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Augsburg

01.03.2019

Schlag gegen internationale Bande: Zwei Männer in U-Haft

Die Polizei hat in der Region Augsburg eine Großrazzia gegen mutmaßliche Mitglieder einer Betrüger-Bande durchgeführt.
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Die Polizei hat in der Region Augsburg eine Großrazzia gegen mutmaßliche Mitglieder einer Betrüger-Bande durchgeführt.
Bild: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Zwei Männer aus der Region sitzen im Gefängnis, weil sie als Teil einer Bande offenbar Teil eines Betrugssystems waren. Die Hintermänner allerdings sollen woanders sitzen.

Am Mittwoch durchsuchten Polizisten diverse Gebäude im Augsburger Raum. Sie waren auf der Suche nach Beweisen. Die Beamten beschlagnahmten Dokumente und Handys, und sie nahmen zwei junge Männer fest, die später in U-Haft kamen. Es ist ein großes Ermittlungsverfahren, das sich gegen eine ganze Reihe von Verdächtigen richtet. Und es dreht sich um eine kriminelle Masche, die in der Region von Betrügern bislang eher selten verwendet wurde.

Konkret sollen sich Kriminelle als Bankmitarbeiter ausgegeben und Kunden um viel Geld gebracht haben. Nach Erkenntnissen der Polizei gingen die Täter dabei folgendermaßen vor: Sie riefen Bankkunden unter einer gefälschten Telefonnummer an und behaupteten, man müsse „Kontodaten abgleichen“. Zum Beispiel, weil sich eine EU-Datenschutzrichtlinie geändert habe oder weil man neue EC- oder Kreditkarten ausstellen wolle. Hatten die falschen Bankmitarbeiter einmal die Daten der Kunden, wandten sie sich an deren tatsächlichen Bankfilialen, wiederum mit einer manipulierter Nummer.

Betrug in Augsburg: So gingen die Täter vor

Angezeigt wurden den echten Bankmitarbeitern auf ihren Telefonen offenbar die tatsächlichen Rufnummern der jeweiligen Kunden; was dazu beigetragen haben dürfte, dass der Betrug teils klappte. Denn die Kriminellen sollen sich am Telefon als „ausgespähte Opfer“ ausgegeben und die Bankmitarbeiter so zu Überweisungen auf weitere Konten veranlasst haben, berichtet die Polizei. Meist ging es um Beträge zwischen 1000 und 5000 Euro. Insgesamt summierten sich die so erbeuteten Beträge der Bande seit Juli 2018 auf etwa 170 000 Euro. Im Fall von weiteren 150 000 Euro konnte das Geld zurückgebucht werden oder wurde nach Hinweisen der Polizei offenbar gar nicht erst überwiesen.

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Aktuell werden durch die Staatsanwaltschaft Augsburg rund 150 Fälle wegen Überweisungsbetrugs oder Geldwäsche gegen die Gruppierung geprüft, heißt es von der Polizei, bei der die Dienststelle für Organisierte Kriminalität in dem Fall ermittelt. Bei den Beschuldigten, darunter sechs Frauen, handelt es sich nach Auskunft der Polizei um Türken, Syrer, Afghanen, Iraker, eine Polin und zwei Deutsche. Nach Informationen unserer Zeitung wohnten die beiden inhaftierten jungen Männer, 21 und 22 Jahre alt, zuletzt in Augsburg und im Landkreis Aichach-Friedberg. Der Razzia am Mittwoch gingen offenbar intensive Ermittlungen voraus. Nicht nur die beiden Iraker, auch weitere Beschuldigte der internationalen Gruppe sind dem Vernehmen nach recht jung.

Callcenter-Betrug: Die Hintermänner sitzen in der Türkei

Nach Informationen unserer Zeitung geht die Polizei von mehreren Gruppen innerhalb der Organisation aus, die jeweils unterschiedlichen Aufgabe übernahmen. Die Anrufer sitzen demnach in professionell organisierten Büros in der Türkei, sogenannten Callcentern. Daneben soll es im aktuellen Fall „Logistiker“ geben, die wiederum dafür zuständig gewesen sein sollen, „Finanzagenten“ anzuwerben. Jene Finanzagenten wiederum waren offenbar dafür notwendig, ihre eigenen Konten zur Verfügung zu stellen, damit darauf das Geld der Bankkunden zwischengelagert werden konnte, ehe es weiter überwiesen wurde – wohl in die Türkei.

Die Masche ähnelt jeder der "falschen Polizisten", mit der Kriminelle in jüngerer Vergangenheit in der Region aufgefallen waren. Auch dabei sollen Anrufer und Hintermänner von speziellen Büros in der Türkei aus agieren. Zuletzt hatte es mehrere Gerichtsverhandlungen an Amtsgericht und Landgericht gegeben, in denen Mitglieder solcher krimineller Organisationen angeklagt gewesen waren. Kürzlich wurde ein Mann am Amtsgericht zu zwei Jahren und elf Monaten Haft verurteilt, der als „Bindeglied“ zwischen den Abholern in Deutschland und den Hintermännern in der Türkei fungiert haben soll. Verteidiger Dominik Hofmeister sagt, er sei in Berufung gegangen. Damit dürfte der Prozess vor dem Landgericht neu aufgerollt werden.

Lesen Sie auch: Prozess in Augsburg: Betrügerische Anrufe und die Spur in die Türkei

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