1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Schüler schwänzen für den Klimaschutz

Augsburg

17.01.2019

Schüler schwänzen für den Klimaschutz

Die Schüler Emma Schwaiger und Jacobo Sohn (von links) wollen, dass sich Politiker stärker gegen den Klimawandel engagieren. Sie nehmen an der Demo am Freitag teil – auch wenn es Konsequenzen gibt.
Bild: Silvio Wyszengrad

In 50 Städten finden am Freitag Schülerdemos statt. Auch in Augsburg wird protestiert und dafür die Schule geschwänzt. Schüler berichten, warum sie demonstrieren.

Der Einsatz der 15-jährigen Schülerin Greta Thunberg hat viele Schüler beeindruckt und findet nun auch in Augsburg Nachahmer. Die junge Schwedin schwänzt seit vergangenen Sommer freitags die Schule, um vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm demonstrieren zu können. Bei der Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz vergangenen Dezember erklärte sie warum: Sie wolle, dass die Politik die Klimaziele einhalte und sich stärker im Kampf gegen den Klimawandel engagiere.

Schließlich gehe es auch um ihre Zukunft. „Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen wollen“, sagte sie. Emma Schwaiger sah den Auftritt. „Ihre Rede hat mich beeindruckt. Da dachte ich mir: Respekt! Sie ist jünger als ich, sagt ihre Meinung und geht nicht in die Schule, um ihre Ziele zu erreichen“, sagt die 17-Jährige. Sie besucht das Maria-Theresia-Gymnasium und bekam um den Jahreswechsel herum mit, dass auch in Augsburg eine Aktion geplant wird. Für sie war sofort klar: Da mache ich mit.

Organisation der Schülerstreiks läuft über WhatsApp-Gruppen

Greta Thunberg.
Bild: dpa

Jacobo Sohn, 16, der die Waldorfschule besucht, ging es ähnlich. „Ich habe Greta Thunberg bewundert, wie selbstsicher sie ihre Meinung auf der Weltklimakonferenz formuliert hat. Ich habe gehofft, dass sie damit was bewegen wird.“ In Augsburg hat es die junge Klimaaktivistin geschafft. Schüler von verschiedenen Schulen schlossen sich zusammen, um der inzwischen weltweit aktiven #FridaysForFuture-Bewegung zu folgen und um gemeinsam eine Aktion zu planen. „Das läuft über WhatsApp-Gruppen. Anfangs war es über 200 Schüler in einer Gruppe. Jetzt wird in Untergruppen weitergearbeitet“, erzählt Emma Schwaiger. Sie werden am Freitag, 18. Januar, ab 11 Uhr auf dem Rathausplatz eine bessere Klimapolitik einfordern.

Der Zeitpunkt wurde zum Diskussionspunkt: Er befindet sich während der Unterrichtszeit. Für Jacobo Sohn ist das kein Problem. Die Waldorfschule, die sich in freier Trägerschaft befindet, habe nicht mit Konsequenzen gedroht. Im Gegenteil. Er kenne allein 40 Mitschüler, die sich der Demonstration anschließen wollen. An den anderen Schulen habe sich die anfängliche Euphorie allerdings etwas gelegt. Der Grund: Peter Kempf, der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Schwaben, hatte die Gymnasien in Augsburg Stadt und Land darüber informiert, dass die generelle Versammlungsfreiheit und das Demonstrationsrecht die Schüler nicht von ihrer Verpflichtung, den Unterricht zu besuchen, entbinde.

Die Aktionen finden in Anlehnung an Greta Thunbergs Engagement statt

Im Klartext: Wer an der Demonstration teilnehme, obwohl er eigentlich in der Schule sitzen müsste, gelte als unentschuldigt vom Unterricht ferngeblieben. Im Brief des Ministerialbeauftragten, den viele Schulen als Elternbrief an die Erziehungsberechtigten weiterleiteten, wurden auch die Konsequenzen genannt. Es würden den Schulen nach der Schulordnung vorgesehene Maßnahmen, Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen, zur Reaktion auf das unentschuldigte Fernbleiben zur Verfügung stehen würden.

Am Freitag finden in 50 deutschen Städten Aktionen von Schülern statt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Für Emma Schwaiger und Jacobo Sohn steht fest, dass aber gerade dieser Zeitpunkt Sinn mache. „Das ist als Anlehnung an die Aktionen von Greta Thunberg gedacht, die ja auch geschwänzt hat, um Aufmerksamkeit zu erhalten“, sagen sie. Der Brief habe dafür gesorgt, dass nun einige Schüler auf die Demonstration verzichten werden. Emma Schwaiger kann das nicht verstehen.

Hinweis, Nacharbeit oder Verweis könnten die Konsequenz sein

Sie würde sich mehr Unterstützung von den Schulen und mehr Rückgrat von den Schülern wünschen. „Als Konsequenz muss ich wohl mit einem Hinweis, einer Nacharbeit oder einem Verweis rechnen. Ich habe das mit meinen Eltern besprochen und nehme das in Kauf.“ Ihr ist die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels wichtig – das Ziel, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg durch den Treibhauseffekt auf unter 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. „Sobald es um das Pariser Klimaabkommen, Braunkohleausstieg oder Erneuerbare Energien geht, finden die Politiker immer zig Gründe, warum irgendein Datum verschoben oder irgendwas nicht eingehalten werden kann. Das geht nicht“, betont sie.

Jacobo Sohn will, dass das Bewusstsein der Menschen auf ihr Konsumverhalten gelenkt wird. „Dann würden die Konsequenzen des ausbeutenden Wirtschaftens auffallen. Da muss man die Notbremse ziehen“, sagt er. Für beide ist es nicht die erste Demo. Emma Schwaiger hat in Augsburg gegen die Pegida-Kundgebung protestiert, Jacobo Sohn schloss sich der Münchner Großdemo gegen das Polizeiaufgabengesetz an. Emma Schwaiger hat mit der Evangelischen Jugend Plakate für die Demo vorbereitet und Flyer verteilt. Willkommen ist jeder: Schüler, Studenten, Erwachsene. Egal was die Demo für Konsequenzen nach sich zieht – die nächste Aktion der #FridaysForFuture-Bewegung ist in Augsburg offenbar für März geplant.

Los geht es am Freitag, 18. Januar, um 11 Uhr auf dem Rathausplatz. Dort gibt es die erste Kundgebung. Gegen 11.45 Uhr wollen die Demonstranten losziehen: Über die Maximilianstraße, Hallstraße, Konrad-Adenauer-Allee, Königsplatz (Zwischenkundgebung), Fuggerstraße, Kasernstraße, Fronhof, Peutingerstraße, Johannisgasse, Kesselmarkt, Annastraße, Steingasse geht es zurück zum Rathausplatz. Um 14 Uhr findet dort die Abschlusskundgebung statt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

18.01.2019

>> „Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen wollen“ <<

Ein Blick nach China und der dortigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung für hunderte Millionen Menschen macht deutlich, dass dieser Spruch primär eine linkspopulistische Grundaussage trägt hat und wenig mit der Entwicklung der Umweltsituation zu tun hat.

Permalink
18.01.2019

Nochmal: Ich hätte bitte gerne von den Berichterstattern hinterfragt, wie es bei den demonstrierenden Schülern aussieht mit ihrem klimaverträglichen Verhalten und dem ihrer Eltern. Wer sich mit dem SUV zur Schule bringen lässt und in den großen Ferien nach USA fliegt hat für mich das Recht verwirkt, sich als Klimaschützer zu gerieren. Man hat sich über Frau Schulze von den Grünen alteriert - zurecht. Die Zwiespältigkeit zwischen Forderungen und eigenem Handeln aufzuzeigen sollte aber nicht nur Politiker treffen.

Permalink
18.01.2019

Diese Doppelzüngigkeit findet sich ganz extrem im linken Spektrum. Das ist schon in der DDR so gewesen. Der reale Sozialismus galt immer für die anderen. Sich selbst gesteht man gerne alle Privilegien zu. Ehemalige Grüne die sich als Glyphosat Manager hervortun, Windparks in sensiblen Ökosystemen (Aachener Münsterwald) befürworten, Grünen Chefin Baerbock die einen uralt Diesel fährt. Dazu passt auch "Niemand fliegt häufiger als die GRÜNEN" https://www.theeuropean.de/martin-walzer/14862-die-gruene-doppelmoral. Diese Schüler und ihre Eltern werden auch nicht besser abschneiden.

Permalink
17.01.2019

"....Die menschenverursachten Faktoren sind längst bewiesen" ...
Diese ständigen Falschbehauptungen sollte man -es sei denn , man ist grün-fanatisch in der eindeutigsten Bedeutung dieses Wortes getrieben - nicht wirklich ernsthaft verwenden .

