09.08.2013

Protest in Tönen

Bands aus Algerien und Augsburg im Annahof

„Niemand hat das Recht zu gehorchen“, stand in weißen Lettern auf der schwarzen Plane im Bühnenhintergrund. Langsam füllte sich der mit Bierbänken bestückte Annahof. Ein Abend voller Protest stand auf dem Programm, gestaltet von zwei unterschiedlichen Bands, der algerischen Gruppe „Tatafull“ und dem Augsburger Projekt „Walls Come Tumbling Down“.

Eigentliche hätte die Augsburger Sängerin und Slammerin Lydia Daher mit der algerischen Band Tatafull, die sie im Rahmen des Europäischen Musikfestivals in Algier kennengelernt hatte, auf der Bühne stehen sollen. Probleme mit den Visa hatten die Band erst einen Tag vor dem Auftritt ankommen lassen. Fürs Proben zu wenig Zeit. So spielten Tatafull das eigene Programm, eine kraftvolle Mischung aus Reggae, Ska und Funky Tunes mit algerischem Timbre, das sich mutig mit den Missständen in Algerien auseinandersetzte. Einzig „Flüchtige Bürger“, ein Song von Lydia Daher, wurde gemeinsam mit der Künstlerin dargeboten.

Neuinterpretationen bekannter und weniger bekannter Songs

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Das Projekt „Walls Come Tumbling Down“, hochkarätig besetzt, fuhr eine andere Schiene. Inspiriert von Miles Davis’ bahnbrechender Veröffentlichung „Bitches Brew“ aus dem Jahr 1969/70, stand bei den eindrucksvollen Neuinterpretationen bekannter und weniger bekannter Protestsongs fein austarierter Electric Jazz Pate.

Bob Marleys „Exodus“ schwebte, mystisch-modal schwingend, in den mittlerweile dunklen Himmel, Paul Wellers namens-gebender Song „Walls Come Tumbling Down“ wandelte zur schwermütigen Elegie und Jimi Hendrix’ „All Along The Watchtower“ zum modernen Disco-Stomp, der aus Stings Feder hätte stammen können.

Waren für die musikalischen Schmuckstücke Kay Fischer (Saxophon) und Girisha Fernando (E-Bass), Andreas Rosskopf (Gitarre), Jochen Helfert (Keyboards), Stefan Brodte (Percussion) und Kilian Bühler (Schlagzeug) verantwortlich, die ab und an Verstärkung durch die beiden Gäste Njamy Sitson (Gesang) und Seref Dalyanoglu (Oud) erhielten, oblag es Sängerin Eva Gold, den gesetzten Klangteppichen die vokalen Perlen aufzusetzen. Sie tat es mit facettenreicher Couleur, mal düster-bedrohlich, mal kindlich-verspielt oder voller Soul, immer aber dem Song eine weitere Dimension hinzufügend. Ein großartiges Projekt, das eine Stunde lang anspruchsvoll unterhielt und mit einer Punk-Version von Björks „Declare Independence“ endete.

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