26.11.2012

Schlacht der Dichter

Kültürtage enden mit einem Poetry Slam

Pflicht, Kür, Freestyle: ein Poetry Slam ist die Wettkampfform für Dichter. Die Künstler treten in drei Kategorien gegeneinander an, Sieger wird der mit dem lautesten Applaus. Mit einer solchen Veranstaltung trafen die Kültürtage an ihrem letzten Programmtag den Nerv der jüngeren Generation. Beim Poetry Slam „Die anderen“ herrschte im Café Neruda so viel Andrang, dass viele Zuhörer den Wettstreit der Künstler von draußen verfolgen mussten.

Es war ein Sonder-Slam, den sich Slam-Master Horst Thieme und die Macher der Kültürtage um Fikret Yakaboylu und Sylvia Brecheler ausgedacht hatten. Die Kombattanten Christian Weiblen, Sarah Maria Nordt, Fabio Esposito und Michael Friedrichs hatten Texte aus dem nichtdeutschen Sprachraum (Pflicht) und aus dem eigenen Repertoire zum Kültürtage-Motto „Die anderen“ (Kür) vorzutragen.

Deutsche Antragswut und italienische Lässigkeit

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Sarah Maria Nordt hatte mit ihrem spritzigen Gedicht über Superman, Selbstbestimmung und Einmischung der anderen in das eigene Leben keine Mühe, ihr Publikum bei der Stange zu halten. Mit überraschender Expressivität deklamierte die 15-Jährige ihre Gedanken zu gesellschaftlichen Konventionen. Auf ihre rapartige Performance folgte Christian Weiblen: ruhig, mit Schal, heiserer Stimme und einer Kurzgeschichte über Anders aus Norwegen. Für Anders waren andere immer anders, weil nur er gleich war. Weiblens Performance und sein steter Kontakt zum Publikum vermittelten die Zerrissenheit seiner Figur. Seinem Mitstreiter Fabio Esposito kam im Vortrag die Schauspielerausbildung zupass. Gekonnt spielte er den italienischen Gastarbeiter, der über deutsche Antragswut und italienische Lässigkeit philosophiert. Inhaltlich blieb Esposito jedoch lediglich amüsant, an die Tiefe der anderen reichte er nicht heran. Dem Publikum gefiel’s, es klatschte ihn und Weiblen ins Finale – und Letzteren zum Sieger.

Nach sechs Programmwochen zieht der Kültürverein eine positive Bilanz. „Wir hatten bei jeder Veranstaltung etwa 200 Zuschauer und damit viel mehr Publikum als letztes Jahr. ‚Döner mit Sauerkraut‘ mussten wir sogar zweimal aufführen“, resümiert Fikret Yakaboylu. Er verspricht, das Augsburger Kulturleben auch im nächsten Jahr kräftig aufzumischen und kündigte bereits die Kültürtage 2013 an.

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