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Interview mit Alois Loidl

31.05.2011

Pragmatiker mit Kampfgeist an der Uni Augsburg

Vizepräsident Alois Loidl ist schon lange der starke Mann an der Spitze. Jetzt will er als Präsident die Hochschule pragmatisch weiterentwickeln und die Forschung stärken.

Am 8. Juni ist Präsidentenwahl an der Uni Augsburg. Es geht um viel – um das beste Zukunftskonzept, um die Generationenfrage in der Führungsspitze und nicht zuletzt darum, ob künftig ein Mann oder erstmals eine Frau die Geschicke der Alma Mater lenkt. Als Kandidaten konkurrieren Physikprofessor Alois Loidl und Volkskunde-Professorin Sabine Doering-Manteuffel. Mit ihr sprachen wir letzte Woche, heute erklärt Alois Loidl seine Pläne.

Reden wir mal kurz von früher. Es geht das Gerücht um, Sie hätten mit Joschka Fischer Fußball gespielt ...

Loidl: Ja, das stimmt. Damals habe ich meine Doktorarbeit in Physik in Frankfurt geschrieben und bin in der 68er-Bewegung groß geworden.

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Heute sind Sie ein angesehener Wissenschaftler. Was qualifiziert Sie für die Führung einer Universität?

Loidl: Ich habe alle Ämter an der Uni durchgemacht. Unter Präsident Wilfried Bottke habe ich als Vizepräsident alle wichtigen Entscheidungen zur Struktur und Planung der Hochschule getroffen. Seit seinem plötzlichen Tod leite ich die Universität kommissarisch.

Wie wichtig ist Erfahrung?

Loidl: Erfahrung und meine Zuverlässigkeit als Partner von Politik, Handwerkskammer und Stadt sind enorm wichtig. In den kommenden beiden Jahren stehen wichtige Weichenstellungen für die Uni an. Es geht um die Einwerbung von Forschungsgeldern und den Aufbau einer achten Fakultät für Ingenieure in Verbindung mit dem neuen Innovationspark, der neben der Uni entsteht. All das geht nur mit mir, weil ich die Expertise und die Netzwerke habe. Frau Doering-Manteuffel ist extern noch nicht so gut bekannt.

Die Uni hat unter Ihrer Führung eine Niederlage im Wettbewerb Fördermittel der deutschen Exzellenzinitiative erlitten. Wie wollen Sie jetzt an neue Gelder für die Forschung kommen?

Loidl: Bei der Exzellenzinitiative haben alle bayerischen Universitäten außer den Münchnern schlecht abschnitten. Das hat die Landespolitiker aufgeschreckt. Die Folge sind zwei große neue Fördertöpfe, aus denen wir Mittel holen können. Morgen haben wir einen Termin im Wissenschaftsministerium. Zusammen mit den schwäbischen Hochschulen wollen wir 20 Millionen Euro sowie Lehrstühle und Professuren für neue Projekte einwerben.

Um welche geht es?

Loidl: Es geht um „Energie Bayern“ und die Weiterentwicklung der Wissenschaftslandschaft. Zum Beispiel für Augsburg um Ressourceneffizienz beim Umgang mit Rohstoffen und um Gesundheitsforschung.

Die neuen Forschungsgelder würden vor allem die Naturwissenschaften der Uni stärken ...

Loidl: In den Bereichen Physik/Materialwissenschaften, Angewandte Informatik und Ressourcenstrategien sind wir international ausgewiesen und haben einen Vorsprung vor anderen Regionen. Hier können wir Forschungsgelder holen. Der Bereich Gesundheitsforschung, in Anbindung an das neue Forschungszentrum am Klinikum, stärkt die Geistes- und Sozialwissenschaften.

Sie gelten als Kritiker der Geisteswissenschaften an der Uni, warum?

Loidl: Die Geisteswissenschaften in Augsburg stehen nicht dort, wo sie stehen könnten. Es fehlt die internationale Exzellenz und es fehlt ein in Augsburg verortetes DFG Graduiertenkolleg. Bin ich ein Feind, wenn ich wöchentlich verlange, dass mehr Geld für Forschung eingeworben werden soll?

Warum ist mehr Forschung so wichtig?

Loidl: Die Differenzierung der Universitäten ist voll in Gang. Augsburg droht ein Absturz in die Niederungen einer regionalen Lehruniversität. Wir müssen die Forschung stärken. Auch Studierende profitieren durch mehr qualifizierende Stellen.

Noch ein Wort zu Ihrer Amtszeit. Im Fall Ihrer Wahl werden Sie nur zwei Jahre im Amt bleiben und dann aus Altersgründen in den Ruhestand gehen. Sind zwei Jahre nicht zu kurz?

Loidl: Ich bin schon ein Jahr im Amt und in weiteren zwei Jahren kann man viel bewirken. Ich möchte aber die volle Amtszeit von vier Jahren ausschöpfen. Es gibt Wege, das zu ermöglichen. Aber darüber muss politisch entschieden werden. Ich will das schnell klären, weil es wahlentscheidend sein kann.

Zum Schluss Ihr Plädoyer: Warum soll man Sie wählen?

Loidl: Ich bin eingearbeitet und kompetent. Geld für die neuen Programme gibt es nur jetzt und nur kurze Zeit. Deshalb bin ich der Mann der Wahl. "Meinung

Interview: Alois Knoller, Eva Maria Knab

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