Tatsache ist , - und dies müssen sogar pro-grün agierende "Wissenschaftler/Fachleute" immer zugeben , werden ihre Thesen ernsthafter betrachtet - daß hinsichtlich eines möglicherweise stattfindenden Klimawandels der menschliche "Einfluß" in keinster Weise nachgewiesen ist .
Selbst der Umfang, die Auswirkungen und die weitere Entwicklung eines möglicherweise stattfindenden Klimawandels sind in keinster Weise erforscht oder nachgewiesen .

Daß Schüler sich hier allerdings das nicht existierende "Recht" herausnehmen , dem Pflichtunterricht verbotswidrig fernzubleiben , ist -aufgrund des Mangels an Eigeneinschätzung der Schüler/innen - diesen nicht vollauf zuzurechnen (sind diese Kinder/Jugendlichen allzumeist ja noch gar nicht richtig geschäftsfähig im Sinne der Gesetze und äußerungsfähig im Sinne einer vorhandenen Lebenserfahrung) - sondern in der Hauptsache gewissen älteren Anstiftern vorzuwerfen . Diese nutzen im Übrigen die noch bestehende Naivität und jugendliche Unerfahrenheit bewußt aus und kalkulieren sie in ihre "Aktionen" bewußt mit ein .

Hätten diese Schüler/innen in der unterrichtsfreien Zeit an derartigen -wenig tatsachenbasierenden- Kundgebungen teilgenommen - nun gut , das wäre die Freizeit der Kinder/Jugendliche gewesen .

Die aufgrund des Fehlverhaltens ausgefallenen Schulstunden sollten an einem Samstag nachgeholt werden müssen - allerdings dann auch gefüllt mit ernsthaftem , wichtigem Unterricht .



Permalink
17.01.2019

Schulschwänzen ist für eine Positionsbekundung zum Klimaschutz völlig überflüssig.

Aber Schulschwänzen erregt Aufmerksamkei und macht Quote, die sonst ausbleiben würde.

Stets unterlegt vom linksgrünen Duktus, dass die richtige Gesinnung jede Maßnahme rechtfertigt.

>> Jacobo Sohn will, dass das Bewusstsein der Menschen auf ihr Konsumverhalten gelenkt wird. „Dann würden die Konsequenzen des ausbeutenden Wirtschaftens auffallen. Da muss man die Notbremse ziehen“, sagt er. <<

Wahrscheinlich zu jung und ideologisch verschoben um die real rauchende Schornsteine im DDR-Sozialismus zu kennen. Aber diese Äußerung macht schon sehr deutlich, dass die 1,5 Grad nur ein Aufhänger für eigentlich etwas anderes sind.

Permalink
17.01.2019

Zum Schwänzen für eine Demo kann man so oder so stehen, aber "ideologiegetrieben" sind ja wohl eher die Klimawandelleugner. (Zu denen Sie auch gehören?) Die menschenverursachten Faktoren sind längst bewiesen. Wer der Ideologie eines durch keinerlei Umweltschutz behinderten Wirtschaftswachtums anhängig ist, wird deren Wirksamkeit natürlich erst glauben, wenn Spanien eine Wüste und Holland im Meer versunken ist. Ach, selbst dann ist das ja alles Zufall gewesen.

Permalink
17.01.2019

Ihre Unterstellung, ich sei ein "Klimawandelleugner", disqualifiziert Sie eigentlich für eine Antwort. Das erinnert mich an ein Ereignis in den 1980er Jahren, als ich das technologisch eben erst möglich gewordene in vivo Bild eines Fötus publiziert hatte und man mich umgehend als Abtreibungsgegner beschimpfte. Nachdem aber auch andere mitlesen, trotzdem einige beispielhafte Infos als Anregung zum Nachdenken:

- der gegenwärtige Zeitabschnitt der Erdgeschichte, in dem wir leben, wird Holozän (Nacheiszeitalter) genannt, welches durch Temperaturschwankungen gekennzeichnet ist (Quelle z.B. Bildungsserver-Wiki, Stichwort "Holozän");

- die Viehzucht trägt mehr zur globalen Erwärmung bei als der Autoverkehr (Bericht der Vereinten Nationen, zu finden unter dem Titel "Rearing cattle produces more greenhouse gases than driving cars");

- neben Kohlendioxid tragen auch andere Stoffe wie Methan zum sog. Treibhauseffekt bei, und zwar überproportional stark (Quellen: Amerikanische Umweltbehörde EPA, Wissenschaftsmagazin Nature);

- durch starke vulkanische Aktivitäten gelangen Treibhausgase in die Atmosphäre (Quelle z.B. The National Center for Atmospheric Research);

- Die Schifffahrt ist einer der Hauptverursacher von Luftverschmutzung in Europa. "Ohne Gegenmaßnahmen werden die klima- und gesundheitsschädlichen Abgase von Kreuzfahrt- und Frachtschiffen im Jahr 2020 die Emissionen aller anderen Quellen in der EU übertreffen." (Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland)

- usw., usf.

Permalink
18.01.2019

Der "Mensch gemachte Klimawandel" ist eine wissenschaftliche Theorie. Einer Theorie widerspricht man, oder eben nicht, aber man leugnet sie nicht. Das zeigt schon Ihre Ideologisierung. Gerade die Tatsache das Klimawandel immer stattgefunden hat zeigt, dass es ein natürliches Phänomen gibt. Es ist geradezu irrwitzig zu meinen, man könne den Temperaturanstieg auf 2 Grad begrenzen. Sie wissen ja noch nicht mal eine Ausgangstemperatur, auf die sich diese 2 Grad beziehen sollen.

Permalink
18.01.2019

Es gibt mittlerer Weile so gut wie keine anerkannten Wissenschaftler mehr, die den Klimawandel abstreiten. Man kann die Jahresdurchschnittstemperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vergleichen. Man kann z.B. an den Eisbohrkernen in der Arktis ablesen, dass es noch nie eine so schnelle Erwärmung gab wie heute.
Man kann sich auch dem Wissen verweigern und fest etwas glauben, anstatt sich zu bilden.

Permalink
17.01.2019

Selbstverständlich hat Herr Herr Kempf recht. Wenn die Schule irgend etwas tun sollte, dann nicht den ideologiegetriebenen "Aktivisten und Aktivistinnen" den Rücken stärken, sondern sich in den entsprechenden Unterrichtsfächern auf Grundlage von wissenschaftlich belegbaren Fakten mit den menschenverursachten Faktoren in einer von phasenweiser Klimaerwärmung geprägten Nacheiszeit auseinandersetzen!

Permalink
17.01.2019

Besser hätte ich es nicht sagen können. Leider wird der Klimawandel für politische Ziele missbraucht und von vielen radikalen Organisationen instrumentalisiert.

Permalink
17.01.2019

Leider wird auch an der Schule unserer Wahl mehr Energie darauf verwendet, Strafmaßnahmen für Streikende anzukündigen und zu kolorieren, als eine sachdienliche Diskussion in den verschiedenen Fächern zu führen.
Engagierte Lehrer können mit der Klasse eine Exkursion machen und am Montag einen Aufsatz einsammeln. Der Ansatz gefällt mir besser als "stell dir vor wir haben Demokratie, aber keiner hat Zeit.

Permalink
17.01.2019

Mich würde interessieren wie klimafreundlich der Alltag der demonstrierenden Schüler aussieht. Für ein Fernbleiben von der Schule, um die Demonstrationszwecke zu unterstützen hätte ich sehr wenig Verständnis, wenn mit der Familie zweimal im Jahr in den Urlaub geflogen würde - nur so als Beipsiel.

Permalink
17.01.2019

Richtiges Engagement würden diese Schüler beweisen, wenn sie sich nachmittags - während ihrer Freizeit - hinstellen und protestieren. Aber so wichtig scheint das Anliegen dann doch nicht zu sein.

Ich sehe hier nur eine Ausrede, nicht in den Unterricht gehen zu müssen. Schulische Sanktionen sind absolut angebracht!

Permalink
17.01.2019

Ich finde es sehr gut das die Schüler/innen demonstrieren. Herr Kempf sollte hinter den Schülern stehen und den Leheren den Rücken stärken das sie mit demonstieren. Des Weiteren sollte das Thema Umwelt mehr in der Schule thematisiert werden, den Schüler/innen gezeigt werden, in welchen Fällen sie schon im eignen Umfeld etwas gegen die schlechte Umweltbilanz tun können.

Permalink
17.01.2019

Dito.
Für Lehrer ist es aber leider nicht leicht, ihre Schüler zu politischen Demonstrationen zu animieren oder sogar innerhalb des Unterrichts dort hin zu bringen. Politische Einflussnahme auf der einen Seite, Aufsichtspflicht auf der anderen Seite.
Daher besser am Sonntag demonstrieren statt daddeln und am freitag die Gelegenheit nutzen und einen guten Unterricht genießen.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren