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Projekt im Augsburger Domviertel: Kulturgästehaus oder Asyl-Unterkunft?

Projekt im Augsburger Domviertel

Kulturgästehaus oder Asyl-Unterkunft?

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    Früher war das Paul-Gerhardt-Haus ein Altenheim. Künftig könnten dort Asylbewerber und Künstler unterkommen.
    Früher war das Paul-Gerhardt-Haus ein Altenheim. Künftig könnten dort Asylbewerber und Künstler unterkommen. Foto: Silvio Wyszengrad

    Ein leer stehendes Haus sorgt im Domviertel für Wirbel. Die Diakonie plant im ehemaligen Paul-Gerhardt-Haus ein „Kulturgästehaus“ einzurichten: Dort sollen 60 bis 70 Asylbewerber unterkommen, aber auch Künstler. Die Anwohner zweifeln an diesen Plänen. Sie fürchten, dass das Viertel rund um das Springergässchen überfordert wird.

    Das ehemalige Altenheim steht seit rund vier Jahren leer. Da in Augsburg der Wohnraum für Asylbewerber knapp ist, will das Diakonische Werk ab nächstem Jahr Räume an die Regierung von Schwaben vermieten. „Es gibt die Flüchtlinge, und wir als Diakonie können nicht so tun, als ob uns das nichts angeht“, sagt der Vorstandssprecher des Diakonischen Werks, Pfarrer Fritz Graßmann. Er kennt die Sorgen der Anwohner und entgegnet: „Wir wollen es möglichst verträglich für das Viertel gestalten.“

    Ein Ort des Austausches

    Nach den Vorstellungen der Diakonie soll im Domviertel keine bloße Unterkunft entstehen: „Wir planen einen Ort des Austausches für Kulturschaffende und Asylbewerber, die an dem Projekt mitarbeiten sollen“, sagt Graßmann. Es sei vorstellbar, dass die Flüchtlinge selbst die Unterkunft herrichten. Wohnen sollen im Domviertel künftig vor allem Familien und Alleinerziehende. Die Qualität der Unterkunft soll möglichst gut sein.

    Im Hintergrund steht das Konzept mehrerer Augsburger, das Georg Heber als „Kulturgästehaus“ bezeichnet. Er ist in der unabhängigen Kulturarbeit tätig und wurde mit seinen Mitstreitern davon überrascht, dass die Pläne an die Öffentlichkeit kamen. „Es geht um ein einzigartiges Modellprojekt“, sagt Heber. Die Beteiligten wollen es bald ausführlich vorstellen. Sowohl er als auch Graßmann betonen, die Anwohner einbinden zu wollen.

    Unter ihnen machen sich jedoch Sorgen breit. Nachbarn erzählen, dass sie vor rund zwei Wochen zufällig von den Plänen erfuhren, weil sie Behördenpost erhielten. Später trafen sie sich zu einer Versammlung. Marianne Heinzlmeier fasst die Sorgen zusammen: „Es gibt im Domviertel schon sieben soziale Einrichtungen. Wir glauben, dass die Integrationsfähigkeit des Viertels gesättigt ist.“ Mancher fürchte auch um den Wert seiner Immobilie. Die Anwohner störe, dass so viele Flüchtlinge auf engem Raum untergebracht werden sollen. „Wir glauben nicht, dass so eine nachhaltige Betreuung und Integration möglich ist“, sagt Heinzlmeier.

    "Deckmäntelchen", um das Gebäude nutzen zu können

    Die Menschen im Domviertel haben nach ihren Worten Zweifel am Konzept der Diakonie, Heinzlmeier spricht von einem „Deckmäntelchen“, um das leere Gebäude nutzen zu können. Anliegen der Anwohner sei, dass das Projekt überdacht und den Flüchtlingen ein „menschenwürdiges Dasein“ ermöglicht wird, sagt sie: „Es wäre etwas anderes, wenn man sagt: Es kommen 20 Menschen, die betreut werden, und man versucht, sie zu integrieren.“

    Termin: Beide Seiten werden sich am Montag öffentlich treffen. Die CSU lädt um 19 Uhr zu einer Diskussion im Kolpinghaus ein.

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