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Augsburg

17.05.2015

Schluss mit dem würdelosen Wühlen im Abfall?

Pfandringe wie hier in Günzburg sollen verhindern, dass der Müll nach Flaschen durchsucht wird. Augsburg will sie nicht einführen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mehrere Städte testen spezielle Abfallkörbe, damit arme Menschen leichter Pfandflaschen sammeln können. Warum sich Augsburg dagegen entschieden hat.

Man sieht sie regelmäßig in der Stadt: Frauen und Männer mit großen Taschen, die in Müllkörben kramen und nach weggeworfenen Pfandflaschen suchen. So verdienen sie sich ein paar Cent dazu. Kann man armen Menschen dieses Wühlen im Müll ersparen und die Flaschen gleich zum Mitnehmen bereitstellen?

Pfandringe: Umweltreferat begrüßte die Idee zunächst

Über diese Frage wird nicht nur in Augsburg diskutiert. In mehreren deutschen Städten laufen Versuche. Dort werden spezielle Ringe für Pfandflaschen an Abfallkörben installiert.

In Augsburg hatte die SPD-Stadtratsfraktion beantragt, testweise Pfandringe in der Innenstadt zu montieren. Die Intention: Bedürftigen Menschen soll damit ein „würdeloses und gesundheitsgefährdendes Wühlen“ im Müll erspart werden. Mit dieser Lösung kann man außerdem ein Verbot umgehen. Denn eigentlich ist es nach der Abfallwirtschaftssatzung nicht erlaubt, Reste aus Abfalleimern mitzunehmen.

Die Sozialdemokraten und auch Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) hielten zunächst viel von dieser Idee. „Ich dachte zuerst, das ist eine wunderbare Lösung“, so Erben. Eine umfangreiche Recherche des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs kam aber zu einem ganz anderen Ergebnis. Dort hält man die Installation von Pfandringen an Abfallkörben inzwischen für den falschen Weg.

Pilotprojekte in anderen Städten mit negativen Ergebnissen

Zwar laufen in anderen Städten Tests mit Pfandringen. In Köln wurde ein Pilotprojekt, das 2014 auslaufen sollte, bis Juni dieses Jahres verlängert. Eine Nachfrage des Abfallwirtschaftsbetriebes in sieben Kommunen ergab allerdings durchgehend negative Erfahrungen. In Bamberg sprachen die Experten von einem geringen Testerfolg. Nur wenige Menschen stecken ihre Flaschen in die Pfandringe. Und wenn doch, dann nehmen kommerzielle Sammler statt bedürftiger Menschen diese Flaschen mit. In Bamberg wurde außerdem festgestellt, dass mit Pfandringen die Vermüllung rund um die Abfallkörbe zunimmt.

Auch in Köln sind die Erfahrungen vorwiegend negativ. Dort griffen kommerzielle Sammler die Flaschen ab. Es gab mehr Glasscherben und mehr Schmutz, weil die restliche Flüssigkeit in den Flaschen auslief. Experten befürchten auch mehr Probleme mit Wespen. In München werden die Pfandringe wegen der schlechten Erfahrungen in anderen Städten von der Politik abgelehnt. Ähnlich ist ist es in Nürnberg.

In Augsburg dürfte ein Test kaum besser laufen. Das Evangelische Forum hat im Annahof bereits einen kleinen Versuch mit Pfandringen unternommen. „Dort wurden die Mülleimer trotzdem durchwühlt“, sagt Georg Holder vom städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb.

Auch Wirtschaftsvertreter glauben, dass den Nachteilen des Pfandring-Systems nur ein geringer sozialer Nutzen gegenübersteht. Das gilt etwa für den Innenstadtgewerbebeirat. Wegen der Erfahrungen im Annahof lehnt auch dieses Gremium Pfandringe in Augsburg ab.

Viele Nachteile: Stadt lehnt Pfandring-Test ab

Hinzu kommt, dass die umgerüsteten Abfallkörbe alles andere als schön aussehen. Im Stadtplanungsamt befürchtet man, dass nach der Neugestaltung der City das Stadtbild beeinträchtigt werden würde. Dazu kommt, dass diese Lösung kostspielig ist. Die Anschaffung und Montage kostet 300 Euro pro Pfandring. In der Innenstadt stehen rund 2000 öffentliche Müllbehälter.

Könnte man wenigstens bei Großveranstaltungen bedürftigen Flaschensammlern in Augsburg die Arbeit erleichtern? Auch das haben die Fachleute im Abfallwirtschaftsamt untersucht. Die Frage ist, ob die Stadt Veranstaltern vorschreiben kann, spezielle Sammelboxen aufzustellen. Holder kommt zu dem Ergebnis, dass Auflagen nur mit Blick auf die Sicherheit möglich sind, nicht aber aus sozialen Gründen. Er befürchtet außerdem, dass angetrunkene Besucher bei Großveranstaltungen die weggeworfenen Flaschen als Wurfgeschosse verwenden.

Nach diesem vorwiegend negativen Ergebnissen hat der Umweltausschuss des Stadtrates nun einen Test mit Pfandringen abgelehnt. Auch die SPD, die den Versuch beantragt hatte, ließ sich von den Argumenten überzeugen.

Bei Fußballspielen des FCA klappt die Entsorgung von weggeworfenen Pfandflaschen rund um die SGL-Arena auch so. Zahlreiche bedürftige Sammler kommen dorthin, um das Leergut zu entsorgen und sich damit Geld dazu zu verdienen.

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