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Augsburg

01.10.2020

Rockerprozess um blutigen Streit: Wie gefährlich ist die Szene?

Mitglieder der United Tribuns aus Augsburg sollen in einen blutigen Streit im Nachtleben verwickelt gewesen sein. Die Polizei hat die Szene im Blick.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Mitglieder der United Tribuns stehen im Fokus der Augsburger Justiz. Die Polizei warnt, Rockergruppen pauschal zu kriminalisieren, hat aber eine neue Entwicklung im Blick.

Die beiden Männer sind markante Erscheinungen. Sie werden aus dem Gefängnis in den Augsburger Gerichtssaal gebracht, beide sitzen derzeit Haftstrafen ab. Einer ist groß und muskulös, er ist der aktuelle oder frühere "Präsident" der Rockergruppe United Tribuns in Augsburg. Der andere, ebenfalls ein Tribune, ist kleiner, dafür in der Statur noch einmal breiter, ein Mann mit Tattoos an Hals und Kopf. Sie sollen hier im Prozess aussagen - als Zeugen; es geht um einen Vorfall im April 2019. Es ist ein kompliziertes Verfahren. Was passierte genau bei einer blutigen Messerattacke im Augsburger Nachtleben? Welche Rolle spielten Mitglieder der Gruppierung konkret?

Die Szene spielte sich zum Prozessbeginn vergangene Woche ab, die beiden Männer wurden zunächst allerdings nicht als Zeugen angehört, da das Gericht ihre Befragung auf einen anderen Prozesstag schob. Nun dürfte es noch etwas dauern, ehe der Fall, bei dem ein Afghane vor dem Klub Karat in der Augsburger Theaterstraße von einem Mann mit einem Messer schwer verletzt wurde, juristisch geklärt wird. Der Prozess ist geplatzt, da die Vorsitzende des Schöffengerichts erkrankt ist, neue Termine stehen noch nicht fest. Das Verfahren rückt dennoch die Rockerszene in den Fokus, die in Augsburg eigentlich als vergleichsweise unauffällig und harmlos gilt. So erklärten Ermittler für organisierte Kriminalität gegenüber unserer Redaktion in der Vergangenheit, die Mitglieder der hiesigen Klubs gingen „freundschaftlich miteinander um und respektierten sich", man dürfe sie nicht pauschal kriminalisieren.

Anklage gegen United Tribuns: Prozess in Augsburg um Rocker platzt

Es ist eine Einschätzung, die die Polizei nun auf Anfrage wiederholt, auch wenn es zuletzt neue Entwicklungen gab. Gemeint sind ohnehin nur solche Klubs, die als sogenannte Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) gelten, als polizeilich relevante Rockergruppierungen also – im Gegensatz zu vielen normalen Motorradklubs, die es in Augsburg auch gibt. Zu den OMCG gehören etwa die Hells Angels, die Bandidos und die Outlaws sowie ihre Unterstützergruppen.

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In Augsburg war die Situation vor zehn Jahren einmal kritisch, als die Polizei mit einem größeren Aufgebot in der Maximilianstraße erschien, um Anhänger der Hells Angels und des in Augsburg lange präsenten Klubs Outlaws MC zu trennen.

Eine größere Tätigkeit von Hells Angels und Bandidos, deren Mitglieder bundesweit immer wieder durch Kriminalität auffallen, gab es in den vergangenen Jahren in Augsburg nicht, was sich nun allerdings offenbar geändert hat. Nach Erkenntnissen der Polizei trat der Klub der Augsburger Outlaws MC im Juli aus der Outlaws Nation aus und wechselte unter gleicher Führung zur Rockergruppierung der Bandidos. Auf deren Homepage wird die Augsburger Gruppierung als "Prospect Chapter" geführt, was sich als Anwärterstatus auf eine vollwertige Mitgliedschaft übersetzen lässt. "Die weiteren Entwicklungen werden durch die Augsburger Polizei genau beobachtet", heißt es dazu von den Ermittlern.

Seit Kurzem gibt es in Augsburg ein "Bandidos"-Chapter.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Tribuns in Augsburg: Ein blutiger Streit und Drogengeschäfte

Und dann sind da noch die United Tribuns, die zuletzt durchaus im Fokus der Justiz standen. Sie werden größtenteils als rockerähnliche Gruppierung eingestuft, bei der etwa das Motorradfahren keine ganz so große Rolle spielt wie bei klassischen Rockergruppen. "Einige Chapter bezeichnen sich jedoch auch als OMCG, so auch das Augsburger Chapter", heißt es von der Polizei. Tribuns waren nicht nur mutmaßlich in die blutige Auseinandersetzung im Augsburger Nachtleben verwickelt, die zwei als Zeugen geführten Mitglieder sitzen derzeit auch wegen missglückter Drogengeschäfte im Gefängnis. Eine Reihe von Mitgliedern kommt offenbar aus der Türsteherszene. In Augsburg galten sie bis dahin als unauffällig, was für andere Ortsgruppen nicht gilt. Die Vereinigung wird etwa im aktuellen bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt, es geht darin auch um kriminelle Machenschaften im Drogen- und Rotlichtmilieu in Ingolstadt und Ulm.

Die Polizei fährt in Augsburg einen strikten Kurs in Sachen Rockergruppierungen, wie sich in der Vergangenheit zeigte, als die Beamten den Rockern der Hells Angels spürbar auf die Füße stiegen, als sie in Augsburg Fuß fassen wollte. Die Ermittler für organisierte Kriminalität betonen dennoch, dass im Zuständigkeitsbereich des Augsburger Polizeipräsidiums keine "nennenswerten Probleme mit Motorrad- oder Rockerklubs bestehen".

Das gelte auch für jene, die sich als sogenannte Einprozenter betrachten – als Rocker, die sich außerhalb staatlicher Gesetze sehen. Für die allermeisten, so die Polizei, sei die Freude am Motorradfahren, der Zusammenhalt im Klub und das besondere Lebensgefühl als „Rocker“ der Grund für die Mitgliedschaft in einem Motorradklub.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Rocker-Szene in Augsburg ist relativ ruhig – und das ist ein Segen

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