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Radlwoche: Der Fahrradstadt Augsburg fehlt noch der Aha-Effekt

Radlwoche: Der Fahrradstadt Augsburg fehlt noch der Aha-Effekt
Kommentar Von Marcus Bürzle
08.07.2018

Augsburg soll für Radfahrer attraktiver werden. Die Stadt hat sich ihr Ziel hoch gesteckt, angekommen ist sie noch nicht. Was es noch für Radler zu tun gibt.

Augsburg hat sich ein ganz tolles Fahrrad in den Hof gestellt. Im übertragenen Sinne. Name: Fahrradstadt. Man darf es sich als E-Bike vorstellen, gut ausgestattet, kein Luxus, aber doch so, dass man Lust bekommt, darauf zu fahren. Das war 2012. Dann ging die Tour los. Sollte sie losgehen. Denn mal war der Akku ziemlich leer (kein Geld), dann die Reifen etwas platt (zu wenig Personal) oder die Schlaglöcher ziemlich tief (viel Kritik).

Kurz gesagt: Das Augsburger Radl namens Fahrradstadt kam nicht so flott voran, wie sich das vor allem die eingefleischten Fahrradfans gewünscht haben. Aber auch die Wirkung in die Breite – bei den Menschen, die man für das Rad begeistern will – hat darunter gelitten. Jetzt nimmt die Stadt einen etwas anderen Anlauf.

Seit Samstag geht es nicht vorwiegend um die Breite von Radspuren, um unsichere Kreuzungen und fehlende Abstellmöglichkeiten. Die Radlwoche rückt den Spaß und das Erlebnis in den Mittelpunkt. Radlkino, eine Radstrecke am Kö, gemeinsame Radtouren – das mag normal klingen. Doch das ist das Ziel: Das Fahrrad soll zum normalen Verkehrsmittel in der Stadt werden, das die Umwelt schont und Freude macht.

In der Fahrradstadt Augsburg lautet das Motto: "Eine Woche Rad ab!"

Mit der Fahrradnacht ist das schon zweimal gelungen. Die dritte folgt im Herbst. Aber schon jetzt bindet das Programm "Eine Woche Rad ab!" auch die große und lebendige Fahrradszene der Stadt ein. Aus ihr ist regelmäßig auch viel Kritik zu hören. Das ist sicher manchmal schwierig auszuhalten, aber unter dem Strich muss sich die Stadt darüber freuen. In den Vereinen, Clubs oder auch privaten Initiativen und Internetblogs lebt die Leidenschaft fürs Fahrrad.

Die erste Augsburger Radlwoche ist am Samstag gestartet. Beim Track Stand Contest ging es darum, so lange wie möglich auf seinem Rad auf einer Stelle zu stehen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Ganz zwangsläufig werden dort klare und umfangreiche Forderungen erhoben. Man kann sich genervt wegdrehen oder die Anregungen aufnehmen. Die Stadt hat sich offenbar für Variante zwei entschieden. Zur Radwoche gehört auch eine Fahrt zu so genannten "Blackspots" – Stellen, die für Radfahrer unangenehm, gefährlich oder schlicht auch nur unkomfortabel sind.

Blackspots sind ein Punkt, der nicht zu unterschätzen ist

Gerade der letzte Punkt ist nicht zu unterschätzen. Wer sich für ein Verkehrsmittel entscheidet will schnell ans Ziel kommen, sicher und vor allem auch komfortabel. Wenn ich aber nicht genau weiß, dass ich einfach, flott und unkompliziert mit dem Rad von A nach B komme, nehme ich die Alternative. Man darf nicht so tun, als ob sich in Augsburg in dieser Hinsicht nichts getan hätte.

Der Radweg in der Grottenau ist fertig geworden, an der Neuburger Straße in Lechhausen gibt es einen Radstreifen, der Königsplatz ist autofrei. Man könnte noch viele Projekte aufzählen – und gleichzeitig viele, die noch fehlen.

Als das schicke Radl Fahrradstadt an den Start ging, trug es auch noch das Anhängsel 2020. Das klang nach Tempo, Geschwindigkeit und schürte Erwartungen. Sie waren – das lässt sich schon heute sagen – nicht so schnell zu erfüllen. Mal fehlte Geld, mal fehlte politischer Wille. Es lassen sich in der Stadt viele Fortschritte erkennen. Was oft fehlt, ist die Verknüpfung.

Bürgermeister Gribl zeigt, dass Radler der Stadt wichtig sind

Gelungene Teilstücke wechseln sich mit schlechten ab. Was auch fehlt, ist der Aha-Effekt: Holla, hier kann ich ja ganz toll Rad fahren. Vielleicht kann das ja mit der Fahrradstraße in Pfersee gelingen. Im zweiten Anlauf ist jetzt sogar Vorfahrt für die Radler denkbar. Und trotz aller berechtigter Kritik wirkt es so, also ob es die Stadt ernst meint, mit einer Verkehrspolitik, das die Vormacht des Autos beendet.

Nicht zuletzt unter dem Eindruck der teilweise (zu) hohen Schadstoffwerte im Zentrum, läuft seinen Jahren ein Schwenk hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln (Beispiel: Königsplatz) und zum Fahrrad. Man kann sich alles schneller wünschen, doch die Entwicklung ist eindeutig. Auch die Vorstellung des Programms zur Radlwoche gab darauf einen Hinweis. Sie war Chefsache, Oberbürgermeister Kurt Gribl selbst stellte das Programm vor. Muss man nicht überbewerten, in den Tagen nach dem turbulenten AfD-Parteitags-Wochenende und mitten im CDU-CSU-Streit hätte er das aber nicht zwingend selbst machen müssen.

Hat er aber. Und damit gezeigt, das Rad ist uns wichtig. Außerdem sagt es auch etwas über den Zustand des schicken Radls namens Fahrradstadt. Würde sich ein Politiker wirklich darauf setzen – zwei Jahre vor der Kommunalwahl – wenn es nicht gut in Schuss wäre?

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Die Diskussion ist geschlossen.

11.07.2018

>> Der Radweg in der Grottenau ist fertig geworden, an der Neuburger Straße in Lechhausen gibt es einen Radstreifen, der Königsplatz ist autofrei. Man könnte noch viele Projekte aufzählen ... <<

Wirklich?

Und die Fahrradstreifen in der Neuburger Straße haben die Tram dort schön in den Autostau gedrückt - insgesamt sicher eher eine Schwächung des Umweltverbundes.

Und bei den richtigen Gefahrstellen tut sich ohnehin nichts - wer täglich bis zur Schlettererstraße auf die falsche Seite der Rosenaustraße gezwungen wird zweifelt ohnehin an den Randsteinverlegungen in der Grottenau, die wegen ihrer unklaren Gestaltung ja auch gerne mal Fußgänger auf den Radweg zieht (ähnlicher Mist übrigens am Kö - weil man den Radweg in den Park nicht erst nach der Fußgängerampel abzweigen wollte).

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08.07.2018

Der Fahrradstadt Augsburg fehlt noch der Aha-Effekt. Schöner Titel habe ich mir gedacht. Ich bin seit mittlerweile 50 Jahren in der schönsten Stadt der Welt mit dem Fahrrad unterwegs. Mal mehr, mal weniger, in letzter Zeit wieder etwas mehr. Heute bin ich - eher zufällig, vom fast südlichsten Punkt der Stadt Augsburg bis zum fast nördlichsten Punkt der Stadt Augsburg mit dem Rad unterwegs gewesen. Was glauben Sie, Herr Bürzle, wie weit das ist? - wieviele Straßen mit Autoverkehr man queren muss? - wieviele Ampeln es als Radfahrer zu überlisten gilt?

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07.07.2018

Wobei man ehrlicherweise sagen muss, die Radlwoche ist jetzt nicht unbedingt ein Kind der Politik, sondern anderer Verantwortlicher bei der Stadt, und vor allem der Radaktiven. Letztlich zahlt's auch »die Stadt«, aber angeleiert und unterstützt und durchgezogen wurde/wird das nicht von Stadträten.

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