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Augsburg

04.06.2020

Prozess: Sportwetten bringen einen Mann fast ins Gefängnis

Weil er süchtig nach Sportwetten war, geriet ein 26-Jähriger auf die schiefe Bahn.
Bild: Carsten Rehder, dpa (Symbol)

Plus Ein Spielsüchtiger verkauft im Internet Tickets für Fußballspiele des FC Bayern München und Konzerte von Helene Fischer, die er gar nicht besitzt. Bis alles auffliegt.

Oli Kahn, Bayern Münchens Ex-Keeper, jetzt Vorstandsmitglied des vielfachen deutschen Meisters, ist ein umtriebiger Mensch, der sich gut vermarkten kann. Unter anderem als Markenbotschaften eines großen Sportwettenanbieters mit Sitz auf Malta, auch Partner der Deutschen Fußball-Liga. Im Internet kann man dort Wetten zu allen möglichen Sportarten abschließen, vornehmlich natürlich zu Fußball. Anonym und mit wenigen Klicks ist eine Wette platziert. Man kann gewinnen. Aber: Man kann auch alles verlieren. Wie ein 26-Jähriger, der sein ganzes Geld bei dem Wettanbieter verzockte und dann vor lauter Suchtdruck zum Betrüger wurde.

In fast 50 Fällen bot er über die Internet-Plattform Ebay Karten zu bereits ausverkauften Fußballspielen oder zu angesagten Konzerten an. Tickets, die er nie besaß und nie lieferte. Das Geld dafür - insgesamt mindestens 13.125 Euro - kassierte er freilich. Und versenkte es wieder auf dem Konto des Wettanbieters. Mit viel Glück entging der Zocker jetzt bei einem Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Susanne Scheiwiller haarscharf dem Knast. Er bekam mit einer zweijährigen Bewährungsstrafe noch einmal eine Chance, obwohl er vielfach vorbestraft ist.

Prozess in Augsburg: Der Angeklagte ist süchtig nach Sportwetten

Der Angeklagte (Verteidiger: Helmut Linck) ist, wie er weiß, seit langem spielsüchtig. Er hat bereits eine Therapie hinter sich, als sein Freund plötzlich stirbt. „Das hat mich völlig aus der Bahn geworfen“, erzählt er. Die Spielsucht schlägt wieder zu, er wird rückfällig. „Und dann habe ich alles verloren, meine Freunde, meine Freundin, mein Geld“. Es sei „nicht viel Unterschied“ zwischen Drogen- und Sielsucht, schildert er sein Problem, das einher ging mit Depressionen. Mit dem Zocken habe er alle Probleme „übertünchen“ wollen. Er sei so stark unter Suchtdruck geraten, dass er nur mehr spielen habe wollen. „Es war wie in einem Rausch“. Ein-, zweimal habe er gewonnen, dann wieder alles verloren.

Obwohl er wusste, dass seine Betrugsmasche bald entdeckt werden würde, bot er Tickets für Fußballspiele und Konzerte im Internet an - unter seinem vollen Namen. Er verschleierte keine Daten, wie es sonst Betrüger tun. Die Tickets, die er sich bezahlen ließ, waren stark gefragt. Denn Spiele beispielsweise von Bayern München sind rasch bis auf den letzten Platz ausverkauft. So bot er Karten für Bayern-Dortmund (350 Euro), Bayern-Frankfurt oder für das Pokalendspiel im Mai 2019 in Berlin (800 Euro) an. Konzert-Fans aus der ganzen Republik orderten bei ihm Karten für Udo Lindenberg, Roland Kaiser, für Helene Fischer oder Sarah Connor. Und schauten in die Röhre.

Augsburg: So will der Angeklagte vom Glücksspiel loskommen

Jetzt im Gerichtssaal bekennt der Angeklagte, er schäme sich sehr für seine Taten: „Vor allem weil ich den Leuten die Vorfreude auf die Events genommen habe“. Inzwischen hat der 26-Jährige eine zweite stationäre Therapie hinter sich und befindet sich bei der Suchthilfeorganisation Kompass in Augsburg in der Nachsorge, wo er auf ein dauerhaftes Leben ohne Glückspiel vorbereitet wird. Er hat kein Bankkonto mehr, kein Vermögen, bekommt Hartz IV per Scheck ausbezahlt. Staatsanwalt Marius Lindig merkt in seinem Plädoyer an, der Angeklagte habe während einer offenen Bewährung betrogen, sei einschlägig vorbestraft. Etliche Taten seien vorläufig eingestellt worden, der Gesamtschaden könne sich bis zu 25.000 Euro belaufen. Bei allem Wohlwollen für die Situation des Angeklagten kommt der Anklagevertreter an einer Strafforderung von zweieinhalb Jahren Gefängnis wegen Betrugs nicht vorbei. Anwalt Linck dagegen bittet um Bewährung für seinen Mandanten, der jetzt auf einem guten Weg in die Zukunft sei.

Richterin Susanne Scheiwiller sagt: „Es war keine leichte Entscheidung“. Das Gericht gibt dem 26-Jährigen mit der zweijährigen Bewährungsstrafe eine zweite Chance, weil dieser im Rahmen der erneuten Therapie seine Gesamtproblematik erkannt hat und nun danach handelt. Als Bewährungsauflage muss der Verurteilte 300 Sozialstunden ableisten und die Nachsorge bei „Kompass“ erfolgreich beenden. Er bekommt auch einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Irgendwann muss er auch Wertersatz über 13.125 Euro leisten.

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