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Prozess

23.07.2015

Schmuggler gerieten an V-Mann

Nach einem Deal mit unversteuertem Wasserpfeifen-Tabak ließ der Zoll eine kleine Bande auffliegen

Bei illegalen Geschäften kann man auch mal an den Falschen geraten. Drei türkischstämmige Männer, die laut Anklage im Herbst 2014 insgesamt 120 Kilo Wasserpfeifentabak aus der Schweiz nach Deutschland geschmuggelt hatten, schienen sich sicher, einen guten Deal gemacht zu haben. Sie verscherbelten unverzollten Shisha-Tabak auf dem Rastplatz Dasing der Autobahn A8 an einen unbekannten Abnehmer. Der zahlte pro Kilo 50 Euro, 20 Euro mehr, als die Schmuggler in der Schweiz bezahlt hatten. Was die drei Schwarzhändler nicht ahnten: Der Käufer war ein V-Mann des Zolls. Nach weiteren Ermittlungen flog die kleine Bande auf, die nach Berechnung der Behörden rund 10000 Euro an Tabak- und Einfuhrsteuern hinterzogen hat.

Shisha-Bars, in denen die orientalische Wasserpfeife dampft, erfreuen sich bei Tabakkonsumenten zunehmender Beliebtheit. Der Tabak, mit Aromen angereichert, stammt vor allem aus arabischen Ländern. Beim Import fallen Steuern an. Unverzollte Ware kann – zunächst – für Schmuggler und Abnehmer ein gutes Geschäft sein. Beide profitieren mit rund 20 Euro Gewinn pro Kilo. Legaler Shisha-Tabak kostet pro Kilo rund 70 Euro.

Dem mutmaßlichen Schmuggler-Trio sollte jetzt der Prozess vor Amtsrichterin Simone Früchtl gemacht werden. Die Männer, angeklagt des banden- und gewerbsmäßigen Schmuggels plus Steuerhinterziehung, erschienen ohne Verteidiger. Zwei räumten sofort ein, die „heiße Ware“ via Grenzübergang Konstanz nach Deutschland eingeschleust zu haben. Der Dritte im Bunde, ein 47-Jähriger, bestritt jedoch, weder etwas von den Schmuggelfahrten gewusst noch daran beteiligt gewesen zu sein. Er habe für seinen Freund, der in einer Augsburger Shisha-Bar arbeite, lediglich nach Abnehmern gesucht. „Ich wusste nicht, dass das unverzollter Tabak ist“, behauptete er.

Das Gericht musste den Prozess aufgrund dieser Aussage aus rechtlichen Gründen aussetzen. Der Grund: Wenn sich bei der Beweisaufnahme herausstellen sollte, dass der 47-Jährige entgegen seinen Angaben doch an dem Schmuggel beteiligt war, droht ihm – ohne Geständnis – eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr. Und in solchen Fällen muss die Justiz einem Angeklagten einen Pflichtverteidiger zur Seite stellen. Der Prozess wird in einigen Monaten neu terminiert. (utz)

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