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Justiz

06.03.2020

Prozess: Mann verschickt grausamen Film an Arbeitskollegen

Ein Mann soll ein grausames Video verschickt haben. Nun stand er deshalb vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Ein 46-Jähriger erhält von seinem Kollegen ein Video, das ein brutales Verbrechen zeigt. Vor Gericht geht es nun um die Frage, inwiefern das strafbar ist.

Ein 36 Jahre alter Mann soll seinem Arbeitskollegen per Handy ein grausames Gewaltvideo weitergeleitet haben. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten. Was war passiert?

Der Angeklagte muss einige tausend Euro zahlen, weil er einem Arbeitskollegen mit dem Handy ein V ideo weitergeleitet hatte. Diese Strafe verhängte das Augsburger Amtsgericht gegen den Augsburger, der sich in der Verhandlung von seinem Rechtsanwalt vertreten ließ und nicht selbst erschien.

Im Gerichtssaal war aber der Arbeitskollege des Angeklagten, ein 46-jähriger Flugzeugbauer von der niedersächsischen Nordseeküste , der als Zeuge auftrat. Er bestätigte weitgehend, was zuvor schon aus der Anklageschrift hervorgegangen war. Die beiden Männer hatten sich 2018 bei der Arbeit in einer rumänischen Firmenniederlassung kennengelernt. Nach der Arbeit habe man die Feierabende miteinander verbracht, später per Mobiltelefon den Kontakt aufrechterhalten. Mehrfach habe man sich gegenseitig aufs Handy kleine Filmchen weitergeleitet, ein, zwei Minuten lang, etwas Lustiges in der Regel.

Prozess: Mann verschickt grausamen Film an Arbeitskollegen
Um die Verbreitung eines grausamen Videos ging es bei einem Prozess vor dem Augsburger Amtsgericht.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolfoto)

Dann im Januar 2019 erreichte den Zeugen besagter Film vom Angeklagten, der zu der Verurteilung führte. Gezeigt werde darin, wie offensichtlich in einem Urwald ein am Boden liegender Mann von zwei anderen mit einer Hacke totgeschlagen wird. Er habe zunächst an einen sehr schlechten Witz geglaubt, so der Zeuge, der den Film dann zwei Freunden zeigte. Ihnen dreien sei klar gewesen: Der Film zeige ein grausames Verbrechen. Auch wenn dies offensichtlich nicht hierzulande stattgefunden habe, ging der Zeuge zu Hause in Niedersachsen zur Polizei und machte Meldung, um ein mögliches Delikt aufklären zu helfen. Somit geriet der Angeklagte ins Visier der Staatsanwaltschaft , da er sich der Weitergabe einer Gewaltdarstellung schuldig gemacht habe.

Prozess um Gewaltvideo: Angeklagter stammt aus Augsburg

Weil der Angeklagte in Augsburg lebt, wurde die Angelegenheit von der Polizei in Lechhausen bearbeitet, wie die zuständige Polizistin als Zeugin erklärte. Gegen einen folgenden Strafbefehl in Höhe von 5400 Euro legte der Angeklagte Einspruch ein. Entsprechend kam es jetzt zur Hauptverhandlung, bei der sich der Angeklagte von seinem Verteidiger Rechtsanwalt Felix Dimpfl vertreten ließ. Der gab eine Erklärung ab, dass sich der Sachverhalt wie geschildert dargestellt habe.

Sein Mandant sei nicht davon ausgegangen, dass der Empfänger den Film weiterverbreiten würde. Bezug nehmend auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichtshofs zog Dimpfl in Zweifel, dass der angeklagte Vorgang den Tatbestand der „ Verbreitung “ erfülle. Immerhin habe sein Mandant den Film in Kopie nur an eine Person weitergeleitet. Dimpfl plädierte entsprechend auf Freispruch für seinen Mandanten. Zuvor hatte Staatsanwältin Alisa Starflinger gefordert, den Angeklagten zu einer Geldstrafe von nunmehr 7200 Euro beziehungsweise 120 Tagessätze zu je 60 Euro zu verurteilen. Sie sah die Verbreitung einer Gewaltdarstellung als erwiesen an.

Urteil wegen Gewaltvideo: Versender muss 7200 Euro zahlen

Dieser Ansicht schloss sich Richterin Birgit Demeter an. Sie verurteilte den Angeklagten wegen Gewaltdarstellung zu einer Geldstrafe von 7200 Euro. Selbst die Weitergabe nur einer Kopie des grausamen Filmes erfülle den Tatbestand der Verbreitung , da es sich nicht um einen kontrollierbaren Personenkreis gehandelt habe. Der Angeklagte habe dadurch keinen Einfluss mehr auf den Film gehabt und die Verbreitung billigend in Kauf genommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Verteidiger Dimpfl ließ durchblicken, seine Ansichten in Sachen „ Verbreitung “ an höherer Stelle darlegen zu wollen.

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