Konzert

04.12.2013

Riesenleistung

Oratorienchor mit Händels „Judas“

Die Aufführung des Oratoriums „Judas Maccabaeus“ von Georg Friedrich Händel in ev. St. Ulrich mit dem Schwäbischen Oratorienchor war ein 135-minütiger Kraftakt. Alle Ausführenden blieben mit bewundernswerter Hingabe bis zum Schluss am Ball. Das allein verdiente schon den Stehapplaus zum Schluss – abgesehen vom hohen Niveau der Darbietung.

Verglichen mit der gewohnten Spielstätte Herz Jesu herrscht in St. Ulrich Wohnzimmerakustik. Das ist gut, weil so Details hörbar werden, andererseits auch Unebenheiten. Die Instrumentalisten des Bayerischen Staatsorchesters zeigten sich – schlank und federnd spielend – anfangs ungewohnt blässlich, mitunter nicht ganz intonationssicher. Einzigartige Momente wie die Arie „O Liberty“ für Sopran und Cello wären mit mehr Plastizität intensiver gelungen. Dagegen ließ die Alt-Arie „So rapid thy course is“ auch im Streicher-Unisono aufhorchen.

Genug der Kritik – die Bewältigung des Oratoriums verdiente Respekt, besonders für Dirigent Stefan Wolitz und für die Solisten. Die Da-capo-Arien sind mit ihren Koloratur-Ketten enorm schwierig. Bravourös gemeistert wurden sie von allen vieren. Priska Eser entfaltete ihren Sopran zu betörend heller Leuchtkraft. Ein Luxus-Timbre hat Stefanie Irányi. Dabei ist ihr dunkler, lyrisch-voller Mezzo bemerkenswert Koloratur-fähig, die Rezitative waren herausragend dramatisch, Irányis Part rundum ein Genuss. Gleiches galt für die Duette mit Sopran und die tiefe Stimme: Als Hohepriester Simon betörte Bassist Benjamin Appl in den Arien mit seiner Stimmkunst. Der lyrisch-helle Alfredo-Tenor Attilio Glaser in der Hauptrolle des Judas begeisterte mit Feinheiten und seiner Bravour in den horrend schweren Arien.

Vieles erinnert an Händels Opern. Die Dramatik eines Bach hat das Oratorium nicht. Es ist eine Herausforderung, die oft stereotype Abfolge aus Chor, Rezitativ und Arie sowie die dahinschleppenden Texte nicht eintönig werden zu lassen. Auch der hervorragend vorbereitete Schwäbische Oratorienchor beeindruckte mit schöner Leistung, auch wenn die Soprane in den Höhen Schärfen zeigten. Insgesamt eine Riesenleistung.

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