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19.06.2009

"Schandfleck" frisst halbe Million

Für viele Augsburger ist es ein Schandfleck mitten auf der historischen Prachtmeile: das Gerüst an der Ulrichschule in der Maxstraße. Weil sich die Sanierung des Gebäudes schon seit Jahren verzögert, ist es zum Dauerzustand geworden.

So schnell ist kein Ende in Sicht: Denn die Fassaden-Renovierung klappt nicht wie von OB Kurt Gribl angekündigt in diesem Frühjahr. Untersuchungen haben in den letzten Monaten ergeben, dass die Schäden größer sind als angenommen: Der Oberputz bröckele, aber auch die darunter liegende Schicht löse sich ab, erklärt Günther Billenstein, Leiter des städtischen Hochbauamtes. Die geplante Oberflächensanierung reicht nicht aus, der gesamte Putz muss abgetragen werden. Kostenpunkt: 465 000 statt der bisher kalkulierten 80 000 Euro.

Gearbeitet werden kann erst, wenn die Mittel zur Verfügung stehen. Ein erster Teil (230 000 Euro) wurde laut Billenstein in den Entwurf des ersten Nachtragshaushalts aufgenommen, über den der Stadtrat erst noch abstimmen muss.

Architekt Volker Schafitel wirft der Stadt vor, den Schandfleck jahrelang geduldet zu haben. Vor vier Jahren hatte die Stadt - damals unter OB Paul Wengert ( SPD) - ein Gerüst mit Planen an dem Jugendstilbau angebracht. Passanten sollten so vor herabfallenden Fassadenteilen geschützt werden. Anwohner klagten über ekelerregende Zustände an den Wochenenden: Urinlachen und Unrat sammelten sich unter dem Gerüst. OB Gribl nahm den Fall in sein 100-Punkte-Programm auf. Das Schutzgerüst kam weg, ein Arbeitsgerüst Ende 2008 hin.

"Schandfleck" frisst halbe Million

Problem hin- und hergeschoben

Passiert sei seitdem nichts, kritisiert Schafitel. Die Kosten für das Gerüst hätten sich inzwischen auf 60 000 Euro summiert - annähernd der Betrag, der für die Instandsetzung angesetzt war. "Die Stadt schiebt das Problem hin und her, und die Menschen müssen damit leben", sagt er.

Eine davon ist Burgit Geissler, Leiterin der Ulrichschule. Seit vier Jahren Gerüst, dazu ein Bauzaun, der den Innenhof der Förderschule um zwei Meter beschneidet. In den Klassenräumen sei es finster, im Sommer stickig. Nach wie vor liege am Wochenende Unrat unter dem Gerüst. "Äußerlich geben wir kein gutes Bild ab, auch wenn wir im Inneren gut arbeiten", sagt die Rektorin. Sie fürchtet um das Ansehen ihrer Schule und glaubt, Kinder an andere Einrichtungen zu verlieren.

Pläne für Hotel vom Tisch

"Wir warten darauf, dass es endlich mal losgeht", sagt Geissler. Immer wieder sei die Schule von der Stadt vertröstet worden. Die Sanierung habe sich "über die Stadtregierungen verschleppt". Für weitere Unsicherheit sorgten Pläne, das Gebäude in ein First-Class-Hotel umzufunktionieren und die Förderschule neben die Agnes-Bernauer-Realschule zu versetzen. Die Gespräche mit den Hotel-Investoren seien nun vom Tisch, erklärte Billenstein gestern. Bildungsreferent Hermann Köhler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Wir wüssten einfach gerne Bescheid, wie es weitergeht", sagt die Schulleiterin dazu. Schließlich gehe es nicht nur um die 145 Kinder des Förderzentrums, auch 300 Schüler des benachbarten Holbein-Gymnasiums nutzen das Gebäude. "Wir sind jetzt müde", sagt Geissler.

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