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Zu Beginn des Konzerts ahmten die Waldhörner Tiergeräusche aus der Ferne nach. „Wir sind im Dschungel“, sagte Christian Lombardi. Mit kindlicher Fantasie auf alle Fälle. Lombardi fungierte nicht nur als Dirigent, sondern gleichzeitig als Sprecher und Entertainer, der die Kinder aktiv mit einbezog. So blieb das Dschungelbuch kein akustisches Event, sondern wurde zum interaktiven Gemeinschaftserlebnis. Manche Schüler durften Wolfskinder spielen, andere als Affen auf der Sprossenwand herumturnen. Der Höhepunkt für das junge Publikum: Ansonsten verboten, durften die Schüler bei der Kampfszene so laut trampeln wie möglich. Und möglich war da so einiges an Dezibel. Ganz nebenbei wurde spielerisch ein bisschen Instrumentenkunde vermittelt. Besonders eindrucksvoll der Moment, in dem Schlagzeug und Percussion demonstrierten, wie lebensecht sie den Lärm eines einstürzenden Gebäudes imitieren können. Der beste Rat des Tages: „Applaus erst am Ende, wenn es richtig Rumms macht“, empfahl Christian Lombardi.

Leseinsel soll in Dschungel verwandelt werden

Eigentlich handelte es sich um eine schulinterne Veranstaltung im Rahmen des Musikunterrichts, doch ein erwachsener Gast war dabei: Natalie Böck, die in Augsburg eine Ballettakademie leitet. Als Mitglied des Rotary Clubs wurde sie Patin des Leseinsel-Projekts, welches das Interesse der Schüler an Büchern fördern soll. Die Ballerina ließ sich von der Orchester-Darbietung für ihr eigenes Vorhaben inspirieren: Anknüpfend an das tonale Dschungelbuch-Erlebnis plant sie am 28. Februar, „die Leseinsel in den Dschungel zu verwandeln“ und den Kindern den Literatur- und Filmklassiker mit Bewegungen näherzubringen. Die Grundschullehrerin Christine März, welche als Musikexpertin das Bundespolizei-Orchester an die Schule einlud, erzählt: „Auch in Kunstprojekten werden wir das Dschungelbuch-Thema aufgreifen und die Ergebnisse in der Aula aufhängen.“ Die Pädagogin weiß: „Mit dem künstlerischen, kreativen Bereich kann man auch Kinder erreichen, die man mit Mathe und Lesen schwerer erreichen kann.“ Auch Rektorin Ricarda Vüllerst-Munz sind solche Events äußerst wichtig, „denn das Leben besteht nicht nur aus Pflichten. Wir wollen Anregungen in alle Richtungen geben.“

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