1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. (Prominente) Namen für neue Straßen in Augsburg

Augsburg

14.02.2020

(Prominente) Namen für neue Straßen in Augsburg

Erhard Wunderlich ist der jüngste Namenspate für eine Augsburger Straße. Bislang war die Allee auf dem Weg zur Sporthalle namenlos.
Bild: Anette Zoepf

Plus Wenn in einem Gebiet neue Straßen entstehen, beginnt bei der Stadt Augsburg die Suche nach einer griffigen Benennung. Prominente sind als Namensgeber beliebt.

Am Freitag geben Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl, Sportreferent Dirk Wurm und weitere Ehrengäste einer Straße ihren künftigen Namen: Die „Erhard-Wunderlich-Allee“ im Antonsviertel ist dann die jüngste offizielle Straße der Stadt. Wie sich zeigt, handelt es sich bei ihr um einen untypischen Fall – zumindest was die Vorgehensweise bei der Namensfindung betrifft.

Denn im Fall des 2012 verstorbenen Augsburger Handball-Weltmeisters und Olympia-Medaillengewinners stand zuerst der Wunsch im Raum, ihn gebührend zu ehren. Dass dies mittels einer Straße geschehen sollte, stand laut Wilfried Matzke, Chef des Geodatenamtes, im zweiten Schritt fest. Doch eine entsprechende Straße musste erst noch gefunden werden. Bevor ein neuer Straßenname in die Pläne und Verzeichnisse übernommen wird, komme stets ein aufwendiges Prozedere in Gang.

So sucht die Stadt Augsburg nach Straßennamen

„Üblicherweise ist es ja so, dass in einem Gebiet neue Straßen entstehen, die dann einen Namen brauchen“, so Matzke. Wann immer in Augsburg ein Bebauungsplan entsteht, beginnt im Geodatenamt die Suche nach passenden Straßenbezeichnungen. Je nach Bauvorhaben sind es in der Stadt rund zwölf Straßen in einem Jahr, die einen Namen benötigen.

(Prominente) Namen für neue Straßen in Augsburg

Bei Erhard Wunderlich war die Suche einfach, so Matzke. Denn die Zufahrt von der Imhofstraße zur Erhard-Wunderlich-Sporthalle hatte bis dahin noch keine Bezeichnung. Das wiederum brachte nach Auskunft Matzkes vor allem die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung beim Ausstellen ihrer Strafzettel in Bedrängnis. Die Straße verläuft entlang der ehemaligen „Erzbergerallee“ mit rund 200 Jahre alten Lindenbäumen, weshalb die Straße als „Allee“betitelt wird.

Vorschläge für neue Straßennamen kann jeder machen – egal ob Privatperson oder Unternehmen, so der Leiter der Behörde. Die Vorschläge werden im Geodatenamt in einer Liste festgehalten.

Zwei der jüngsten Straßenbenennungen betreffen den Bebauungsplan „Zwischen der Kleingartenanlage Griesle und der Schillstraße“. Hier wurden keine Namen aus besagter Liste verwendet, sondern interne Vorschläge aus der Bauverwaltung nach einem alten Flurnamen und einer Lagebezeichnung. Die südliche Straße beziehungsweise der Wohnweg „Zum Griesle“ existierte bereits als Zufahrt zum Parkplatz der Kleingartenanlage Griesle mit der gleichnamigen Gartenwirtschaft.

Woher der Straßenname "Zum Griesle" kommt

„Zum Griesle“ bezieht sich auf einen alten Flurnamen, abgeleitet vom sandig-kiesigen Boden im Lechtal. Die nördliche Straße „Zum Lechwehr“ führt in Richtung Lech – zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht man nach rund 400 Metern das Wolfzahnauwehr. Dieses Lechwehr wurde im Jahr 1883 zwischen der namensgebenden Wolfzahnau und der Firnhaberau zur Flusswasserregulierung errichtet. Anders sei man vorgegangen, als 2012 laut Matzke sieben Straßen im westlichen Bereich der „Reese-Kaserne“ getauft werden mussten. Hier war man um Ausgewogenheit bemüht, um auf dem ehemaligen Kasernen- Areal sowohl deutsche als auch amerikanische Geschichte zu verewigen.

Die Straße „Am Exerzierplatz“ ist teilweise mit der noch vorhandenen Straße identisch. Die Reesallee wurde nach James W. Reese benannt, einem Gefreiten der 1. US-Infanteriedivision, der Namenspatron der Reese-Kaserne war.

Drei Straßennamen verewigen Künstler aus Kriegshaber und Oberhausen. Josef „Sepp“ Mastaller, Namensgeber der „Sepp-Mastaller-Straße“ war ein Bildhauer aus Oberhausen, Karl Radinger (Karl-Radinger-Weg) ein Kunstmaler aus Kriegshaber und Emil Esche (Emil-Esche-Weg) ebenfalls Kunstmaler aus Kriegshaber. Karolina „Leni“ Hirsch (Leni-Hirsch-Weg) engagierte sich im VdK-Kreisverband für die Betreuung von behinderten und alten Mitbürgern, Rose Oehmichen (Rose-Oehmichen-Weg) war Mitbegründerin der Augsburger Puppenkiste und Annegert Fuchshuber (Annegert-Fuchshuber-Weg) wirkte in Augsburg als Autorin und Illustratorin etlicher Kinderbücher.

Während es für die Aufnahme in die Ideenliste keine größeren Hürden gibt, geht jeder Straßenname vor dem endgültigen Beschluss ans Stadtarchiv, wo die Persönlichkeit durchleuchtet wird, erklärt Matzke. Schließlich sollen etwaige NS-Verstrickungen oder andere Gründe, die gegen den Namen sprechen, ausgeschlossen werden. Mindestens zwei Jahre müssen nach dem Tod des Namensgebers vergangen sein, bevor er auf einem Straßenschild verewigt werden darf. Baureferat und Geodatenamt legen den Vorschlag dann den Stadtratsfraktionen vor, bevor darüber im Bauausschuss und danach im Stadtrat endgültig abgestimmt wird. „Dieses Vorgehen hat sich bewährt“, sagt Matzke, „schließlich soll ein Straßenname etwas für die Ewigkeit sein.“

Lesen Sie dazu den Kommentar: Straßennamen prägen die Stadt

Lesen Sie dazu auch:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren