10.07.2012

Schubert theatralisch

Roll & Walk Konzert

Alle schwitzten: Die Temperaturen im Kleinen Goldenen Saal am Sonntagnachmittag waren eine Herausforderung. Trotzdem verlangten die Hörer am Ende von „Roll & Walk“ 2012 begeistert eine Verlängerung. Noch einmal wurde Offenbachs „Barcarole“ gegeben – stimmlich luxuriös besetzt mit Mezzosopranistin Stefanie Hampl und Sopranistin Cathrin Lange. „Traumhafte Highlights aus der Opernwelt“, schrieb Dirigent Benedikt Lika in seinem Vorwort, bildeten den zweiten, kürzeren Konzertteil.

Der erste Part war Franz Schubert gewidmet. Seine „Unvollendete“ machte den Anfang, die Intonationsprobleme gingen dabei zulasten der Hitze. Benedikt Lika gestaltete klassizistisch durchsichtig-strukturiert und dabei packend, tief romantisch und weit vorausweisend: Die Orchesterschläge kamen mit kraftvoller Wucht, die Sforzati explodierten, manche musikalische Gesten klangen fast theatralisch ausdrucksvoll und malerisch. Das gesamte Klangbild des Orchesters war ausgewogen, die Musiker spielten präzise zusammen und reagierten schnell, so etwa im Vorspiel der Barcarole.

Die Skizzen für den Finalsatz der Unvollendeten seien in die Schauspielmusik von „Rosamunde“ eingeflossen, so Lika im Vorwort weiter. Tatsächlich spielte vieles in dem auf Schuberts Siciliano-Romanze „Der Vollmond strahlt“ (ebenfalls aus Rosamunde und von Stefanie Hampl wunderbar rund-klangschön, mit langen Legatolinien gesungen) folgenden, in der Tiefe an Wagner anklingenden „Entr’acte No.1“ auf den ersten Satz der Unvollendeten an.

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Lieder, die einen langen Atem erfordern

Auch wenn manche Musiknummern ruhig und getragen waren, waren sie nicht leichter zu meistern als die stürmischen Partien. Schuberts gebetähnliches Lied „Nacht und Träume“ etwa, hier in Regers vollgriffiger Orchesterversion gespielt und von Cathrin Lange traumhaft gesungen, beginnt im Gesang bereits in der Höhe und verlangt ebenfalls langen Atem. In Wolframs „Oh, du mein holder Abendstern“ von Wagner sind anfangs die Flöten gefordert: Ihre exponierten Stellen gelangen bravourös und Bassbariton Maximilian Lika löste mit seiner meisterlich schlanken, in allen Lagen weich und rund geführten Interpretation verdienten Jubel aus.

Humperdincks „Arie des Sandmanns“ und „Abendsegen und Traumpantomime“, nochmals mit Cathrin Lange und Stefanie Hampl als doppelter Stimmgenuss zu erleben, war ein charmant hintersinniger Abschluss – auch, weil sich das Orchester noch einmal mit Klangzauber und gewaltigem Crescendoausklang verabschieden konnte.

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