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Augsburg

20.01.2020

Prozess um Unfall: Ein kleiner Fehler mit tödlichen Folgen

Ein tödlicher Unfall ist in Augsburg vor Gericht verhandelt worden.
Bild: Alexander Kaya

Eine 18-jährige Autofahrerin übersieht einen angetrunkenen Mofafahrer. Er stirbt. Beim Prozess kommt es zu emotionalen Situationen.

Es war ein Fehler, wie er im Straßenverkehr täglich x-mal passiert. Der Fehler, der einer jungen Frau am Steuer unterlief, hatte allerdings tödliche Folgen. Ein Mofa-Fahrer, 55, den die damals 18-Jährige in der Nacht zum 31. Oktober 2018 in Haunstetten übersah, wurde bei dem Zusammenstoß so schwer verletzt, dass er neun Tage später starb. Wie viel Tragik und welche Emotionen der Fall birgt, zeigte der Prozess gegen die Schülerin wegen fahrlässiger Tötung vor Jugendrichter Bernhard Kugler.

Die junge Frau hatte den Führerschein für begleitendes Fahren mit 17 gemacht. Ab Mai 2018 durfte sie allein ein Fahrzeug steuern. „Ich bin sehr gerne Auto gefahren, in knapp einem halben Jahr etwa 9000 Kilometer“, erzählt die Angeklagte (Verteidiger: Wolfgang Fischer). In jener Nacht um 1 Uhr war sie auf dem Weg nach Hause. Von der Lupinenstraße in Haunstetten aus wollte sie nach links in die Königsbrunner Straße abbiegen. „Ich war ganz langsam. Ich schaute links und rechts und noch mal links. Aber ich habe ihn nicht gesehen. Erst im letzten Augenblick, kurz vor dem Knall, hab ich ihn im Augenwinkel wahrgenommen“, schildert die junge Frau die letzten Sekunden vor dem Zusammenstoß. Sie habe den Mofa-Lenker dann auf der Fahrbahn liegen sehen, sofort den Notarzt alarmiert. Dennoch starb der Mofafahrer.

Prozess in Augsburg: Seit dem Unfall hat die Schülerin Angstzustände

Seit dem Unglück leidet die Schülerin an Angstzuständen, hat nachts immer wieder Bilder des Notarzteinsatzes im Kopf, geht zu einem Therapeuten. Der Familie des Opfers hat sie einen langen Brief geschrieben. Und dann kommt es, selten im Vorfeld solcher Prozesse, zu einer hoch emotionalen Begegnung mit der Schwester des Opfers. Beide Frauen umarmen sich und sprechen lange miteinander.

Prozess um Unfall: Ein kleiner Fehler mit tödlichen Folgen

Ein Unfallgutachter kommt in dem Prozess zu dem Schluss, dass der Zusammenstoß zu verhindern gewesen wäre. Und zwar sowohl von der Angeklagten als auch von dem Opfer. Die Autofahrerin hätte das Mofa sehen müssen, ist sich der Sachverständige sicher. Aber auch der später Getötete trägt seinen Anteil. Zum einen hatte er 0,42 Promille im Blut, zum anderen war er viel zu schnell unterwegs. Bei seinem Mofa fehlte der sogenannte Distanzring, der den Motor auf die für Mofas erlaubten 25 Stundenkilometer drosselt. Zur Unfallzeit war das Mofa mit rund 45 Stundenkilometer, also fast doppelt so schnell als erlaubt, unterwegs gewesen. Wäre der 55-Jährige mit nur 25 km/h unterwegs gewesen, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen, sagt der Gutachter. Denn dann wäre er zur kritischen Zeit beim Einbiegen der Autofahrerin viel weiter entfernt gewesen.

Richter, Staatsanwalt und Verteidiger sind sich beim Urteil einig

Die besonderen Umstände des Unfalls und das vorbildliche Verhalten der Angeklagten nach dem tragischen Geschehen führen am Ende zu einer gemeinsamen Bewertung von Staatsanwalt Konstantin Huber, Verteidiger Fischer und Moritz Wahlster-Bode, Anwalt der Familie. Richter Bernhard Kugler schließt sich an und fällt ein mildes Urteil: Die junge Frau wird nach dem Jugendstrafrecht verwarnt, muss 40 Stunden soziale Hilfsdienste leisten und einen Monat auf ihren Führerschein verzichten. Dass der Mofa-Lenker laut Urteil zu dem Unfallgeschehen beitrug, ist vor allem für die zivilrechtliche Auseinandersetzung um Schadenersatz noch von großer Bedeutung.

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