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Kongress

20.10.2014

Schöner Schein

Mehr Glaube ans Geld ist kaum möglich: „In god we trust“ steht auf der Rückseite des Ein-Dollar-Scheins.
Bild: Marius Becker, dpa

Geld stinkt nicht, heißt es. Und, dass Geld die Welt regiert. Dabei lebt das System von Versprechen und greift dafür tief in die ästhetische Trickkiste, wie in Augsburg zu erfahren war

Täglich halten wir es in der Hand, geben es aus, würdigen es aber kaum eines Blickes. Ein Wimpernschlag reicht, um Farbe, Bild und Material der Noten und Münzen zu erfassen und sie ihrem Wert zuzuordnen. Dabei brüteten Heerscharen von Politikern, Zeichnern und Ideologen in allen Imperien, Reichen und Staaten über der Ästhetik des Geldes. Schon immer war es nicht nur Zahlungsmittel, sondern auch ein Medium, über dessen Gestaltung sich Vertrauen herstellen und politische Botschaften transportieren ließen.

Die Mühen um das Design finden wenig analytische Beachtung. Obwohl Geisteswissenschaftler und Philosophen heute auf alles einen ästhetischen Blick werfen, bleibt das Geld ausgeklammert. Auch der Kunstgeschichte ist das Geld wenig wert. Numismatiker haben zwar Interesse am Aussehen der Sammlerstücke, ihre Kataloge zeigen jedoch nur die Vorderseiten der Münzen.

Dabei ist das Erscheinungsbild von Geld Teil unserer Kulturgeschichte, sagt Gottfried Gabriel. Der ehemalige Professor für Philosophie und Logik aus Jena sieht die Ästhetik des Geldes als Teil des kulturellen Überbaus unserer Gesellschaft. Hierzulande war er der Erste, der Sinnlichkeit und historische Entwicklung von Symbolik und Material des Geldes erforschte. Stimmen Haptik, Sound und Design, lässt sich die Akzeptanz der Währung erhöhen, so der Fachmann auf der Tagung „Der schöne Schein“, die die Universität Augsburg zusammen mit der Universität der Bundeswehr München dem Thema widmete. „Darin liegt etwas Irrationales. Denn die Gestaltung versucht psychologisch, den wirtschaftlichen Wert des Geldes zu etablieren“, erklärt Gabriel.

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Irrational? Man kennt das: Wenn der Konjunkturmotor stottert, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vom Zwang zu Wachstum in die Zange genommen werden, wird das Vertrauen in die Währung beschworen. Geld ist schließlich nur so lange wertvoll, wie es akzeptiert ist. Die aufgeprägten Zahlen sind lediglich ein Versprechen. Eine Reichsbanknote von 1924 sprach die Bank direkt an, sie solle dem Überbringer eine Billion Mark aushändigen. Für dieses Versprechen muss der Glaube stark sein. Auch abgebildete Herrscher, vertrautes, qualitätsvolles Material und Kontinuität in der Symbolik stützen die Glaubwürdigkeit der Garantieversprechen. Heute, auf den Euro-Noten, wirbt die Unterschrift des Chefs der Europäischen Zentralbank um Vertrauen.

Wie wichtig der Glaube für den Werterhalt ist, zeigt die Ein-Dollar-Note: „In god we trust“. Größer geht nicht. Dass Schrift, Bild und Material psychologisch wirken, weiß auch die deutsche Design-Politik. Hier sorgt Kontinuität für Vertrauen. Ähre und Eiche sind die klassische Symbolik auf den Münzen der Weimarer, NS-, BRD- und DDR-Zeit. Die Ähre stand für Fruchtbarkeit, die Eiche stieg in Form eines Kranzes zum „Baum der Deutschen“ auf. Hatte er zunächst liberal-republikanischen Charakter, überwog in der NS-Zeit die nationale Symbolik. Nach dem Krieg blieb das Eichenblatt auf den kleinen Kupfermünzen – und eine Frau, die auf dem 50-Pfennig-Stück eine Eiche pflanzte.

Sounddesign lockt nicht nur bei Autotüren und Chipstüten. Gabriel hat in Gesprächen mit Bürgern der damals noch neuen Bundesländer erfahren, dass diese die als „Aluchips“ verspotteten DDR-Münzen als eine Beleidigung für Hör- und Tastsinn empfanden. Nicht nur das. Die Minderwertigkeit des Materials galt ihnen als Sinnbild für den gesamten Staat.

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