1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Reue rettet Kinderporno-Sammler vor dem Gefängnis

Augsburg

15.03.2018

Reue rettet Kinderporno-Sammler vor dem Gefängnis

Weil er in Augsburg auf der Anklagebank Reue zeigte, kam ein 24-Jähriger noch einmal um eine Gefängnisstraße herum.
Bild: Jakob Stadler (Symbol)

Ein Augsburger hatte 30.000 Dateien auf seinen Festplatten. Der entscheidende Tipp an die Ermittler kam aus den USA.

Er zeigte sich reuig, legte ein vollumfängliches Geständnis ab, hatte sich vorab bereits freiwillig in psychiatrische Behandlung begeben: Das bewahrte einen 24-jährigen Augsburger vor dem Gang ins Gefängnis. Der Handwerker hatte über 30.000 kinder- und jugendpornografische Dateien auf seinem Computer gespeichert und Teile davon zum Tausch im Internet angeboten, weswegen ihn das Augsburger Amtsgericht jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilte.

Es herrschte Ordnung auf den Festplatten des Angeklagten, der im Augsburger Stadtteil Bärenkeller wohnt. Ordnung unter Tausenden Dateien mit „abstoßendem, widerlichem“ Inhalt, wie es Richter Thomas Müller-Froehlich ausdrückte. Allein das Verlesen des Inhalts der Bilder und Filme durch Staatsanwalt Bernhard Ging reichte aus, um den Angeklagten heftig erröten zu lassen und Beklemmung bei den Prozess-Beobachtern zu erzeugen.

Hermann Kühn, Verteidiger des 24-Jährigen, bat um eine verfahrensbeschleunigende Absprache („Deal“), die zum Ziel hatte, dem Angeklagten einen Gefängnisaufenthalt zu ersparen. Als Gegenleistung für sein vollumfängliches Geständnis aller Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft gab es die Zusage eines entsprechenden Strafrahmens. „Ich habe nie etwas geleugnet, ich bin froh, dass es herausgekommen ist“, gab sich der Angeklagte vor dem Richter fast erleichtert.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

"Den Computer ausschalten und etwas anderes machen"

Ohne die Ermittlungen der Polizei gegen ihn hätte er es möglicherweise nicht geschafft, sich der Faszination der verbotenen Bilder zu entziehen. Seit Längerem befinde er sich in therapeutischer Behandlung und sehe sich auf dem Weg der Besserung. „Den Computer ausschalten und etwas anderes machen“, laute ein Rat seines Therapeuten, wenn es wieder über ihn zu kommen drohe, erklärte er.

Wolle er seine auf drei Jahre befristete Bewährung nicht gefährden, sei Besserung auch dringend angeraten, so der Richter bei der Urteilsbegründung, „denn sie sehen, es kommt heraus, und wenn es durch eine Nachricht aus den USA ist“. Damit spielte Müller-Froelich darauf an, dass die deutschen Behörden erst durch einen Hinweis auf die Spur des Angeklagten gebracht worden waren. Die gemeinnützige Organisation „National Center for Missing and Exploited Children“ (Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder) hatte im Jahr 2015 Informationen an das Bundeskriminalamt gegeben. „Jeder, der solche Dateien aus dem Internet lädt, schafft einen Markt dafür und macht sich mitverantwortlich für das Leid, dem Kinder ausgesetzt werden“, ermahnte der Richter den Angeklagten, der auch 2000 Euro an Waisenkinder zahlen sowie den Abschluss seiner Therapie nachweisen muss.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Dog_and_living.tif
Augsburg

Philipp Max und Co. bringen Webshop zum Laufen

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen