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Jugend- und Popkulturbeauftragter

04.01.2012

Richard Goerlich wirft Posten bei der Stadt Augsburg hin

Richard Goerlich

Der Jugend- und Popkulturbeauftragte hat gestern gekündigt. Er will sich neuen Herausforderungen stellen.

Die Überraschung war gestern im städtischen Personalamt groß: Richard Goerlich reichte seine Kündigung ein – demnach ist seine Tätigkeit als Jugend- und Popkulturbeauftragter am 31. März beendet. Gegenüber unserer Zeitung gab Goerlich berufliche Gründe an, nähere Angaben wollte er nicht machen.

Dabei hatte der 41-Jährige erst im Herbst seinen damals auf drei Jahre befristeten Vertrag verlängert. Es war kein leichtes Unterfangen: Bereits im Vorfeld hatte die Stadtratsfraktion der Grünen auf eine Stellungnahme von OB Kurt Gribl gedrängt. „Es kann nicht angehen, dass die Stadtregierung ohne inhaltliches Konzept und an den Gremien vorbei eine Stelle im Stellenplan etabliert, wo sie doch sonst von Haushaltskonsolidierung und Aufgabenkritik redet und eine große Anzahl von Stellen streichen will“, argumentierten sie. Die Aussprache wurde im Oktober mit 32 zu 26 Stimmen abgelehnt.

Aber selbst Goerlich zögerte mit seiner Willensbekundung, weiter in der Funktion des Jugend- und Popkulturbeauftragten arbeiten zu wollen. Denn harsche Kritik war dem Popkulturbeauftragten nicht neu. Bereits bei seiner Neueinstellung 2008 waren SPD und Grüne auf die Barrikaden gegangen, hatten den Posten als reine Geldverschwendung bezeichnet und Gribl und Grab ins Kreuzfeuer genommen. Der OB und sein Kulturreferent wollten den Posten unbedingt; sie setzten sich am Ende durch.

Richard Goerlich wirft Posten bei der Stadt Augsburg hin

Goerlichs Bilanz kann sich sehen lassen: Für sein Projekt „Unsere Show“ erhielt er den Bayerischen Rockpreis „PickUp“ von Kunstminister Wolfgang Heubisch. Die Betreuung der Augsburger Kreativwirtschaft sowie die legaler Graffiti-Aktionen waren weitere Projekte. „Ich glaube, dass die Stadt durch die Stelle des Popkulturbeauftragten wichtige Impulse für einen modernen Umgang mit den Themen Jugendkultur, Popkultur und Kreativwirtschaft bekommen hat“, sagt Goerlich. Er hofft, „dass sie im Sinne der kreativen Szene Augsburgs fortgeführt wird“.

Kulturreferent Grab hatte zuletzt große Pläne mit Goerlich. Im Rahmen einer Umstrukturierung des Kulturamts wollte er ihn als einen von vier Festival-Büroleitern installieren. Auch mit der Neukonzeption des Festivals „City of Peace“ hatte Grab ihn beauftragt. Für beides steht Goerlich nun nicht mehr zur Verfügung.

Insider vermuten, der Kulturreferent selbst und die Querelen um Goerlichs Posten könnten Gründe für die plötzliche Kündigung gewesen sein. In einem AZ-Interview wies Goerlich diese Spekulationen aber entschieden zurück.

Von allen Fraktionen gab es großes Lob

Zuletzt hatte er auch Lob aus allen Fraktionen erhalten: Goerlich hatte die Aufgabe des Gesamtleiters für das Festival-Programm „City of Peace“ der Frauenfußball-WM 2011 übernommen und landete damit einen Erfolg. Über 145000 Menschen besuchten die Veranstaltungen. Goerlich selbst sagte: „Ich wollte nicht die Grenzen zwischen Hoch- und Popkultur verwischen, sondern vielen Menschen einen Zugang zu dem kulturellen Programm verschaffen und für interkulturelle Öffnung sorgen.“

Nach Willen Grabs und Gribls sollte es mit dem Festival weitergehen. Der OB hob dessen Publikumserfolg hervor und äußerte sich wohlwollend über Goerlichs Leistung. Goerlich dankte wiederum Gribl und Grab, die aufgrund seiner Personalie viel Gegenwind hätten aushalten müssen. Für weitere Auskünfte war gestern keiner der Betroffenen zu erreichen. Sie befinden sich im Urlaub.

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