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Augsburg

14.11.2017

Prostitution: Wie ein Soldat vier Frauen ausnutzte

Samy B. (von hinten zu sehen) wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt.
Bild: Jörg Heinzle

Er spielt ihnen Gefühle vor, spricht vom schnell verdienten Geld im Rotlichtmilieu und schlägt zu, wenn es nicht nach ihm läuft: Das Landgericht hat einen Zuhälter verurteilt.

Die junge Frau wird Mitte November des Jahres 2015 völlig entkräftet von einem Paketfahrer auf der Straße entdeckt. Er bringt die Frau, die nur schlecht deutsch spricht, zur Polizei in Gersthofen. Dort erzählt Mareike N.*, 26, sie sei aus ihrer Heimat in den Niederlanden entführt, geschlagen und hier zur Prostitution gezwungen worden. Sie weiß nicht mal den Namen der Stadt, in der sie sich befindet. Dann erleidet sie einen Zusammenbruch und muss ins Klinikum gebracht werden. Der Vorfall ruft die Kripo auf den Plan. Die Ermittler nehmen von da an den Zuhälter Samy B. ins Visier, der Frauen in einem Augsburger Bordell unterbringt.

Der Zeitsoldat war gleichzeitig Zuhälter

Nach einigen Monaten erhärtet sich der Verdacht gegen den Mann, der bei der Bundeswehr als Zeitsoldat arbeitet. Die Ermittler beginnen, Telefone abzuhören. Im Juni vorigen Jahres wird Samy B., 23, dann verhaftet. Es zeigt sich, dass er mehrmals dieselbe Masche genutzt hat, um junge Frauen in die Prostitution zu bringen. Er spielte ihnen große Gefühle vor, sprach von einer gemeinsamen Zukunft und erzählte ihnen, wie leicht es sei, im Rotlichtmilieu viel Geld zu verdienen. Er schaffte es sogar, eine Studentin aus bürgerlichen Verhältnissen in das Bordell im Stadtteil Hochzoll zu locken. Die damals 19-jährige Janka W.* warf ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften hin. Wochenlang bediente sie Freier von vormittags an bis spät in die Nacht, bis sie dann doch wieder den Absprung schaffte. Die Männer standen teils vor ihrem Zimmer Schlange, weil junge, deutsch sprechenende Frauen nur noch selten zu finden sind.

Die Frau erfuhr erst in Augsburg, dass sie als Prostituierte arbeiten sollte

Samy B. nahm „seinen“ Frauen fast alle Einkünfte ab. Wenn sie aussteigen wollten, setzte er sie unter Druck. Teils soll er auch zugeschlagen haben. Mareike N. berichtet als Zeugin im Prozess gegen Samy B. vor dem Augsburger Landgericht davon, dass er sie von Holland nach Augsburg gefahren habe und ihr erst hier sagte, dass sie nun als Prostituierte arbeiten solle. Als sie sich weigerte, sei es zum Streit gekommen. Samy B. habe sie geschlagen und getreten. Sie sei geflüchtet und viele Stunden umher geirrt, ehe der Paketfahrer sich um sie kümmerte.

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Am Montag ist der Prozess gegen den Zuhälter zu Ende gegangen. Er wurde von der 10. Strafkammer zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt – unter anderem wegen Menschenhandels, Zuhälterei und Körperverletzung. Das Urteil basiert auf einer Absprache zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht. Samy B. räumte die Vorwürfe aus der Anklage nach anfänglichem Zögern und Schönreden, ein. Im Gegenzug sicherte ihm das Gericht eine Haftstrafe von maximal siebeneinhalb Jahren zu. Das Gericht geht davon aus, dass Samy B. vier Frauen für sich als Prostituierte arbeiten ließ und er dabei eine fünfstellige Eurosumme kassierte. Als er verhaftet wurde, fanden die Ermittler noch rund 35.000 Euro Bargeld. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Natale sagte: „Es hatte für die Frauen massive psychische Folgen. Der Angeklagte hat das in Kauf genommen, um sich zu bereichern.“

Der Angeklagte hatte auch mal versucht, einen Geldautomaten zu sprengen

Das Urteil liegt nahe der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte eine Strafe von siebeneinhalb Jahren beantragt. Staatsanwalt Benjamin Junghans bezeichnete den Angeklagten als „hochkriminell, rücksichtslos und eigensüchtig“. Es sei ihm gelungen, die Opfer massiv zu manipulieren. Ins Strafmaß einbezogen wurde ein Urteil, dass bereits Anfang des Jahres in Hessen gegen den Angeklagten verhängt wurde. Er soll mit Komplizen versucht haben, Geldautomaten zu sprengen.

Verteidiger Philipp Kleiner hatte beantragt, Samy B. auch in einer Entzugsanstalt unterzubringen. B. habe in extremer Weise Bodybuilding betrieben und sich dafür bis zur Verhaftung regelmäßig Anabolika gespritzt. Für das Dopingmittel und andere Drogen habe er monatlich rund 1500 Euro ausgegeben. Die Zuhälterei sei daher eine Art Beschaffungskriminalität gewesen, so der Anwalt. Das Gericht folgte diesen Argumenten aber nicht. Eine der ausgebeuteten Frauen trat vor Gericht als Nebenklägerin auf. Sie hatte Schulden und war in wirtschaftlicher Not, als der Angeklagte sie dazu überredete, im Bordell zu arbeiten. Ihre Anwältin Susanne Gutjahr handelte für sie während des Prozesses einen Vergleich aus. Die Frau erhält eine Entschädigung von 7500 Euro.  *Namen geändert

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