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Augsburg

26.07.2016

Protz-Prinz Marcus von Anhalt geht zu Promi Big Brother

Der Adoptivprinz und Bordellbetreiber hat zurzeit gute Karten in seinem Augsburger Revisionsprozess um Steuerhinterziehung. Und er arbeitet kräftig an einem Fernseh-Comeback.
Bild: Ulrich Wagner

Für Marcus von Anhalt läuft es gut. Das Landgericht Augsburg sagt voraus, dass sein Urteil milder ausfallen wird. Und dann ist da noch ein spezieller Fernsehjob.

Die Augsburger Justiz und der selbst ernannte Rotlichtkönig Marcus von Anhalt – das ist inzwischen schon eine ganz schön lange Geschichte. Und sie war nicht gerade von gegenseitiger Sympathie geprägt. Der Protz-Prinz saß fast zwei Jahre in Augsburg in U-Haft. Im Januar 2015 wurde er wegen Steuerhinterziehung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli 2015 zu einer hohen Geldstrafe, weil er einen Amtsträger den „dümmsten Staatsanwalt der Welt“ genannt hatte. Doch so gut wie momentan war das Verhältnis zwischen dem Adoptivprinzen und den Augsburger Richtern noch nie.

Protz-Prinz kann sich ab sofort frei bewegen

Die 2. Strafkammer des Landgerichts hat jetzt den Haftbefehl gegen Marcus von Anhalt nach mehr als zwei Jahren endgültig aufgehoben. Ende April hatte das Oberlandesgericht München diesen bereits außer Vollzug gesetzt – aber gegen Auflagen. Die fallen nun auch komplett weg. Der Protz-Prinz kann sich ab sofort frei bewegen. Es bestehe keine Fluchtgefahr mehr, sagen die Augsburger Richter. Der Angeklagte sei im Revisionsprozess zuverlässig zu allen Verhandlungstagen gekommen und auch von genehmigten Auslandsreisen pünktlich zurückgekehrt. Er habe dadurch bewiesen, dass er sich dem Verfahren stellt. Doch nicht nur das.

In der Begründung lehnen sich die Richter ziemlich weit aus dem Fenster und geben eine vorläufige rechtliche Bewertung ab. Und die hat es in sich. Das Gericht geht davon aus, dass sich aufgrund der bisherigen Beweisaufnahme die Summe der hinterzogenen Steuern reduziert. „Dies wird bei der Strafzumessung zugunsten des Angeklagten zu berücksichtigen sein“, heißt es in dem Beschluss.

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Im Klartext: So wie es derzeit aussieht, wird die Strafe von vier Jahren aus dem ersten Prozess signifikant reduziert. Und da der Protz-Prinz schon fast zwei Jahre in U-Haft gesessen hat, besteht für ihn überhaupt kein Grund mehr zu einer Flucht. Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH). Die Karlsruher Richter waren zwar der Ansicht, dass Marcus von Anhalt Steuern hinterzogen hat. Sie sahen aber nicht ausreichend untersucht, ob die vielen Luxusautos, die der Bordellbetreiber fuhr, zumindest teilweise auch beruflich genutzt worden sein könnten. Daher musste der Prozess in eine zweite Auflage.

Urteil sollte erst im September fallen

Grund für die Aufhebung des Haftbefehls war auch der Verlauf der vergangenen Prozesstage, an denen ein Steuerfahnder und ein Betriebsprüfer das Gericht mit ihren Ausführungen offenbar nicht so recht überzeugen konnten. Folgerichtig beantragten die Prinzen-Verteidiger Olaf Langhanki, Ariande Hepp und Ralf Schönauer, den Haftbefehl endgültig zu kassieren. Und sie bekamen recht. Der Mann, der früher in seiner Heimatstadt Pforzheim noch Marcus Eberhardt hieß, kann nun als vollkommen freier Mann sein Urteil erwarten.

Das sollte nach bisheriger Planung im September fallen. Doch nun kommt eine unvorhergesehene Wendung dazwischen. Denn der Protz-Prinz hat es mit seiner jahrelangen Medienpräsenz und Angeberei und trotz seiner „Zwangspause“ im Gefängnis offenbar geschafft, dass die Macher von „Promi Big Brother“ auf ihn aufmerksam geworden sind. Nach Informationen unserer Zeitung ist der 49-Jährige definitiv bei dieser Reality-Show dabei. Wie immer nehmen etliche teils verglühte Sternchen an der Sendung teil. Die Rede ist von Ex-Fußballer Mario Basler und weiteren wenig zurückhaltenden Zeitgenossen wie Dschungelcamp-Teilnehmerin Helena Fürst, Sänger Joachim Witt und Sarah Kern, Ex-Frau von Designer Otto Kern.

Das Problem für den Prinzen ist nur: Die illustre Clique soll am 31. August in den Fernsehcontainer einziehen, die Ausstrahlung der neuen Staffel startet am 2. September in Sat.1. Zu diesem Zeitpunkt ist das Augsburger Revisionsverfahren aber aller Voraussicht nach noch nicht beendet. Die 2. Strafkammer hat bereits Termine bis in den September hinein reserviert. Was tun?

Prozess kann bis zu drei Wochen ausgesetzt werden

Nun ist es so: Je länger ein Strafprozess dauert, desto länger kann er für eine Pause unterbrochen werden. Das Gesetz sieht dies vor. Im konkreten Fall Marcus von Anhalts wäre eine Unterbrechung der Hauptverhandlung von bis zu drei Wochen möglich. „Promi Big Brother“ dauert im besten Fall – also wenn der Protz-Prinz dieses seltsame Spiel gewinnen sollte – 17 Tage lang. Es wäre also theoretisch genügend Zeit.

Doch selbstverständlich muss das Gericht da mitspielen. Die Richter allein entscheiden über die Prozesstermine. Mal sehen, wie das ausgeht. Aber so, wie sich das Verhältnis des Protz-Prinzen zur Augsburger Justiz geändert hat, scheint es nicht ausgeschlossen, dass die Strafkammer ihren Segen gibt.

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