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Augsburg

05.07.2016

Professorin erklärt: Darum haben antike Statuen kleine Penisse

Marmor-Statue "David" des Renaissance-Künstlers Michelangelo Buonarotti, aufgenommen in Florenz. Ein großer Mann mit viel Muskeln und einem verhältnismäßig kleinem Geschlechtsteil.
Bild: Marco Bucco dpa

Sie sind meist auffallend klein, die Geschlechtsteile von antiken Statuen. Warum die Männer augenscheinlich so sparsam bestückt waren, erklärt eine Professorin der Uni Augsburg.

Es gibt Dinge im Leben, die sind auffallend, und dennoch werden sie kaum hinterfragt. So ein Ding ist beispielsweise das, was offenkundig zwischen den Beinen vieler antiker Statuen hängt: Der Penis. Der fällt nämlich meistens auffallend klein aus. Aber haben Sie sich schon gefragt, warum? Die amerikanische Kunsthistorikerin Ellen Oredsson hat sich die Frage unlängst in ihrem Blog gestellt. Warum haben antike Statuen ein so kleines Gemächt? Wir gaben diese Frage an Natascha Sojc, Professorin für klassische Archäologe an der Universität Augsburg, weiter.

Warum sind männliche Statuen aus der Antike mit kleinen Geschlechtsteilen bestückt?

Natascha Sojc: Das Gemächt ist nicht allgemein immer klein dargestellt. Das kommt auf das bestimmte Format an, nämlich wenn ein junger, männlicher Körper gezeigt werden sollte. Der kleine Penis war da ein Ideal. Wie auch der Sixpack, der wohlgeformte Trizeps oder die Lockenpracht auf dem Kopf. Das betraf vor allem die Oberschicht.

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Warum hatte man diese Vorstellung?

Sojc: Hier ging es um die Fähigkeit der Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle und Selbstdisziplin. Das kleine Glied zeigte also ein Verhaltensideal. Es war das Gegenteil von einem errigierten Glied. Letzteres signalisierte animalische Triebe. Das wurde oft in Zusammenhang mit Weinkonsum und Ekstase gebracht. Ein Mann mit einem langen Penis wurde als ziellos betrachtet und als Mensch, der sich nicht im Griff hat.

Und wie waren ältere Männer in der Darstellung bestückt?

Sojc: Bei älteren Männern bevorzugten es die Künstler, die Genitalregion nicht entblößt darzustellen. Ausnahmen waren hier Theaterfiguren. Die wurden durchaus mit einem langen Glied gezeigt, das nicht erregt ist und baumelt. Meist wurden in dem Kontext andere Gebrechlichkeiten des Körpers thematisiert, wie etwa ein Buckel. Damit wurde auf das Alter und auf den Verlust der Körperkontrolle hingewiesen. Im Theaterkontext wurde der alte Mann eher der Lächerlichkeit preisgegeben.

War denn Sexualität in der Antike verpönt?

Sojc: Nein, überhaupt nicht. Im Bereich der ritualisierten, männerbündnerischen Trinkgelage gab es sexuelle Ausschweifungen. Da findet man meistens Darstellungen des Sartyrs, einem Mischwesen aus Tier und Mensch, das mit erigiertem Glied Frauen hinterherspringt. Man weiß nicht genau, wie diese Bilder zu verstehen sind. Viele wirken auf uns pornografisch, obwohl das früher so nicht beabsichtigt war. Die Sexualität war jedenfalls nicht so tabuisiert, wie man sich das heute vorstellt. Das zeigten jüngere Forschungen seit der 90er Jahre. ina

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