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Porträt

05.08.2014

Privat sucht sie nicht die große Bühne

In Arsen und Spitzenhäubchen spielte Eva Maria Keller die Abby Brewster. Die Augsburger kennen die Schauspielerin aus vielen Rollen. Viele Jahre war sie ein festes Ensemblemitglied am Theater.
Bild: Joseph Kesselring

Die Schauspielerin Eva Maria Keller feierte vor kurzem ihren 66. Geburtstag. Auch wenn sie kein festes Ensemblemitglied ist, wird man sie weiterhin sehen

Sie war die herrschsüchtige Martha in „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“, die schrullige Lady Bracknell in „Bunbury“, die schrille Mutter des Bräutigams in Brechts „Kleinbürgerhochzeit“, die Magd Poncia in „Bernarda Albas Haus“ oder eine Berichterstatterin in „Operation Big Week“. Und, und, und. Wer oft ins Theater geht, lernte die Schauspielerin Eva Maria Keller kennen und ihre Kunst schätzen. Zuletzt als Mrs. Higgins in „My Fair Lady“ auf der Freilichtbühne. Dort gab es für die eher kleine Rolle als Mutter des spleenigen Professors sehr viel Applaus. Keine Frage, die Augsburger lieben die Keller.

Als festes Ensemblemitglied hat sie bereits offiziell vor einem Jahr dem Theater ade gesagt, ohne großes Tamtam, ohne großen Abschied. Trotzdem wird sie auch in Zukunft ab und zu auf den Brettern zu sehen sein. Doch sie ist niemand, der privat die große Bühne braucht. Im Gespräch wirkt sie eher nachdenklich. Und verschlossen, wenn es um die private Eva Maria Keller geht.

Ende Juni hat sie ihren 66. Geburtstag gefeiert. Da tobte die Fußball-Weltmeisterschaft, ein Thema, das die Mimin mehr als nicht interessiert. „Am schwierigsten war es, ein Gasthaus ohne Übertragung zu finden“, erzählt die Schauspielerin. Im Goldenen Stern in Rohrbach wurde sie fündig, enge Freunde und ehemalige Kollegen wie Beatrix Doderer, Nicole Schneider oder Martin Herrmann ließen sie hochleben.

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In der Normandie die Seele baumeln lassen

Den Sommer wird sie in der Normandie und in Böhmen verbringen, die Seele baumeln lassen, Bücher lesen, gut essen. Ob sie ab Herbst hin und wieder auf den Brettern des Augsburger Musentempels stehen wird, weiß sie noch nicht. „Wenn ich gefragt werde und mich das Stück und der Regisseur interessieren, mache ich das gerne.“

1973, also vor 41 Jahren hatte sie ihr erstes Engagement in der Fuggerstadt. Zuvor stand sie, parallel zum Studium auf der Hochschule für Musik und Theater Hannover, bereits in Hildesheim, Wilhelmshaven und Krefeld auf den Brettern. Rudolf Stromberg hieß der Intendant am Augsburger Haus, er sah sie in Krefeld, engagierte sie vom Fleck weg. Dabei war sie mit ihrer Ausbildung noch nicht fertig.

Macht nichts, die Fuggerstadt wurde für die gebürtige Berlinerin die neue Heimat. Auch wegen eines Mannes, den alle Ekke nannten und der 1973 nur einen Freund am Theater besuchen wollte, aber an der jungen Keller großen Gefallen fand. 32 Jahre waren sie liiert, Ekke und Keller pendelten zwischen Augsburg und Nürnberg, der Heimatstadt des Gefährten. Er war auch der Grund, dass die Mimin, die oft Angebote aus anderen Häusern bekam, nie die Fuggerstadt verließ. Ekke, der Restaurator, starb 2005 an Krebs. Nie wird sie vergessen, wie ihr Kollegen, als das Leben des Liebsten zu Ende ging, halfen, ihn in der Altstadtwohnung im vierten Stock, ohne Aufzug zu versorgen. Diese Freundschaften halten bis heute. Deshalb reist Eva Maria Keller gerne und oft durch Deutschland, um ehemalige Kollegen in Osnabrück (Intendant Ralf Waldschmidt), in Heidelberg (Intendant Holger Schultze) oder in Wien zu treffen. Demnächst wird sie wegen Martin Herrmann auch Mainz und für Judith Bohle und Ulrich Rechenbach auch Wiesbaden ansteuern. Vor dem Alter und den damit verbundenen Wehwehchen hat sie keine Angst. Inzwischen lebt sie im Haus von Freunden in Lechhausen, „beackert“ ihren Balkon, genießt den Blick in die umliegenden Gärten und in den Himmel. „Ich wohne in der Beletage“. Im Rückblick sieht sie ihre Zeit am Theater überwiegend positiv, auch „wenn ich gerne öfters ernstere, reflektierte Rollen, auch ruhigere gespielt hätte“. Denn die von ihr so oft dargestellte Frau mit schneidender Stimme, die so erdrückend dominant wirkt, ist sie privat überhaupt nicht.

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