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21.07.2010

Schlendrian im alten Griechenland

Den Silbernen Leoparden des Filmfestivals Locarno erhielt Filippos Tsitos für seine liebenswürdige Satire "Kleiner Wunder in Athen", hier im Thalia. Foto: W. Diekamp
Bild: W. Diekamp

Alexis Sorbas war gestern. Diesen unerschütterlichen Lebenskünstler sucht man heute vergebens in Griechenland. Eher trifft man auf Typen wie Stavros und seine Freunde. Sie sitzen vor ihren Läden an einer Straßenkreuzung in einem Wohnviertel von Athen. Die Geschäfte laufen schlecht, der Tag geht mit Diskutieren, Dösen und Ballkicken vorbei.

Filippos Tsitos, Regisseur des Films "Kleine Wunder in Athen", hat darin seine Landsleute feinfühlig karikiert. "Man hat in Griechenland ein sehr schönes Märchen geglaubt in den vergangenen hundert Jahren", sagt er beim Besuch im Thalia-Kino. Die Griechen stilisierten sich als direkte Nachfolger der antiken Philosophen. "Aber das stimmt nicht. Wir sind vermischt mit den Völkern des Balkans und Anatoliens", betont Tsitos, der seit 1991 in Berlin studierte und arbeitete.

Die Figuren seines Films setzen sich jedoch deutlich ab von den Albanern, die massenhaft als Gastarbeiter ins Land strömen. Stavros gerät allerdings total durcheinander, als seine klapprige alte Mutter eines Tages einen Albaner als ihren verlorenen Sohn zu erkennen glaubt und anfängt, mit ihm albanisch zu reden. Sein Griechentum wankt, sein Widerstand wächst, aber allmählich rutscht er auf die andere Seite.

Wie nachts im Atlantik zu schwimmen, sei es ihm vorgekommen, diesen Film zu drehen. Aber wo er auch anklopfte, erhielt er Geld für sein Projekt und nie eine Absage. Obwohl er wie eine direkte Antwort auch auf die griechische Schuldenkrise erscheint, stand dieser Aspekt für Tsitos, der auch Betriebswirtschaft studiert hat, nie im Fokus. Nein, auf keinen Fall sei sein Film eine Darstellung Griechenlands. "Es ist eine bestimmte Geschichte über einen bestimmten Mann." Die drei Athener Freunde "führen vielleicht ein armes, ein dummes Leben, aber nicht auf Kosten Anderer". Sie seien keine Betrüger.

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Allenfalls betrügen sie sich selbst mit der Illusion, Teil eines stolzen Volks zu sein. "Akadimia Platonos" - Platons Akademie, so ironisch heißt sein Film, der in Locarno mit dem Silbernen Leoparden ausgezeichnet wurde, im Original. Filippos Tsitos hat die persönliche Konsequenz gezogen, dass er in Deutschland sein Brot verdient, vor allem mit "Tatort"-Folgen fürs TV. Ab und zu dreht er auch in Griechenland; aber dort könne er nur von Werbefilmen leben. (loi)

Deutscher Kinostart für "Kleine Wunder in Athen" ist am kommenden Donnerstag, 22. Juli - auch im Thalia.

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