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Augsburg

17.05.2018

Radeln in der Augsburger Straße – nur im Notfall

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Agnes Grinbold-Büch, Martin Wohlauer, Lothar Büch sowie Jens Wunderwald (von links) sind nicht gerne in der Augsburger Straße mit dem Fahrrad unterwegs. Die Strecke, die jetzt zur Fahrradstraße werden soll, nutzen sie ohnehin schon.
Bild: Annette Zoepf

In Pfersee stößt die geplante Fahrradstraße auf Zustimmung. Die Bürgeraktion hat sich lange für das Projekt starkgemacht. Jetzt hat sie Wünsche an die Stadt.

In Pfersee spielt sich ein Großteil des Stadtteillebens in der Augsburger Straße ab. Auch Lothar Büch und seine Frau Agnes Grinbold-Büch schätzen das vielfältige Angebot. Doch mit dem Fahrrad verkehren die beiden passionierten Radler hier „nur im Notfall oder im Winter“, wenn die Nebenstraßen nicht geräumt sind. Beim Ortstermin, zu dem Jens Wunderwald (Bürgeraktion Pfersee Schlössle) neben dem Pferseer Ehepaar auch Martin Wohlauer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) gebeten hat, wird schnell deutlich, warum die Augsburger Straße bei „Pedalrittern“ mindestens so unbeliebt ist wie der Pferseer Tunnel.

Es kommt immer wieder zu Konflikten

Einen Radweg sucht man hier vergebens. Die Radfahrer sind entweder auf der viel frequentierten Fahrbahn unterwegs und müssen höllisch aufpassen, nicht in die Straßenbahnschienen zu geraten – im Bereich der Haltestellen sind diese nur etwa 30 Zentimeter von der Wartezone entfernt. Oder sie weichen mit ihrem Rad auf den Fußweg aus, was in bestimmten Bereichen sogar erlaubt ist, aber immer wieder zu Konflikten unter den verschiedenen Verkehrsteilnehmern führt.

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Da ein eigener Radweg in der Augsburger Straße wegen des fehlenden Platzes utopisch ist, hat die Bürgeraktion schon vor Jahren nach anderen Lösungen gesucht. Sie schlug vor, den Bereich von der Färber- zur Gollwitzerstraße in eine Fahrradstraße umzuwandeln. Dass die Stadt diese Anregung aufgegriffen und jetzt im Bauausschuss beschlossen hat, begrüßt Jens Wunderwald als fahrradpolitischer Sprecher des Vereins.

Zukunftsweisendes Thema

Vorbildlich sei auch der Ansatz, die Maßnahme mit einer Bachelorarbeit wissenschaftlich konzeptionell vorzubereiten. „Die Entscheidungsträger bekommen so eine fundierte und ausführliche Grundlage, die dem Steuerzahler keine Extrakosten aufbürdet. Der Verfasserin Svenja Wagner bot sich die schöne Gelegenheit, sich mit einem zukunftsweisenden Thema zu befassen, welches sich unmittelbar umsetzen lässt“, lobt Wunderwald.

Die jetzt beschlossene Fahrradstraße soll im Westen sogar schon an der Kreuzung Bgm.-Bohl-/Treustraße beginnen und auf einer Länge von etwa einem Kilometer in Richtung Wertach führen. Baureferent Gerd Merkle rechnet mit Kosten in Höhe von 25000 Euro.

Umsetzung nach der Sommerpause

Geplant sei, die Tafeln und zwei mal drei Meter großen Piktogramme, die auf die neue Situation hinweisen sollen, nach der Sommerpause anzubringen. In der Fahrradstraße können weiterhin Autos fahren – allerdings mit Tempo 30. Vorrang haben Fahrradfahrer, die auch nebeneinander fahren dürfen.

Dass die überwiegend in Wohnstraßen gelegene Route ohnehin bei Radlern beliebt ist, zeigt sich bei einer Testfahrt, die Wunderwald mit seinen Mistreitern auf Wunsch unserer Zeitung unternahm. Er nutzte die Gelegenheit für einige Anregungen. Im Einzelnen sind das:

Bauliche Veränderungen an Kreuzungspunkten, wie sie auch in der Bachelorarbeit vorgeschlagen werden. Referent Merkle will diese zumindest vorerst nicht realisieren, sondern ein bis eineinhalb Jahre mit Provisorien arbeiten, um die Wirkung zu beobachten.

Vorfahrtsstraße Die Bürgeraktion möchte, dass die gesamte Fahrradstraße zur vorfahrtsberechtigten Straße wird. Die Gefahr, dass dadurch die Autos dann zu schnell unterwegs sind, sei aufgrund der geringen Fahrbahnbreite durch das versetzte Parken und die bestehenden wie zukünftigen Einbauten gering. Der Baureferent wollte zunächst bei der Rechts-vor-links-Regelung bleiben. Nach der Diskussion im Fachausschuss wird jetzt geprüft, ob es rechtlich möglich ist, eine Vorfahrtsregelung als Testphase vorzusehen.

Temporegelung Bislang gilt auf der Brunnenbachstraße, die auf etwa halber Höhe die Fahrradstraße kreuzt, Tempo 50. Die Bürgeraktion macht sich dafür stark, hier die Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu drosseln, um die Sicherheit zu erhöhen. Laut Merkle wird dies ebenfalls geprüft. Im Bauausschuss am 21. Juni sollen dann sowohl die Punkte Vorfahrtsstraße als auch Tempo 30 entschieden werden.

Bürgerinformation Für ADFC-Vertreter Martin Wohlauer stellt sich die „spannende Frage“, wie man den nicht radelnden Bürgern die Fahrradstraße näherbringt. Die Bauverwaltung denkt hier neben Tafeln an Wurfsendungen und Informationen mittels Medien.

Ausbau Wünschenswert wäre aus Sicht der Bürgeraktion eine Weiterführung der Fahrradstraße bis zur Perzheimstraße im Thelottviertel. Um die Radverkehrssituation von Pfersee in die Innenstadt zu verbessern, setzt Baureferent Gerd Merkle nicht nur auf die Fahrradstraße. Vielmehr soll auch der Zustand der Gollwitzerbrücke verbessert werden. Außerdem ist an der Einmündung Perzheim-/Schießstättenstraße ein Kreisverkehr geplant.

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