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Prozess in Augsburg

05.05.2010

Schifferer soll 12.000 Euro pro Woche verdient haben

Arthur Schifferer.

Augsburgs "Parkplatz-Sheriff" Arthur Schifferer soll mit seinen Methoden bis zu 12.000 Euro in der Woche kassiert haben. Dafür fordert der Staatsanwalt fünfeinhalb Jahre Haft. Schifferer brauchte für seine letzten Worte vor Gericht 45 Minuten. Von Stefan Krog

Für sein letztes Wort nahm sich "Parkplatz-Sheriff" Arthur Schifferer eine Dreiviertelstunde Zeit: Auf gelben Blättern hatte er handschriftlich Anmerkungen zu den vergangenen 18 Verhandlungstagen im Prozess gegen ihn notiert. "Es tut mir für die Betroffenen leid, wenn diese sich bedroht gefühlt haben", so Schifferer.

Ansonsten gab er sich unschuldig: Er sei von Anwälten falsch beraten worden und die Polizei habe seinem Tun monatelang zugeschaut. "Ich begehe keine Verbrechen, wenn mir die Polizei ständig über die Schulter schaut." Für den 30-Jährigen geht es um viel: Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe, wie gestern klar wurde.

Staatsanwalt Franz Wörz forderte fünfeinhalb Jahre Haft für Schifferer wegen Erpressung und Nötigung. Schifferer hat zudem eine zweijährige Bewährungsstrafe offen, die im Fall einer Verurteilung obendrauf käme. Schifferer wird in der Anklage vorgeworfen, Falschparker und vermeintliche Falschparker am Ärztehaus hinter der City-Galerie systematisch bedrängt und abgezockt zu haben. Sie durften laut Anklage nur dann wieder fahren, wenn sie auf der Stelle bezahlten (meist 100 Euro). Bis dahin wurde das Auto mit einem sogenannten "Rangierroller", der unter ein Rad geklemmt wurde, festgesetzt. Nach Schätzungen der Polizei soll Schifferer zeitweise 12 000 Euro pro Woche eingenommen haben.

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Die Vorwürfe aus der Anklage sah die Staatsanwaltschaft bestätigt. "Es ging einzig ums Abkassieren", so Wörz. Statt Autofahrer, die teils im Auto saßen, auf ihr Tun aufmerksam zu machen, habe sich ein Mitarbeiter Schifferers von hinten angeschlichen und einen Rangierroller unters Rad geklemmt. Schifferer, so hieß es im Plädoyer, habe vor Gericht "selbstherrlich und unbelehrbar" agiert. Eine frühzeitige Warnung der Staatsanwaltschaft im vergangenen März habe er unbeachtet gelassen. Stattdessen plante Schifferer wohl, seine Aktivitäten auszuweiten und eine Briefkastenfirma in Liechtenstein zu gründen.

Schifferers Verteidiger Gerald Pöschl und Markus Krenek plädierten auf Freispruch. Ihr Mandant habe in zivilrechtlicher Hinsicht einen Anspruch gegen die Falschparker gehabt und diesen durchsetzen müssen. Letztlich seien die Falschparker diejenigen gewesen, die eine Nötigung begehen. "Über diese Frage wurde ja in den Leserbriefen der Zeitung kontrovers diskutiert", so Pöschl. Auch das unglückliche Agieren von Polizisten, die Falschparkern in mehreren Fällen wohl zu einer Zahlung rieten (wir berichteten), führt die Verteidigung an.

Für einen mit angeklagten früheren Beschäftigten Schifferers fordert die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung, die Verteidigung (Marco Müller und Klaus Rödl) will eine Geldstrafe.

Das Urteil wird am Montag um 13.30 Uhr verkündet. Stefan Krog

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