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Augsburg

11.03.2011

Prozess: Nackt schlafenden Kumpel fotografiert

Nach einer Party am Kuhsee hat ein 19-Jähriger seinen nackt schlafenden Kumpel fotografiert. Der fand das gar nicht lustig. Der Fall landete vor Gericht.

Ein Schnappschuss mit der Handy-Kamera ist schnell gemacht und das Foto dann ebenso flugs herumgezeigt oder ins Internet gestellt, damit sich möglichst viele amüsieren können. Doch Vorsicht: Wer einen anderen ohne Erlaubnis in einer Wohnung oder einem anderen geschützten Raum ablichtet und das Bild dann verbreitet, macht sich strafbar. Dies bekam jetzt ein 19-Jähriger zu spüren, der seinen Kumpel (17) fotografierte, als dieser nackt auf der Couch schlief.

Das Bild auf dem Handy zeigte er dann zwei anderen Bekannten. Der so lächerlich gemachte Kumpel stellte Strafantrag wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen“, wie der Paragraf 201 a lautet, der erst im Jahre 2004 ins Strafgesetzbuch aufgenommen wurde, als gerade das bedenkenlose Einstellen von Fotos und Videos ins Internet immer häufiger praktiziert wurde.

Der Angeklagte hatte an jenem Abend im Juli 2010 mit seiner Clique am Kuhsee seinen Geburtstag gefeiert. Sein Kumpel hatte bei ihm übernachtet und nackt auf der Couch geschlafen. „Ich fand das irgendwie damals witzig, weil ich auch ziemlich was getrunken hatte“, erinnert sich der 19-Jährige. Er lichtete seinen Bekannten mit dem Handy ab, zeigte das Foto später anderen. „Das war dann schon weniger witzig, ich weiß heute, dass ich mich strafbar gemacht habe“, räumt der Angeklagte seinen Fehler unumwunden ein. Sein Kumpel sei damals „sehr wütend gewesen“.

„Das war schon mehr als eine Kinderei“, machte nun Jugendrichter Gerald Holler dem Handy-Fotografen deutlich und verurteilte ihn nach dem Jugendrecht zu einer Geldauflage von 500 Euro, die er an das Jugendrotkreuz zahlen muss. Erwachsene können mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr belangt werden. Strafbar macht sich nicht nur der Urheber des Fotos, sondern jeder, der solch ein unbefugt aufgenommenes Bild zum Beispiel mit dem Handy weiterverbreitet. (peri)

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