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Augsburg

27.08.2013

Prostituierte erfand brutalen Überfall

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine Prostituierte wartet am 21.11.2012 in Netzstrümpfen in einem Bordell auf einen Freier. Die ARD staht am 10.06.2013 um 22.45 Uhr die Dokumentation «Sex - Made in Germany» aus. Foto: Patrick Seeger/dpa (zu dpa 1594 vom 06.06.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Bild: Patrick Seeger

Eine Prostituierte ritzte sich selbst die Haut auf und stürzte fast nackt aus dem Haus eines Freiers. Warum sie das Lügenmärchen erzählte, ist bislang unklar.

An jenem späten Februarnachmittag stürzte die Prostituierte, 21, nur mit einer Jacke notdürftig bekleidet, aus dem Haus eines Freiers, der sie für 200 Euro via Internet für Sex-Dienste bei einem Hausbesuch geordert hatte. Dem auf der Straße wartenden Fahrer einer „Hostess-Agentur“ schien sie völlig aufgelöst. „Schnell weg, sie verfolgen mich, sie haben mich vergewaltigt“, rief sie ihm tränenerstickt zu.

Sofort wurde die Polizei alarmiert. Den Beamten zeigte die junge Frau ihren mit oberflächlichen Schnitten übersäten Bauch. Drei Männer hätten ihr einen Sack über den Kopf gestülpt, sie mit einem Messer traktiert und sie vergewaltigt, behauptete sie. Die Polizei griff eiligst zu. Mehrere Streifen umstellten das Haus. Doch in der Wohnung erwartete sie irritiert nur der 36-jährige Freier. Die Kleider der Dirne lagen noch vor dem Bett. Der Mann wurde festgenommen. Sieben Stunden später entpuppte sich der angebliche Sex-Überfall als absolutes Lügenmärchen.

Heimlich mit der Mini-Kamera gefilmt

Die Frau räumte vor der Kripo ein, sie habe die Vergewaltigung erfunden und sich im Bad des Freiers die leichten Verletzungen am Unterleib selbst beigebracht. Dann war sie aus der Wohnung gerannt. Nicht nur ihr überraschendes Geständnis hatte die Wendung gebracht. Auch der Freier selbst konnte sich auf kuriose Weise entlasten. Er hatte die Bettszenen mit der Dirne heimlich mit einer in einem Schlüssel versteckten Mini-Kamera aufgenommen. Illegal, was ihm ein Verfahren wegen unerlaubter Bildaufzeichnung einbrachte, das aber eingestellt wurde.

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Was hatte die junge Frau dazu bewogen, eine Polizeiaktion zu inszenieren und einen Freier einer Tat zu beschuldigen, die mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren bedroht ist? Ein Prozess vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Hartmut Wätzel sollte die Antwort geben. Doch das Motiv der Frau blieb weitgehend im Dunkeln.

Über ihren Anwalt Hermann Christoph Kühn gestand sie die Vorwürfe der Freiheitsberaubung und der falschen Verdächtigung, die Ankläger Andreas Schaefer erhoben hatte. Mehr nicht. Die Vernehmung von Zeugen aus dem Umfeld der Frau ließen ein Motiv vermuten. Die Dirne hatte sich in einer schwierigen psychischen Situation befunden, nachdem ihre Familie sämtliche Kontakte zu ihr abgebrochen hatte. „Sie war sehr einsam, wollte Zuwendung“, sagte die Chefin der „Hostess-Agentur“. Und eine damalige Kollegin war sich sicher: „Sie wollte Aufmerksamkeit, und die hat sie mit der Geschichte dann auch erhalten“.

Das Gericht beurteilte die Angeklagte milde. Nach dem Jugendrecht muss sie vier Tage in den Arrest und 72 Stunden Sozialdienste leisten.

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