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Augsburg

12.05.2017

Prozess in Augsburg: Bäcker brüllt Räuber in die Flucht

Ein 25-jähriger Augsburger muss sich vor dem Landgericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Ein Mann bedroht die Bäckerei-Verkäuferin mit einer Soft-Air-Pistole und flieht, als ihr Chef kommt. Vor Gericht sitzt er auch wegen eines weiteren Deliktes.

Der Angeklagte will einen guten Eindruck machen. Also bittet Strafverteidiger Felix Hägele das Gericht kurz nach Verhandlungsbeginn, ob sich sein Mandant nicht umziehen dürfe. Der junge Mann wolle ein Hemd anziehen, das ihm sein Vater mitgebracht habe. Er wolle im Gerichtssaal nicht die eher triste Knastkluft tragen, die er im Galbinger Gefängnis erhalten hat, wo er in U-Haft sitzt. Ein Ansinnen, dem die dritte Strafkammer am Augsburger Landgericht unter Vorsitz von Daniel Burdach zustimmt. Der Angeklagte geht also unter Polizeibegleitung raus, wenig später kommt er mit frischem Hemd wieder zurück.

Ein ungewöhnlicher Fall

Es ist ein ungewöhnlicher Start in eine Gerichtsverhandlung, aber es ist auch ein ungewöhnlicher Fall. Der Angeklagte ist ein 25-jähriger Augsburger, der im Gerichtssaal unscheinbar und harmlos wirkt. Was er getan haben soll, ist freilich nicht harmlos: Er soll sich im Februar der schweren räuberischen Erpressung und der versuchten schweren räuberischen Erpressung schuldig gemacht haben, so steht es in der Anklageschrift.

Konkret bedeutet das: Er ging am 5. Februar gegen 21.50 Uhr mit Schal und Kapuze vermummt in eine Esso-Tankstelle in Augsburg und bedrohte eine Mitarbeiterin mit einer Soft-Air-Pistole, die einer echten Waffe ähnelt. Er forderte Geld, die Frau gab ihm 320 Euro heraus, er machte sich davon. Zweieinhalb Wochen später versuchte er es mit gleicher Masche in der Bäckerei Geßwein in Haunstetten.

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Am frühen Morgen betrat er den Laden, wiederum vermummt, zückte die Soft-Air, richtete sie auf eine Angestellte und sagte „Geld“. Das erbeutete er nicht, da der Bäckermeister dazukam und den bewaffneten Mann anbrüllte, der daraufhin wegrannte und wenig später unweit des Tatortes von der Polizei festgenommen wurde. Als er später vor die Haftrichterin geführt wurde, räumte der 25-Jährige nicht nur die Tat in der Bäckerei ein, sondern jene in der Esso-Tankstelle gleich mit. Soweit zur Vorgeschichte.

Geständnis vor Gericht

Im Gerichtssaal gesteht der 25-Jährige die Vorwürfe. Warum er das alles tat? Er habe Geld gebraucht, sagt er, für Lebensmittel und Miete. Er sei die letzten Jahre immer mal wieder als Leiharbeiter für Helfertätigkeiten beschäftigt, vor seinen Taten aber auch längere Zeit arbeitslos gewesen. Die Tankstelle und die Bäckerei habe er zwar gekannt, sei aber kein Kunde gewesen. Bereits im Vorfeld der Verhandlung hatte er Briefe an die Mitarbeiter geschrieben und sie um Entschuldigung gebeten. Gewalt habe er keine anwenden und auch niemanden verletzten wollen, sagt er im Gerichtssaal.

Die Verhandlung wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

Mehr zu dem Thema lesen Sie hier:

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