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Augsburg

25.10.2020

Schimpansen könnten den Zoo in Augsburg verlassen

Im Augsburger Zoo gibt es noch keine Lösung, wie es mit den Schimpansen weitergehen soll.
Bild: Bernd Hohlen (Archivbild)

Plus Dem Augsburger Zoo liegt ein neues Angebot vor, die Menschenaffen nach Großbritannien abzugeben. Aber ist das die richtige Lösung?

Der Augsburger Zoo steckt wegen seiner Schimpansen Coco, Akemo und Nicky in der Zwickmühle. Das Gehege der Menschenaffen muss bis Ende 2021 modernisiert werden, um den Tierschutz zu verbessern. Für den dringend nötigen Umbau fehlt das Geld. Nun gäbe es die Möglichkeit, die drei Augsburger Schimpansen in einer Auffangeinrichtung für Primaten in Großbritannien aufzunehmen.

Das neue Angebot an den städtischen Zoo kommt von Tierrechte-Aktivist Colin Goldner, einem Vertreter des Great-Ape-Projects in Deutschland. Der klinische Psychologe aus Landau an der Isar arbeitet nach eigenen Angaben mit Menschenaffen in der Freilandforschung und hat Verbindungen zu einer Auffangeinrichtung für Primaten in Südengland - dem Wales Ape & Monkey Sanctuary. Goldner sagt, dort gebe es sehr gute Bedingungen, um die Augsburger Menschenaffen aufzunehmen. Das Klima am Golfstrom sei günstig, eine größere Zahl von Schimpansen sei vorhanden. Die Mitarbeiter hätten auch Erfahrung mit der Integration von problematischen Tieren.

Tierrechtler kritisiert Schimpansen-Haltung im Augsburger Zoo

Goldner sieht in Augsburg keine Zukunft für Coco, Akemo und Nicky. Der Tierrechtler kritisiert: "Der Augsburger Zoo hat eine der schlechtesten Schimpansenhaltungen in Deutschland." Das Jahrzehnte alte Affenhaus sei zu dunkel, habe extrem beengte Räumlichkeiten und sei damit indiskutabel. Auch mit den geplanten Nachbesserungen lasse sich das Gehege nicht in einen akzeptablen Zustand bringen, der den aktuell geltenden Tierschutzauflagen gerecht werde. "Aus primatologischer und tierethischer Sicht müssen die Schimpansen aus Augsburg weg", sagt er.

Ob eine Abgabe der Tiere nach England tatsächlich möglich wäre, ist derzeit unklar. Zoodirektorin Barbara Jantschke ist skeptisch. Sie sagt, sie kenne die dortige Auffangeinrichtung noch nicht. "Ich würde sie gerne ansehen." Frühere Anfragen des Zoos in anderen Auffangstationen in den Niederlanden und in Österreich hätten ergeben, dass die Lebensbedingungen für Coco, Akemo und Nicky dort schlechter wären als in Augsburg. Die Direktorin sagt weiter, dass sie die Augsburger Schimpansen nur mit Zustimmung der Verantwortlichen im Zuchtprogramm europäischer Zoos abgeben könne. Sie habe mit dem zuständigen Koordinator für Schimpansen Kontakt aufgenommen, um sich zu beraten. Eine Entscheidung gebe es noch noch nicht. Jantschke sagt aber auch, sie versuche seit vielen Jahren die Schimpansen abzugeben, weil sie für die Haltung in Augsburg keine Zukunft sehe. Ein modernes Schimpansenhaus, das wirklich alle Auflagen erfüllt, würde nach ihren Angaben rund 20 Millionen Euro kosten und wäre damit praktisch unbezahlbar.

Wegen des Brexits müsste es schnell gehen

Offenbar müsste aber bald ein Votum fallen, wenn es mit Großbritannien klappen soll. Goldner sagt, der Transport der Schimpansen müsse noch vor Jahresende erfolgen. Mit dem Brexit sei zu befürchten, dass es Probleme mit dem Export von Wildtieren aus der Europäischen Union ins Vereinigte Königreich geben werde.

Wegen der Corona-Krise bekommen die Tiere im Augsburger Zoo aktuell keinen Besuch. Umso neugieriger haben manche von ihnen auf unseren Fotografen reagiert ...
23 Bilder
Corona-Krise: Ein besonderer Rundgang durch den Augsburger Zoo
Bild: Ulrich Wagner

Bei der städtischen Veterinärbehörde pocht man auf eine Modernisierung der Schimpansenanlage und hat eine Frist bis Ende 2021 gesetzt. Die Corona-Pandemie machte dem Zoo jedoch einen Strich durch die Umbaupläne. Es werden weniger Eintrittskarten verkauft als geplant. Damit fehlt das Geld für Investitionen. Auch mit dem erhofften Zuschuss von der Stadt sieht es schlecht aus. Finanzreferent Roland Barth sagte im Finanzausschuss, die fürs Schimpansenhaus nötigen 500.000 Euro seien aktuell nicht zu stemmen. Wegen der Corona-Pandemie fehlen der Stadt Einnahmen, gleichzeitig muss sie viele andere wichtige Projekte finanzieren.

Was passiert, wenn das Schimpansenhaus im Zoo nicht bis zur behördlich gesetzten Frist Ende 2021 modernisiert werden kann? Auch das ist derzeit noch unklar. Die Direktorin vermutet, dass dann die Betriebserlaubnis erlöschen könnte. Diesen Ernstfall hatte es im Zoo schon mal 2002 gegeben.

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25.10.2020

Die Direktorin des Augsburger Zoos sagt, sie könne die Schimpansen nur mit Zustimmung der Verantwortlichen im Zuchtprogramm europäischer Zoos abgeben.
Das stimmt so nicht. Bei dem zitierten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) handelt es sich um eine innerhalb des Zoodachverbandes (EAZA) eingerichtete und von niemandem außerhalb autorisierte oder mandatierte Vermittlungsagentur von Zootieren (in erster Linie zu „Zuchtzwecken“). Das EEP könnte allenfalls beratend oder empfehlend auftreten, eine rechtlich bindende Entscheidungsbefugnis über Verbleib oder Transfer der Augsburger Schimpansen kommt ihm nicht zu. Insofern braucht der Zoo Augsburg nicht auf eine „Zustimmung“ der Zuchtverantwortlichen zu warten; zumal diese (m.W. ansässig im Zoo Kopenhagen) bislang mit keiner Empfehlung für irgendeinen anderen Abgabeort weltweit dienen konnte (ganz abgesehen davon, dass mit den drei Augsburger Schimpansen nicht „gezüchtet“ werden kann). Die rechtsbindende Entscheidung, die drei Schimpansen abzugeben und den Ort ihrer Verbringung zu bestimmen, liegt ausschließlich beim Zoo bzw. bei der Stadt Augsburg als Trägerin des Zoos (und damit Halterin/ Eigentümerin der Tiere). Das EEP ist insofern irrelevant.

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