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Regio-SommertourSerie (3)
08.08.2019

Wo zuerst die Frauen baden durften

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In Königsbrunn war Klein-Rom angesagt. Das Mithras-Heiligtum ist einmalig in Bayern und kann besichtigt werden /

Dass Königsbrunn einst als eines der längsten Straßendörfer Süddeutschlands amtierte, ist allgemein bekannt. Doch in der Brunnenstadt war auch Klein-Rom angesagt. Ad Nonas – beim neunten Meilenstein nach der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum – ist die Adresse, die sogar in der Tabula Peutingeriana – der ältesten Darstellung des römischen Straßennetzes zwischen Westeuropa und Indien – Erwähnung findet. „Römisch-Königsbrunn“ war der letzte Etappenort vor Augsburg im Verlaufe der 46/47 n. Chr. errichteten und vom heutigen Oberitalien hierher führenden Staatsstraße, der Via Claudia Augusta. Deren Trasse ist heute noch zwischen Königsbrunn-Süd und Untermeitingen zu erkennen.

Ad Nonas war im Bereich des heutigen städtischen Friedhofs an der Wertachstraße an einem eiszeitlichen Lechufer angesiedelt. Dazu gehörten ein großer Gutshof – eine Villa Rustica – sowie eine öffentliche Badeanlage. Beides im 1. Jahrhundert n. Chr. dort errichtet. Hoch war er schon, der Hygienestandard der alten Römer. In den Thermen badeten – Ordnung musste sein –Männlein und Weiblein streng getrennt. Und aus Inschriften bei anderen Badeanlagen ist bekannt, dass Frauen morgens ihr Bad nehmen durften, weil dann das Wasser noch sauber war. Danach waren erst die Herren mit der Reinigung an der Reihe. Ein wenig diskriminierend ist dies schon. Vielleicht hatte man aber auch schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Römer badeten – man glaubt es kaum – in Singoldwasser. Dieses wurde von einem von der Singold bei Großkitzighofen abgezweigten und nach Augsburg auf der Hochterrasse führenden Kanal abgeleitet. Im Zentrum der kleinen Siedlung stand das Mithraeum. Es ist das einzige in Bayern noch erhaltene römische Mithras-Heiligtum und entstammt dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. 1998 ist diese einmalige archäologische Stätte freigelegt und mit einem Schutzbau versehen worden. Der römische Mithras-Kult war dem Christentum nicht unähnlich. Mithras galt als Weltenherrscher, der das All von außen lenkte. Er war daher Konkurrent, teilweise aber auch Wegbereiter des Christentums. Als jenes dann im 4. Jahrhundert n. Chr. zur römischen Staatsreligion erhoben wurde, fand die Mithras-Verehrung ihr Ende.

Das Mithraeum an der Königsbrunner Wertachstraße (städtischer Friedhof) ist während der Monate März bis Oktober jeden vierten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr frei zu besichtigen. Das benachbarte Römerbad kann jederzeit kostenlos besucht werden. Anfahrt Das Mithraeum und das Römerbad können auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden: Von der Endhaltestelle der Tram Nr. 2 (Haun-stetten-Nord) aus mit dem AVV-Linienbus bis Haltestelle „Königsbrunn-Zentrum“. Von hier 1-Kilometer-Spaziergang in westlicher Richtung zum Friedhof/Mithraeum. Führungen Information und Vermittlung von Führungen über das Kulturbüro Stadt Königsbrunn, Marktplatz 9, Telefon 08231/606260 und www.koenigsbrunn.de/kultur.

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