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Basketball

24.02.2020

Schüler für Ball und Korb begeistern

In der Schwäbischen Basketball Grundschulliga treten Dritt- und Viertklässler gegeneinander an. Letztlich geht es in diesem Projekt um Integration und Sozialarbeit, sagen die Organisatoren.
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In der Schwäbischen Basketball Grundschulliga treten Dritt- und Viertklässler gegeneinander an. Letztlich geht es in diesem Projekt um Integration und Sozialarbeit, sagen die Organisatoren.
Bild: Thorsten Franzisi

In Zusammenarbeit mit Grundschulen wollen Vereine ihre Sportart auf eine breitere Basis stellen. Im Modell, das an amerikanische Verhältnisse erinnert, ist Sport Mittel zum Zweck.

Wenn Florian Martini über dieses Projekt spricht, ist ihm seine Begeisterung anzumerken. Wer mit ihm über die Schwäbische Basketball Grundschulliga (SBBGL) spricht, der sollte Zeit mitbringen. Für Martini ist das nicht irgendeine Sache, die er ausprobiert. Für ihn ist das Tag füllend. Und eine Aufgabe, für die sich der Aufwand lohnt. „Es geht um Schule und Integration. Man hilft Kindern“, sagt Martini.

In der 2. Regionalliga Süd trainiert er die Männer des TV Augsburg, die sich dieser Tage gegen den Abstieg stemmen. Noch bedeutsamer scheint für ihn jedoch das große Ganze zu sein. Ihm stellt sich die Frage, wie Basketball in Augsburg und der Region auf breitere Beine gestellt werden kann. Die beteiligten Vereine erhoffen sich letztlich Spieler im Jugend- und Erwachsenenbereich, für den Fortbestand ihrer Abteilungen mindestens so bedeutend sind jedoch Schiedsrichter, Kampfrichter oder Trainer, die das Projekt hervorbringen sollen.

Vereine entwickeln in Strategiegruppen gemeinsame Konzepte

Zu diesem Zweck bricht Martini verkrustete Strukturen auf, Vereine konkurrieren nicht miteinander, sondern entwickeln in Strategiegruppen gemeinsame Konzepte. Martini betont: „Wir brauchen nicht die Unterstützung eines Vereins, sondern eine Standortförderung für Augsburg.“ Martini will Kräfte bündeln, sich aber eine gewisse Eigenständigkeit bewahren. „Wir werden die Teams beibehalten und uns die Jugendspieler nicht gegenseitig wegnehmen.“

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Wie gute Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt sich in der Grundschulliga. Hier steht nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund, hier sollen Schüler allgemein Interesse für Basketball entwickeln. Das Projekt konzentriert sich auf die 3. und 4. Klassen und widmet sich dem Breitensport. Nicht nur Basketball werde gefördert, meint Martini, sondern auch Sozialarbeit. Ganz bewusst hätte man sich mitunter für „Brennpunktschulen“ entschieden, an denen Kindern über Sport Perspektiven eröffnet werden sollen. Über Maskottchen, Logos, Team-T-Shirts und Sportabzeichen sollen die Kinder begeistert werden. Der Vergleich zum amerikanischen Nachwuchssystem liegt nahe, in dem Schulen, nicht aber Vereine gegeneinander antreten. Netzwerker Martini will weitere Klubs für das Projekt begeistern, aus Hochzoll, Haunstetten oder Lechhausen. Über den Raum Augsburg wollen die Organisatoren ihr Modell auf ganz Schwaben ausweiten.

"Mentoren" dienen als Verbindungsleute

Bislang sind an der SBBGL acht Schulen beteiligt, die Sportstunden sind in die Nachmittagsbetreuung oder die gebundene Ganztagsbetreuung eingebunden. Neben dem TVA engagieren sich der TSV Schwaben und die BG Leitershofen/Stadtbergen in diesem Basisprojekt, sogenannte „Mentoren“ dienen als Verbindungsleute. „Wir bauen Brücken von der Schulmannschaft zum Verein“, erklärt Martini.

Freudig berichtet er von drei Kindern – einem Kroaten, einem Polen und einem Türken –, die inzwischen beim TSV Schwaben spielen. Martini bestärken derartige Erfolge in seinem Tun. Künftig will er sich noch intensiver der Grundschulliga widmen. Einst arbeitete Martini im Vertrieb, weitaus wohler fühlt er sich in der Sozialarbeit, im Umgang mit Menschen. Er hilft Abgehängten zurück in die Spur, gibt ihrem Alltag Struktur und erleichtert ihnen den Wiedereinstieg in den Beruf. In der Grundschulliga kann er ein Stück weit dazu beitragen, dass das Leben der Kinder von Beginn an in anderen Bahnen läuft.

Woran es mangelt, ist Personal und Geld. Mit der Universität Augsburg laufen Gespräche, Studenten als Trainer einzubinden; zudem behelfen sich die Klubs über Mitarbeiter, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Martini hat sich um einen Träger bemüht, der die SBBGL unterstützt, unter anderem hat er fruchtbare Gespräche mit den Maltesern geführt, die ihr Geld momentan jedoch in andere Projekte stecken wollen. Vorerst muss sich Martini also anders behelfen. So wird er beim TSV Schwaben angestellt, der für die Grundschulliga federführend verantwortlich zeichnet.

Im Rahmen von Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) arbeitet Martini künftig zehn Stunden pro Woche für die Schulliga. Geht das Konzept auf, will er bis zu 20 Stunden aufstocken. Eine seiner wichtigsten Aufgaben sieht er darin, „Leute, Schulen und Vereine zu finden, die mitmachen“.

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