Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Schwabencenter in der Krise: Die Bewohner sind mit ihrer Geduld am Ende

Augsburg

10.09.2020

Schwabencenter in der Krise: Die Bewohner sind mit ihrer Geduld am Ende

Anwohner und Bewohner des Schwabencenters fühlen sich im Stich gelassen. Sie haben den Eindruck, dass auch unter dem neuen Eigentümer nichts vorangeht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Seit Jahren zieht sich die Sanierung des Schwabencenters in Augsburg hin. 2019 wechselte der Eigentümer. Der neue will mit der Stadt über ein Konzept verhandeln.

Das Nagelcenter, sagen sie, sei über Nacht verschwunden gewesen. Rossmann sei schon länger ausgezogen, und es gebe Gerüchte, dass Edeka auch nicht mehr lange bleiben werde. Bewohner und Anwohner des Schwabencenters machen sich mehr Sorgen denn je um das Einkaufszentrum an der Friedberger Straße. Sie befürchten, dass es bald ganz zu einer Geister-Ladenpassage verkommen könnte. Und sie fühlen sich alleingelassen - vergessen von der Stadt, von Oberbürgermeisterin Eva Weber ( CSU) und dem neuen Eigentümer, dem Augsburger Immobilienunternehmen Solidas.

"Es wird noch nicht mal mehr etwas instand gesetzt. Es kann doch nicht sein, dass man zuschaut, wie hier nach und nach alles kaputtgeht", schimpft die 36 Jahre alte Stefanie Huber und zeigt auf zersprungene Bodenplatten in der Einkaufspassage. Tatsächlich ist die Geschäftszeile alles andere als einladend.

Die An- und Bewohner des Schwabencenters kritisieren, dass nichts mehr instandgehalten wird.
Bild: Silvio Wyszengrad

Augsburger Schwabencenter wird zu Ort der Trostlosigkeit

Das Schwabencenter, das in den 70er-Jahren erbaut wurde und einst ein Publikumsmagnet war, scheint weiter auf dem Weg, sich in einen Ort der Trostlosigkeit zu verwandeln. Das liegt auch an den zunehmend leer stehenden Geschäften. "Es gibt auch kein Büro mit einem Ansprechpartner mehr, und eine Fassadenreinigung wurde auch schon länger nicht mehr gesehen", kritisieren Huber und ihre Mitstreiter. Einige leben mit ihren Familien in der dritten oder vierten Generation hier. Das Schwabencenter liegt ihnen am Herzen. Oft schon wurden Sanierungen in Aussicht gestellt, oft schon wurden sie enttäuscht.

Dabei hatte eine Kundgebung im Mai vergangenen Jahres unter Bewohnern und Anwohnern im Herrenbach und im benachbarten Spickel Hoffnung aufkeimen lassen. "Ich verspreche, dass wir uns kümmern werden", sagte die damalige Wirtschaftsreferentin Eva Weber zu den rund 350 Teilnehmern. Auch sieben Stadträte der CSU und SPD waren dabei. "Im Nachhinein war das nur Wahlkampfgeplänkel", sagen die acht Männer und Frauen heute, rund 15 Monate später. Sie führen durchs Schwabencenter, um den Verfall zu demonstrieren. Aber haben die Verantwortlichen das Schwabencenter wirklich vergessen?

Neuer Eigentümer Solidas: "Arbeiten mit Nachdruck an Konzept"

"Nein, auf keinen Fall", sagt Solidas-Geschäftsfüher Anton Kopp laut und deutlich. Im Gegenteil. "Wir arbeiten mit Nachdruck an dem neuen Konzept des Schwabencenters." Gespräche mit hochwertigen Mietinteressenten für die Geschäfte laufen. Die Vorbereitungen im Hintergrund gestalteten sich laut Kopp aufwendiger, als manch Unbeteiligte vielleicht glauben mögen. Schon allein diverse Untersuchungen im Vorfeld, was etwa den Verkehr oder die Lärmbelästigung angehe, seien sehr zeitintensiv.

Im Schwabencenter stehen mittlerweile etliche Geschäfte leer.
Bild: Silvio Wyszengrad

"Vor einem Jahr waren wir auch zuversichtlicher, dass alles schneller geht", sagt Kopp. Allein Corona habe für Verzögerungen gesorgt. In den nächsten Tagen stehe ein entscheidender Termin bei der Stadt an. "Wir glauben weiterhin an das Projekt Schwabencenter", beruhigt Kopp. Über den Inhalt des neuen Konzepts wolle er noch nichts sagen. Der Geschäftsführer von Solidas will dem Gespräch mit der Stadt nicht vorgreifen.

Lisa Schuster malt die Zukunft des Schwabencenters ebenfalls nicht schwarz. Seit sechs Jahren leitet sie in dem Gebäudekomplex das sogenannte Wohnzimmer. Es ist ein Quartiersentwicklungsprojekt des Sozialzentrums der Arbeiterwohlfahrt. In der Begegnungsstätte bieten unter anderem Bewohner des Schwabencenters ehrenamtlich Freizeitaktivitäten an, es wird gebastelt und auch gefeiert. Das Miteinander im Schwabencenter ist eben ein besonderes.

