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Prozess in Augsburg

17.09.2020

Prozess um Haarentfernung: Kundin erleidet bleibende Narben

Eine Haarentfernung mit schmerzhaften Folgen wurde in Augsburg zum Fall für die Justiz.
Bild: Andrea Warnecke, dpa (Symbolbild)

Plus Eine Frau will sich in einem Kosmetikstudio Haare an Beinen und Armen entfernen lassen. Die Behandlung wird zur Tortur. Der Fall landet vor dem Augsburger Amtsgericht.

Es war durchaus eine haarige Angelegenheit, die da in Form einer Strafakte auf dem Richtertisch vor Amtsrichterin Ulrike Ebel-Scheufele lag. Es ging um eine dauerhafte Enthaarung an Armen und Beinen per Laserstrahl. Mit unerwünschten Folgen für die Kundin einer Kosmetikerin und für diese selbst.

Mit einem schmerzhaften Fall von Haarentfernung hatte sich die Justiz in Augsburg zu befassen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Archivfoto)

Für die Kundin, 28, weil die Behandlung nicht nur sehr schmerzhaft war, sie trug auch eine Hautentzündung und bleibende kleine Narben davon. Die Kosmetikerin, 39, der offenbar ein Fehler unterlaufen war, verließ den Gerichtssaal mit einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten plus einer Geldauflage von 1000 Euro wegen gefährlicher Körperverletzung.

Eine Kosmetikerin steht vor dem Augsburger Gericht

Im Juli 2019 war die 28-Jährige auf Empfehlung einer Bekannten im Behandlungszimmer der Kosmetikerin gelegen, um sich die feinen Haare an Armen und Beinen auf Dauer per Laser entfernen zu lassen. Dabei deaktiviert das hochenergetische Licht des Lasergerätes die Haarwurzeln. Die Haare wachsen nicht mehr nach. Die angeklagte Kosmetikerin (Verteidiger: Ulrich Swoboda) hatte dazu die Haut mit einem Markierungsstift in kleine Quadrate aufgeteilt, um genau zu wissen, welche Bereiche bereits behandelt sind.

Dazu habe sie, wie sie fest behauptet, einen beigen, hautfarbenen Stift, den sie zum Prozess eigens mitbrachte, benutzt. Den verwende sie seit Jahren, und „nie hat es ein Problem damit gegeben“. Während der Behandlung, so erinnert sich die Kosmetikerin, habe es keinerlei Beschwerden der Kundin gegeben. Im Gegenteil: „Sie war begeistert, hat mir später sogar kleine Geschenke gemacht.“

Kundin beschreibt schmerzhafte Behandlung und Folgen

Die Kundin im Zeugenstand hat an die Behandlung allerdings völlig konträre Erinnerungen. Die Angeklagte habe einen grauen oder silberfarbenen Stift benutzt. Sie selbst habe während der Behandlung Schmerzen gespürt, die Haut habe sich gerötet. „Ich habe geweint. Sie hat aber weitergemacht, mir später dann eine Salbe gegeben. Ich war dann zwei Wochen lang krank, bin danach in Urlaub gegangen und immer zuhause geblieben.“ Vier Wochen lang habe sie Schmerzen gehabt, sei mehrmals beim Arzt gewesen. Geblieben sind kleine Narben auf der Haut. „Und die werden wohl bleiben“, sagte sie bitter.

Die Kosmetikerin will von den Rötungen erst am folgenden Tag erfahren haben. „Ich kann mir das bis heute nicht erklären“, steht sie nach eigenem Bekunden vor einem Rätsel. Für die Behandlung hatte sie im Übrigen kein Geld verlangt. Richterin Ebel-Scheufele hatte bei der Gerichtsmedizinerin Professorin Franziska Rueff von der Ludwig-Maximilian-Universität in München ein Gutachten bestellt.

Amtsgericht Augsburg: Kosmetikerin erhält Bewährungsstrafe

Die Sachverständige kommt darin zum Schluss, dass die Kosmetikerin vorschriftswidrig statt eines weißen Markierungsstifts einen grauen verwendet hat. Dies führte dazu, dass die Laserenergie nicht nur durch die Haare, sondern auch durch die Pigmente des Markierungsstifts absorbiert wurde. Dadurch kam es zu einem fotothermischen Defekt der Haut und der schmerzhaften Entzündung.

Ihr Gutachten musste die Sachverständige dann allerdings gar nicht im Gerichtssaal vortragen. Denn nach der Aussage der Kundin bat Verteidiger Swoboda um eine kurze Prozesspause für eine Besprechung mit seiner Mandantin. Danach zog er den Einspruch der Angeklagten gegen einen Strafbefehl zurück. Die darin ausgesprochene Bewährungsstrafe von sieben Monaten wurde damit nach Zustimmung der Staatsanwaltschaft rechtskräftig. Die haarige Angelegenheit ist für die Kosmetikerin juristisch noch nicht beendet. Der Anwalt der Kundin, Christian Kwiauka, hat auch ein Zivilverfahren um Schmerzensgeld angestrengt.

In einer neuen Folge unseres Podcasts "Augsburg, meine Stadt" sprechen wir mit einem Ex-Gefängnischef über den Sinn und Unsinn von Gefängnissen. Hier können Sie sich die gut einstündige Folge anhören:

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