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Augsburger Geschichte

12.02.2020

Rudolf Diesel war nur ein halber Augsburger

Rudolf Diesels Porträt auf einem Felsen im Dieselhain, ein Geschenk aus Japan.
Bild: Häußler

Plus Der 17. Februar 1897 gilt als Geburtstag des Dieselmotors. Millionen Motoren tragen den Namen des Erfinders, der ein halber Augsburger war.

Ein Auto mit Dieselmotor wurde mal wegen Qualm und spezieller Gerüche aus dem Auspuff naserümpfend als „Stinker“ bezeichnet. Jetzt steht der Dieselmotor wegen Abgas-Reinigungssystemen im kritischen Blick. Die Problematik mit schädlichen Emissionen beschränkt sich nicht auf Autos. Dieselmotoren gibt es auch als 250-Tonnen-Riesen. Sie treiben Schiffe und Stromgeneratoren in Kraftwerken an. Zu Lande und auf dem Wasser sind sie „Dienstleister“. Wie viele Millionen dieser „Explosionsmotoren“ weltweit in Betrieb sind, ist nicht mal schätzbar.

„Diesel“ ist im Alltag an Tankstellen präsent. Es ist der Kraftstoff für diesen Motor. Im Internet werden beim Suchwort „Diesel“ 1,7 Milliarden Treffer angezeigt. Ein geringer Anteil entfällt auf den Jeans-Hersteller und andere Träger dieses Namens. Der Dieselmotor, der Kraftstoff und damit zusammenhängende Begriffe führen zu der hohen Trefferzahl. Grenzt man die Suche auf „Rudolf Diesel“ ein, bleiben noch elf Millionen Treffer. Bei „Rudolf Diesel Augsburg“ heißt es: „370.000 Ergebnisse“.

Gedenktafel im Springergäßchen

Darin enthalten sind zuhauf Biografien von Rudolf Diesel und Veröffentlichungen über ihn. Sie zeigen, wie Rudolf Diesel und sein Motor mit Augsburg identifiziert werden. Augsburgspezifisch ist das Diesel-Gymnasium, der 1957 eingeweihte Dieselhain, die 1953 angebrachte Gedenktafel im Springergässchen, die Dieselbrücke, das MAN-Museum (dort zählt ein Versuchsmotor zu den Exponaten). „MAN Energy Solutions“ ist das Nachfolgeunternehmen der „Maschinenfabrik Augsburg“, in der der erste Dieselmotor zündete. Dort entstehen jährlich noch rund 150 Großdiesel.

Seit 1957 erzählt diese in Japan eindrucksvoll gestaltete Metalltafel im Dieselhain im Wittelsbacherpark die Erfolgsstory des Dieselmotors.
Bild: Häußler

Der Motor steht im Blickfeld. Dass sein Erfinder Rudolf Diesel ein halber Augsburger war, scheint in Biografien auf. Rudolf Diesel kam zwar in Paris zur Welt, doch sein Vater war Augsburger, seine Mutter in Nürnberg geboren. Die Urahnen von Rudolf Diesel waren 1726 in Schwaben sesshaft geworden. 1752 erhielten sie in Memmingen das Bürgerrecht. Der Buchbinder Johann Christoph Diesel übersiedelte 1828 nach Augsburg und heiratete eine Augsburgerin. Am 12. Juni 1830 kam Sohn Theodor zur Welt. Auch er wurde Buchbinder. Im Alter von 20 Jahren zog es ihn nach Paris, 25-jährig heiratete Theodor Diesel die aus Nürnberg stammende Elise Strobel. Das Paar betrieb in Paris eine Werkstatt für Saffian-Lederwaren.

Rudolf Diesel studierte am Polytechnikum in München

Am 18. März 1858 wurde ihr Sohn „Rodolphe Chrétien Charles“ geboren. So lautet der Taufeintrag. Er hatte zwei Schwestern. Kurz nach Beginn des Deutsch-Französischen Krieges musste die fünfköpfige deutsche Familie im September 1870 Frankreich verlassen und nach London übersiedeln. Der 12-jährige Rudolf wurde Anfang November 1870 allein zu Verwandten in Augsburg geschickt. Sie sorgten für seine Schulbildung. Rudolf Diesel schloss die Augsburger Gewerbeschule als Bester ab und besuchte ab 1. Oktober 1873 die Industrieschule. Am Polytechnikum in München studierte er Maschinenbau. 1880 legte er das beste Examen seit Bestehen der Studienanstalt ab. Sein Lehrer Carl Linde engagierte ihn sofort. 1881 war der 23-jährige Rudolf Diesel Direktor von Lindes Eisfabrik in Paris.

1892 ließ er den Erfindungsgedanken „Arbeitsverfahren und Ausführungsart für Verbrennungs-Kraftmaschinen“ patentieren. Das war lediglich eine Idee für einen „Wärmemotor“. Die Krupp AG in Essen ermöglichte in Zusammenarbeit mit der Maschinenfabrik Augsburg (MAN) den Bau einer Versuchsmaschine in Augsburg. MAN-Direktor Heinrich von Buz unterzeichnete am 21. Februar 1893 den Vertrag. Am 10. August 1893 erfolgte die erste Zündung eines Versuchsmotors. Ein Jahr später, am 17. Februar 1894, lief ein einzylindriger Motor eine Minute im Leerlauf. Ende 1895 hielt ein mit Petroleum betriebener Motor 17 Tage Dauerbetrieb durch. Als offizieller Geburtstag des „Diesel“-Motors gilt der 17. Februar 1897. Es war der Tag der Abnahme eines etwa 20 PS leistenden Motors. Er ging als erster gebrauchsfähiger „Diesel“ in die Geschichte ein.

Die Maschinenfabrik Augsburg im Jahre 1897. Der 17. Februar 1897 gilt als offizieller „Geburtstag“ des Dieselmotors.
Bild: Häußler

Diesel-Motor: Misserfolge im praktischen Betrieb

Die Begeisterung für den neuen Motor ebbte nach Misserfolgen im Praxisbetrieb ab. Erst als 1901 der kreuzkopflose Viertaktmotor entwickelt war, kam wieder Vertrauen in die Neuentwicklung. Danach beflügelte die Wirtschaftlichkeit den weltweiten Siegeszug für den „Diesel-Motor“. Davon profitierte der Erfinder Rudolf Diesel nur in relativ bescheidenem Maße.

1913 war sein Vermögen zerflossen. Am Abend des 29. September 1913 ging Rudolf Diesel in Antwerpen an Bord des Dampfers „Dresden“ mit dem Ziel Harwich in England. Bei der Ankunft am Morgen war seine Kabine leer. Seine Leiche wurde 12 Tage später von einem Lotsenboot gesichtet.

Die Besatzung, der das Verschwinden von Diesel nicht bekannt war, barg aus den Taschen des Anzugs eine Pastillendose, ein Taschenmesser sowie ein Brillenetui und übergab die Leiche wieder dem Meer. Sie wurde nie mehr gesichtet. Anhand der Gegenstände konnte die Identität von Rudolf Diesel festgestellt werden. „Zweifellos hat er sich in einem Anfall tiefster Schwermut ins Meer gestürzt“, schrieb ein Enkel zum 40. Todestag von Rudolf Diesel.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums finden Sie hier.

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