Treffen zwischen Eigentümer und Bewohnern soll helfen

Schuster sagt, sie stehe immer wieder in Kontakt mit dem neuen Eigentümer und habe deshalb den Eindruck, dass es mit dem neuen Konzept vorangehe. "Die Planungen sind am Laufen. Aber für Solidas macht es keinen Sinn, mit Details an die Öffentlichkeit zu gehen, bevor Schritte genehmigt werden. Schuster zeigt Verständnis mit der Zurückhaltung des Eigentümers. "Jeder, der das Schwabencenter kennt, weiß, dass ein Umbau umfassende Details mit sich bringt." Gleichwohl könne die AWO-Mitarbeiterin die Ungeduld der An- und Bewohner nachvollziehen, da diese keine Informationen erhielten. "Tatsächlich würde sich eine Bewohner-Zusammenkunft mit den Verantwortlichen anbieten", regt sie an. "Ich könnte mir vorstellen, dass das den Menschen guttut." Es sei halt momentan schon sehr trist im Schwabencenter.

Wie geht es mit dem Schwabencenter weiter?
Bild: Silvio Wyszengrad

Sanierung Schwabencenter: Stadt Augsburg begleitet Planungsschritte

Auch bei der Stadt Augsburg hat man das Einkaufszentrum alles andere als aufgegeben. "Wir verfolgen die Planungen mit großem Interesse", berichtet Karl Bayerle, Leiter der Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg. Das Schwabencenter sei angesichts der Bevölkerungsdichte im direkten Umfeld in Herrenbach und Spickel ein wichtiger Versorgungsstandort, der erhalten und weiterentwickelt werden soll.

Bayerle bestätigt, dass in den kommenden Wochen ein Abstimmungstermin mit dem Eigentümer Solidas stattfinde. Man wolle die Umsetzbarkeit verschiedener Varianten diskutieren. "Auch hinsichtlich der Mischung unterschiedlicher Nutzungsmöglichkeiten und der Ansprüche an den Standort." Oberbürgermeisterin Eva Weber betont, dass das Schwabencenter für sie als Wirtschaftsreferentin bereits ein wichtiges Thema gewesen sei. "Mit dem Eigentumsübergang an die Firma Solidas wurden neue Überlegungen und Planungen erstellt. Das erfordert Zeit."

Die Zeit würde Gisela Mayo manchmal gerne zurückdrehen, wenn sie an die rosige Vergangenheit des Schwabencenters denkt. Damals, als das Center noch als Publikums- und Kundenmagnet über Augsburg hinaus galt. Als es namhafte Geschäfte und gute Restaurants gab - und eine Disco. "Das Jet Set war die Disco schlechthin in ganz Süddeutschland", erinnert sich Mayo, die im Schwabencenter aufwuchs. "Da traten Stars auf wie Marianne Rosenberg oder Robert Blanco. Ilja Richter war sogar mit seiner Sendung Disco hier."

Die goldenen Zeiten des Schwabencenters sind schon lange vorbei, das weiß hier jeder. Doch der jetzige Zustand, das sagen die Bewohner, könne so nicht weitergehen. Dafür kämpfen sie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schwabencenter: Ungeduld der Anwohner ist nachvollziehbar

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

10.09.2020

Na ja, an der Tiefgarage wird's wohl nicht liegen, dass das Schwaben-Center so dahinsiecht. In nächster Nähe gibts (noch) Real, dann diverse Discounter und natürlich die City-Galerie. Da wird's auch für diverse Interessenten schwer, dort zu investieren und Geschäfte oder Restaurants zu eröffnen. Der Umsatz muss stimmen und da wirds dann schwierig. Die meisten, die sich jetzt beschweren, gehen doch eher zum Discounter einkaufen, da es meist billiger ist als bei EDEKA im Schwabencenter.

Permalink
10.09.2020

Kleiner Tipp an die Planer:
Wenn ich von der Friedberger Straße kommend ins Schwabencenter einkaufen will, dann ist das "Rumgegurke" bis zur äußerst unattraktiven dunklen Tiefgarage mit mehreren Ampeln auf dem Weg dorthin indiskutabel. Bevor ich also wieder interessante Geschäfte ins Schwabencenter locke, muss die Anfahrt und Parkmöglichkeit neu organisiert werden. Vielleicht kann mir einer erklären, warum die Brücke zum Obergeschoss des Parkhauses abgerissen wurde. Das war für mich der Punkt, warum ich seitdem dort nie wieder war. Ich pendel von der Stadt kommend jeden Tag in Richtung Friedberg!

Permalink
10.09.2020

Verstehe ich auch nicht, die Brücke war so ziemlich das neueste am ganzen Bauwerk.
Was die Zufahrt betrifft: Ich nehme wohl an, der hässliche Fußgängersteg wird irgendwann einmal abgerissen und durch die Ampel ersetzt. Dann würde es sich schon gleich anbieten, die bestehende Ampelanlage zu erweitern und eine Ausfahrt zur Wilhelm- Hauff- Straße zu schaffen. Aber Planung in Augsburg ist ja aber bekanntlich Stückwerk.

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren