1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Rechtsextreme Schmierereien erschüttern die jüdische Gemeinde

Augsburg

08.06.2019

Rechtsextreme Schmierereien erschüttern die jüdische Gemeinde

Im Jüdischen Museum und in der Synagoge Augsburg sind antisemitische Schmierereien entdeckt worden.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Unbekannte hinterließen antisemitische Symbole in der Augsburger Synagoge. Es war nicht die erste solche Tat.

Für Barbara Staudinger war das kein Dummejungenstreich. Die Leiterin des Jüdischen Kulturmuseums Augsburg-Schwaben ist erschüttert über die Schmierereien in der Augsburger Synagoge. „Arbeit macht frei“ wurde auf eine Mitmach-Station in der Installation zum Pessach-Fest geschrieben. Ein Spruch, der in nationalsozialistischen Konzentrationslagern als Tor-Aufschrift verwendet wurde und als zynische und Opfer verhöhnende Parole verstanden wird. „Anhand der Schrift ist zu erkennen, dass es sich um einen jungen Menschen handelt. Dennoch ist das nicht irgendeine Schmiererei. Das hat strafrechtliche Relevanz“, sagt Staudinger.

Ende Mai hatten Mitarbeiter des Jüdischen Museums rechtsextreme Schmierereien in der Dauerausstellung entdeckt. Auf ein Plakat in der Mitmach-Station wurde auch ein Hakenkreuz gezeichnet. Kein Einzelfall, wie es heißt. Bereits in der Vergangenheit wurden antisemitische und rechtsextreme Symbole in der denkmalgeschützten Synagoge in der Halderstraße entdeckt. Sie seien eine unvorstellbare Respektlosigkeit und ein Angriff auf die Gefühle der Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde, die dort Gottesdienste feiere und Veranstaltungen abhalte, so das Museum.

Jüdische Gemeinde will die Bevölkerung sensibilisieren

Das beschmierte Plakat wurde von der Polizei als Beweismittel mitgenommen. Museumsleiterin Barbara Staudinger und die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde haben den Vorfall publik gemacht, um die Bevölkerung zu sensibilisieren. „So ein Spruch kommt nicht von ungefähr. Schüler wachsen nicht im luftleeren Raum auf, sondern sind umgeben von ihren Eltern, Lehrern und Freunden.“ Dass es eine „Verrohung der Sprache“ gebe, sei kein Augsburger Problem, sondern ein gesellschaftliches und in allen Ländern Europas und in Amerika anzutreffen. Staudinger: „Um es mit den Worten der AFD auszudrücken: Die Grenzen des Sagbaren werden ausgeweitet.“ Dieser Entwicklung müsse die Gesellschaft eine neue Solidarität entgegensetzen.

Hakenkreuze wurden in das Synagogengestühl geritzt.

Vor einem halben Jahr hat Staudinger die Stelle in Augsburg angenommen. „Ich habe mich sehr darauf gefreut, da Augsburg die diverseste Stadt Bayerns ist.“ Eine antisemitische Stimmung habe sie in Augsburg bislang nicht festgestellt.

Genauso wenig wie Rabbiner Henry G. Brandt, der Ende April im Alter von 92 Jahren seinen aktiven Dienst in der Israelitischen Kultusgemeinde beendete. 15 Jahre war er in Augsburg als Seelsorger aktiv. „Persönlich habe ich dort keine negativen Erfahrungen gemacht. Dennoch ist eine landesweite Neigung zu mehr Extremismus feststellbar.“ Brandt. Er wolle die Schmiererei nicht als Bagatelle herabtun, aber auch keine Kampagne der Panik schüren. „Die vielen anständigen Menschen fühlen sich dann zu unrecht in einen Topf geworfen. Am Ende werden nur Trittbrettfahrer animiert.“.

Am 11. Juni wird sich ein Restaurator die Ritzungen ansehen, die im Synagogengestühl hinterlassen wurden, und sie entfernen. Im August wurden Stolpersteine, die sich in der Maximilianstraße vor der Burger-King-Filiale befinden, beschmiert. Die Steine erinnern an die jüdische Familie Oberdorfer, die 1943 vom NS-Regime ermordet wurde. Damals war nicht erkennbar, ob die Sachbeschädigung einen politischen oder religiösen Hintergrund hat.

Lesen Sie auch de Kommentar: Beschämende Schmierereien gegen Juden

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

08.06.2019

Ich habe vor kurzem einen sehr interessanten Artikel über den neuen deutschen Antisemitismus gelesen, ich glaube es war im Spiegel oder in der NZZ. Darin wurde beschrieben, dass die Politiker und die Medien in dieser Angelegenheit die Bevölkerung bewußt anlügen. Es gibt keinen neuen deutschen Antisemitismus. Das Aufflammen des Antisemitismus in Deutschland liegt schlicht und ergreifend an der zunehmenden Zahl der Muslime in Deutschland, den selbsternannten Todfeinden der Juden! Und genau diese Tatsache wird der Bevölkerung bewußt verschwiegen. Vermutlich um der AfD zu schaden.

Permalink
09.06.2019

Will heißen, die AfD hat ihren Antisemitismus im Griff?

Permalink
09.06.2019

"Will heißen, die AfD hat ihren Antisemitismus im Griff?"
.
Der vermeintliche Antisemitismus der AfD richtet sich nur gegen eine einzige Person, den Milliardär George Soros!
Und dies auch nur deshalb, weil es sich Soros zum Ziel gesetzt hat, mit von ihm finanzierten NGO´s den Flüchtlingsstrom nach Europa zu unterstützen, warum auch immer.

Permalink
09.06.2019

Das Zitat mit dem "Denkmal der Schande" wurde von den Medien bewußt falsch interpretiert!
Höcke hat darauf hingewiesen, dass der Holocaust eine Schande war. Und das Denkmal in Berlin dementsprechend ein Denkmal der Schande. Und dass kein anderes Land der Welt, sich ein Denkmal der Schande in das Zentrum seiner Hauptstadt setzt. Womit er auch recht hat.Die Amerikaner würden niemals auf die Idee kommen, sich ein Denkmal der Ausrottung der Indianer in ihre Hauptstadt zu setzen. Genauso die Russen, die Türken.....................usw.

Permalink
09.06.2019

(edit/mod)

Permalink
09.06.2019

Die Aussage Höckes war sehr wohl so gemeint und provokant gemeint, wie es die Medien interpretiert haben. Ihre Argumentation verdeutlicht das nur noch mehr. Was Amerika oder Russland macht ist dabei nebensächlich. Das Denkmal gehört als Mahnmal genau ins Herz von Berlin und in den Garten jedes Antisemiten der immer noch davon überzeugt ist, einen Holocaust hätte es nie gegeben oder ihn mit anderen Ereignissen in der Geschichte zu verharmlosen. Diese rechtsextremen Parolen und Straftaten sind auch auf der Grundlage der AfD, ihrer Politik und der von ihr erzeugten radikalen und fanatischen Rechtsruck zurück zu führen.

Permalink
08.06.2019

Wieso ist nur die jüdische Gemeinschaft erschûttert?

Permalink
09.06.2019

(edit/mod)

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren