1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Rheumakranke sind sauer aufs Klinikum

Augsburg

11.05.2015

Rheumakranke sind sauer aufs Klinikum

Rheuma-Befund. Symbolbild
Bild: Arno Burgi (dpa)

Betroffene und Mediziner kritisieren einen Personalengpass und lange Wartezeiten auf Termine. Ein neuer Spezialist soll ab Mitte Mai im Großkrankenhaus seinen Dienst antreten

Viele Rheumapatienten in Augsburg sind der Verzweiflung nahe. Wenn sie schwere und seltene Formen der Krankheit haben, müssen sie Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen und sich deshalb regelmäßig im Klinikum überwachen lassen. „Die Leute klagen aber, dass sie keinen Termin kriegen“, kritisiert Heidrun Mayer von der Rheuma-Liga Augsburg. Grund sei ein Personalengpass im Klinikum. Eine einzige Ärztin müsse die Station und Ambulanz in der Rheumatologie bewältigen.

Nicht nur Heidrun Mayer beklagt einen Personalengpass in der Rheumatologie. Auch eine ehemalige Leiterin des Funktionsbereichs am Klinikum, Dr. Johanna Schalm, spricht von einer besorgniserregenden Entwicklung. „Die Personalsituation wird eine Gefährdung der Versorgung der Rheumapatienten in Augsburg und der weiteren schwäbischen Umgebung zur Folge haben“, befürchtet die Medizinerin. Auch eine ordnungsgemäße Weiterbildung der Fachkollegen am Klinikum sei damit nicht mehr möglich.

Laut Schalm gibt es die personellen Engpässe in der Rheumatologie bereits seit Jahren. Ursprünglich habe es dort vier Planstellen für Ärzte gegeben, später nur noch zwei bis drei. Heute sei nur noch eine einzige Fachärztin verblieben. Diese habe inzwischen ebenfalls gekündigt.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Aus Sicht von Rheumapatienten kommt noch ein weiteres Problem hinzu: ein häufiger Personalwechsel. „Die Ärzte in der Rheumatologie kommen und gehen“, sagt Heidrun Mayer. Innerhalb weniger Jahre hätten mehrere Fachärzte in der Rheumatologie gekündigt. Ein neuer Leiter des Bereichs, der zum 1. Januar ans Klinikum kommen sollte, habe seine Bewerbung zurückgenommen. Mayer vermutet ein „Führungsproblem“ in der III. Medizinischen Klinik des Klinikums als Ursache. Medizinerin Schalm kritisiert, die Entwicklung sei seit drei Jahren bekannt gewesen, trotz vielfacher Hinweise habe die Leitung im Klinikum aber nicht erfolgreich gegengesteuert.

Offenbar enormer Bedarf an Rheumatologen in Deutschland

Am Klinikum Augsburg will man zum häufigen Personalwechsel in der Rheumatologie keine Stellung nehmen. Begründet wird das mit dem Datenschutz. Der zuständige Klinikdirektor Professor Helmut Messmann kündigt jedoch an, dass bald ein neuer Mediziner kommen wird. Privatdozent Dr. Matthias Wahle werde seinen Dienst am 15. Mai in Augsburg antreten.

Damit sei es dem Klinikum gelungen, einen exzellenten und national renommierten Rheumatologen zu holen, so Messmann. Auch externe Gutachter hätten die hohe fachliche Kompetenz Wahles bestätigt. Wahle ist derzeit stellvertretender Leiter der Sektion Rheumatologie an der Universitätsklinik in Frankfurt.

Messmann zufolge gibt es auch keine speziellen Augsburger Probleme. Aktuell gebe es in Deutschland einen enormen Bedarf an Rheumatologen. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie gehe davon aus, dass derzeit etwa doppelt so viele Rheumatologen benötigt werden wie praktizieren. Die Wartezeiten von ambulanten rheumatologischen Patienten seien nicht nur in Augsburg – sowohl am Klinikum als auch im niedergelassenen Bereich – überdurchschnittlich lang, sondern auch bundesweit, so der Professor. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie sei bemüht, diese Probleme mittelfristig zu lösen. Die Kassenärztliche Vereinigung habe durch die Schaffung eines zusätzlichen Sitzes bereits versucht zu reagieren.

Das lange Warten auf einen Termin im Klinikum ist für Rheumapatienten in Augsburg aber nicht das einzige Problem. „Zahlreiche Patienten können die verordneten Therapien nicht machen“, klagt Heidrun Mayer. Der Grund: Das Bewegungsbad im Großkrankenhaus sei seit mehreren Wochen geschlossen. Rheumapatienten hätten aber kaum Alternativen auf andere Bäder auszuweichen. Laut Mayer brauchen sie eine Wassertemperatur von 32 Grad, die nicht überall angeboten wird.

Wie lange die Zwangspause noch dauern wird, ist unklar. Das Bewegungsbad sei derzeit wegen einer technischen Revision geschlossen, heißt es im Klinikum. Es müsse noch eine hygienische Abnahme vor Inbetriebnahme erfolgen. Diese sei zeitintensiv, aber unbedingt erforderlich. Messmann zufolge gibt es kaum noch Maximalversorger, die ein solches Schwimmbad vorhalten, da sich die physiotherapeutische Therapieplanung für stationäre Patienten verändert habe. Betrieb und Technik einer solchen Anlage sind zudem sehr kostenintensiv.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Anstich_09.tif
Debatte

Warum die OB-Wahl in Augsburg unerwartet spannend wird

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden