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Augsburg

19.11.2019

Prozess um Gruppenvergewaltigung: Gericht spricht junge Afghanen frei

Drei junge Afghanen waren wegen einer Gruppenvergewaltigung angeklagt, wurden aber nun vor Gericht in Augsburg freigesprochen.
Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Plus Eine 15-Jährige soll mehrfach von jungen Asylbewerbern vergewaltigt worden sein. Nach zwei Prozessen, die mit Haftstrafen enden, gibt es nun einen Freispruch.

In der Firma, in der Muhammad D., 20, seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen hat, ist er beliebt. Er sei engagiert, freundlich und leiste gute Arbeit, heißt es vom Arbeitgeber. Von Yusuf E., 19, wird berichtet, er habe schnell deutsch gelernt und es geschafft, selbstständig an einen Ausbildungsplatz als Betonbauer zu kommen. Milad F., 21, (alle Namen geändert) spricht gut deutsch. Sein Lehrer an der Berufsschule sagte, er habe Potenzial. Haben sich alle, die einen guten Eindruck von den drei jungen Männern hatten, getäuscht?

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Liest man die Einschätzungen von Lehrern, Arbeitgebern und Betreuern, dann könnte man meinen, die drei Afghanen seien Musterbeispiele für eine gelungene Integration. Junge Männer, die nach einer langen Flucht hier in Deutschland eine Heimat finden – und die auch für Firmen ein Gewinn sind, die teils händeringend nach Lehrlingen suchen. Nun aber sitzen Muhammad D., Yusuf E. und Milda F. als Angeklagte in einem Saal des Augsburger Amtsgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Trio vor, die 15-jährige Paula gemeinsam vergewaltigt zu haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die jungen Männer zusammen mit der 15-Jährigen Alkohol tranken und ihr K.o.-Tropfen ins Getränk mischten. Als sie sich nicht mehr dagegen wehren konnte, sollen alle Drei mit ihr geschlafen haben.

Es gab in dem Komplex schon mehrere Prozess in Augsburg

Es ist bereits der dritte Prozess, in dem das heute 16-jährige Mädchen als Opfer aussagen muss. Im Juni wurde bereits ein junger Afghane verurteilt, weil er mit dem Mädchen einen Joint geraucht und sie danach, als sie unter Drogen stand, vergewaltigt hatte. Er hatte die Tat gestanden und sich entschuldigt. Erst Anfang November stand Milad F. vor Gericht, weil er ebenfalls den Drogenrausch des Mädchens ausgenutzt haben soll, um mit ihr Sex zu haben. Danach soll er die orientierungslose 15-Jährige einfach auf der Straße zurückgelassen haben. Er hat den Vorwurf bestritten, wurde aber dennoch zu drei Jahren und zehn Monaten Jugendhaft verurteilt.

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Nun geht es um einen anderen Vorfall, an dem Milad F. ebenfalls beteiligt gewesen sein soll. Im Mai 2018 soll es bei einer Party im Zimmer einer Wohngemeinschaft in Friedberg zu der Gruppenvergewaltigung gekommen sein. Die jungen Männer sollen hinterher mit dem Gruppensex geprahlt haben. Unter jungen Afghanen in Augsburg war die Sache Gesprächsthema, das berichten mehrere Zeugen. Es gab auch Gerüchte über K.o.-Tropfen.

Es gibt viele Gerüchte, aber keiner kann etwas Konkretes sagen

Was genau in der WG geschehen ist, kann aber keiner der Zeugen sagen. Paula erinnert sich auch nicht mehr daran. Sie sei zu betrunken gewesen, sagt sie im Prozess. Einer der Angeklagten, Muhammad D., 20, wird von Paula allerdings entlastet. Mit ihm habe sie an jenem Abend einvernehmlich Sex gehabt, sagt sie. Danach sei sie in ein anderes Zimmer gegangen, in dem sich auch Yusuf E. und Milad F. aufgehalten hätten. Was dann geschehen sei, wisse sie nicht mehr. Sie habe einen Filmriss. Sie könne sich erst wieder erinnern, wie sie am anderen Morgen bei Muhammad D. aufgewacht sei.

Ein Zeuge, der kurz in das Zimmer geschaut hat, sagte bei der Polizei aus, er habe nicht den Eindruck gehabt, dass Paula zum Sex gezwungen worden sei. Sie seien unter einer Decke gelegen und hätten gelacht. Der Zeuge, ebenfalls ein junger Asylbewerber, sagt auch, er habe an dem Abend ebenfalls mit Paula schlafen wollen. Bei ihm habe sie aber Nein gesagt. Ein anderer Flüchtling meinte: „Man kennt Paula in jedem Flüchtlingsheim.“

Ein Angeklagter lebte mit zehn Jahren in Afghanistan auf der Straße

Yusuf E. und Milad F. schweigen. Muhammad D. belastet seine Mitangeklagten. Er sagt, er habe den Eindruck gehabt, dass deren Sex mit dem Mädchen nicht einvernehmlich war. D. ist mit zwölf Jahren aus Afghanistan geflohen. Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war. Mit zehn Jahren habe er daheim weggehen müssen, weil sein Vater und seine Stiefmutter nicht genug Geld hatten, sagt er. Er habe auf der Straße gelebt. Yusuf E. wurde im Iran geboren, weil seine Eltern vor über 25 Jahren vor den Taliban aus Afghanistan geflohen sind. Die Familie lebt illegal im Iran. Yusuf E. ging nach Deutschland, weil er sich eine bessere Gesundheitsversorgung erhoffte. Er ist an Diabetes erkrankt.

Alle Angeklagten werden schließlich freigesprochen. Es gebe keine ausreichenden Belege für eine Straftat, stellt Richterin Angela Friehoff fest. Die Beschuldigten saßen alle monatelang in Untersuchungshaft. Milad F. bleibt in Haft, weil er bereits verurteilt worden ist. Der Freispruch wird wohl rechtskräftig, da auch die Staatsanwaltschaft am Ende keine Strafe mehr forderte. Nur der Nebenklage-Anwalt Roland Aigner, der die Schülerin vertrat, hatte eine Verurteilung gefordert - wegen versuchter sexueller Nötigung.

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