Newsticker
Bald vier Impfstoffe in Europa? Am 11. März wird über Johnson-Impfstoff entschieden
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Ribérys "Goldsteak": Blattgold wird auch in Augsburg serviert

Augsburg

08.01.2019

Ribérys "Goldsteak": Blattgold wird auch in Augsburg serviert

Auch in der Konditorei Schenk wird mitunter mit Blattgold verziert, wie hier Gerhard Schenk zeigt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Bayern-Profi Ribéry hat mit dem Verzehr eines "Goldsteaks" Diskussionen ausgelöst. Dabei ist Blattgold in Speisen nichts Neues. Was ein Sternekoch dazu sagt.

Blattgold ist gerade in vieler Munde, wenn auch nur im übertragenen Sinn. Nachdem Franck Ribéry, Spieler des FC Bayern, öffentlichkeitswirksam ein vergoldetes Steak verspeiste, wird darüber diskutiert, wie viel Luxus erlaubt ist und wann Dekadenz beginnt. Dabei ist Blattgold in Lebensmitteln durchaus üblich. Es wird auch in Augsburg für Leckereien verwendet – wenn freilich in Maßen. Bei der Konditorei Schenk etwa verzieren die Konditoren Desserts und Pralinen gerne mit Blattgold. Als i-Tüpfelchen sozusagen. „Das sind aber nur kleine Flocken. Für den Kunden fällt das preislich kaum spürbar ins Gewicht“, sagt Roland Schenk, einer der Geschäftsführer.

Rund 50 Euro koste ein Päckchen Blattgold. „Darin befinden sich 25 Blätter, die acht mal acht Zentimeter groß sind“, erklärt er. Ein kleiner Gold-Tupfer auf der Praline mache da nur wenige Cent aus. Anders ist es bei manch besonderer Torte. „Es gibt Kunden, die bestellen Hochzeitstorten, bei denen eine ganze Etage mit Gold eingedeckt sein soll. Dafür müssen wir dann ein ganzes Packerl Blattgold verwenden“, erzählt der Mitinhaber der Traditionskonditorei. Dass Blattgold verwendet wird, sei nicht neu. „Das machen wir seit rund 20 Jahren. Nur – ein Schnitzel mit Blattgold, das ist schon sehr dekadent“, findet Schenk.

Sternekoch: "Auf ein Steak gehört nur ordentlich Butter"

Nun war das Stück Fleisch für Herrn Ribéry, das in einem Dubaier Restaurant 1200 Euro gekostet haben soll, kein simples Schnitzel, sondern angeblich ein feines Ribeye-Steak. Aber auch darauf hat Blattgold nichts verloren, sagt der bekannte Augsburger Sternekoch Christian Grünwald. Für ihn zählt dabei aber weniger das Argument etwaiger Dekadenz. Das sei jedem selbst überlassen. Vielmehr stört ihn die Tatsache, dass der Zusammenhang von Gold und Fleisch keinerlei Sinn ergibt. „Auf ein Steak gehört für mich nur ordentlich Butter“, meint Grünwald, der in der Villa Haag das Restaurant „August“ betreibt.

Sternekoch Christian Grünwald.
Bild: Anne Wall

Er selbst verwendet bei zwei Gerichten Blattgold, mehr zum Rezept oder der Zusammenstellung will er aber nicht verraten. Nur so viel: Ein Gang nennt sich „gold sweet water“, also goldenes, süßes Wasser.“ Ganz vorsichtig trägt der Sternekoch das Edelmetall auf. „Dafür elektrisiere ich einen Pinsel, damit er das Blattgold aufnehmen kann. Dann kann ich es auflegen.“ Blattgold, so Grünwald, werde seit Hunderten von Jahren als kleine Aufmerksamkeit auf kleinste kulinarische Schmuckstücke drapiert. „Wie auf Pralinen oder Macarons.“ Übrigens - Blattgold schmeckt nach gar nichts.

Verzierung mit Blattgold - bei den Kunden gut angenommen

Bei Feinkost Kahn ist Gold Vergangenheit. „Früher, in den 70er und 80er Jahren, gab es mal Goldblättchen in Suppen“, erinnert sich Hans-Peter Kahn, der das Feinkost-Restaurant in der Annastraße betreibt. „Da war auch das sogenannte Danziger Goldwasser beliebt. Aber momentan liegt das nicht mehr im Trend.“ Klaus Eber vom gleichnamigen Café am Rathausplatz hält von Blattgold als Verzierung auf Pralinen und Törtchen nichts. „Für uns ist das nicht wichtig. Es wäre auch zu großer Aufwand. Wir machen normale Verzierungen.“

Bei der Konditorei Dichtl hingegen ist Blattgold bereits seit 15 Jahren präsent. „Es fing mit einem Goldpunkt auf einer Praline an“, erzählt Marion Wiedersatz, Assistentin der Geschäftsleitung. Inzwischen würden Nikoläuse oder Osterhasen mit dem schimmernden Rohstoff überzogen. „Kunst und Schokolade sind bei uns ein großes Thema.“ Es gehe um Hingucker und um Exklusivität. Die veredelten Serien kämen bei den Kunden gut an. Daran ist nichts Verwerfliches ist auch Sternekoch Christian Grünwald der Meinung. Jeder Mensch könne das essen, was er will. „Da gibt es an anderen Stellen ganz andere Verschwendungen. Supermärkte etwa, die massenhaft Produkte wegwerfen.“

Lesen Sie hier mehr zum Thema:

Ribéry rastet im Netz aus - und muss hohe Geldstrafe an Bayern zahlen

"Schande", "Armutszeugnis": Das schreiben die Medien zu Ribéry

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren