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Protest für bessere Bildung

18.06.2009

Schüler und Studenten stürmen Augsburger Rathaus

Studenten stürmten das Augsburger Rathaus: Bild: Wyszengrad

Großes Polizeiaufgebot auf dem Rathausplatz in Augsburg: Rund 15 Schüler und Studenten haben versucht, das Rathaus zu stürmen. Von Sonja Krell und Jörg Heinzle

Von Sonja Krell und Jörg Heinzle

Augsburg - Großes Polizeiaufgebot gestern Nachmittag auf dem Rathausplatz: Rund 15 Schüler und Studenten versuchen, den Rathausbalkon zu stürmen.

Weit kommen die Protestierenden mit ihrer Aktion jedoch nicht. Mehrere Polizisten befördern die Jugendlichen vom Balkon und nehmen ihnen Banner ab. Jetzt müssen die Schüler und Studenten mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs rechnen, kündigte Stadtdirektor Josef Schwarz an.

Die Truppe versucht zunächst, durch den Westflügel in den Oberen Fletz zu gelangen. Als mehrere Beamte sich ihnen mit den Worten "Nein, Sie bleiben draußen" in den Weg stellen und sie wegstoßen, wählen sie die andere Treppe, wo ihnen keiner den Eintritt verwehrt. Von dort aus klettern einige durch ein Fenster auf den Rathausbalkon und enthüllen ein Banner, auf dem sie den ersten Augsburger Schüler- und Studierendenrates ausrufen. Dazu skandieren sie: "Bildung für alle und zwar umsonst."

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Unten auf dem Platz wird die Aktion von zahlreichen Passanten beobachtet. Mehrere äußern Sympathie für die jungen Leute und kritisieren das massive Auftreten der Polizei, die am Ende mit rund zwei Dutzend Beamten vor Ort ist. Kommentare wie "Würde die Polizei nur bei anderen Sachen so hart durchgreifen" und "Das ist übertrieben" sind zu hören. Polizeisprecher Manfred Gottschalk verteidigt die Reaktion der Polizei. "Wir hatten nur die Information, dass das Rathaus gestürmt werden soll", sagt er. "Wir wussten nicht, was auf uns zukommt." Deshalb sei zur Sicherheit auch der Einsatzzug alarmiert worden, eingesetzt wurde er aber nicht.

"Wir hätten hier gern unsere Sitzung abgehalten", erklärt Tobias Reiter vom Arbeitskreis Bildungsstreik. Bereits bei der Demo am Mittwoch wurde die Einrichtung eines Stadtschülerrats gefordert, der sich für die Belange der Schüler und Studenten in Augsburg einsetze. "Wir setzen uns für freieres, gerechteres Bildungssystem ein", sagt eine Studentin. Dass die Polizei ihre friedliche Aktion schnurstracks unterbinde, könne sie nicht verstehen.

"Das ist nicht mehr friedlich", gibt Stadtdirektor Schwarz zu verstehen. Das unangekündigte Eindringen ins Rathaus sei ein bewusster Verstoß gegen die Rechtsordnung. "Man hätte vorher mit uns reden können." Nach 20 Minuten verlassen die Protestierenden den Saal, erhalten Hausverbot und einen Platzverweis für den Rathausplatz. Vorher haben sie noch ihre zehn Thesen für freie Bildung an die Rathaustür geheftet. "Es wäre schade, wenn der Sinn der Aktion verklärt würde", meint Student Clemens Eisenmann. "Es war ja ein friedlicher Weg, den wir gewählt haben."

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